ETH-Studenten gewinnen Gold in China
Von Elke Wiebalk. Aktualisiert am 24.09.2011 8 Kommentare
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Sechs Architekturstudenten der ETH Zürich haben den ersten Preis eines internationalen Städteplanungswettbewerbs gewonnen. Mit «Vertical Cities Asia» sollte eine Stadt in China entworfen werden, die auf das rasante Bevölkerungswachstum asiatischer Städte eingeht und dabei soziale sowie ökologische Nachhaltigkeit berücksichtigt.
«Everyone needs fresh air» hiess das Motto des Wettbewerbs. Zielvorgabe: ein Konzept für ein 5,4 Quadratkilometer grosses Gebiet ausserhalb der Stadt Chengdu zu entwickeln, welches Gebäude, Pärke, Wasser- und Strassensysteme beinhaltet. Die grösste Heraus- forderung war, pro Quadratkilometer 100'000 Menschen zum Wohnen und Arbeiten unterzubringen. Im Vergleich: In Zürich leben rund 4000 Menschen auf einem Quadratkilometer.
Chengdu liegt im Zentrum Chinas und ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan. Die Stadt zählt zurzeit elf Millionen Einwohner &endash diese Zahl wird sich in den nächsten 25 Jahren verdreifachen. Die National University of Singapur und die chinesische World Future Foundation lancierten im vergangenen Januar diesen internationalen Wettbewerb, der die nachhaltigste Lösung für dieses enorme Wachstum suchte.
«Symbio City» setzte sich durch
Im Rahmen des Lehrangebots der Professur für Architektur und Städtebau unter Professor Kees Christaanse nahmen zwei Teams von ETH-Studenten am Wettbewerb teil. Das Projekt «Symbio City» der sechs Studenten Carmen Baumann, Julianne Gantner, Nina Hug, Selina Masé, Louis Wangler und Alessandro Bosshard setzte sich schliesslich gegen Konzepte zehn anderer Universitäten aus Asien, den USA und Europa durch. Die Idee der sechs basierte darauf, möglichst viel frische Luft und Grünfläche in einen Baukomplex zu integrieren und dabei vor allem auf die Bevölkerung Rücksicht zu nehmen, statt sich in der Entwicklung futuristischer Megakomplexe zu verlieren. Das Konzept soll sicherstellen, dass die Stadt nicht nur ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig ist, sondern sich vor allem sozialverträglich entwickelt. Nicht nur ist die ursprüngliche Bevölkerung in die Planung mit einbezogen worden &endash die neue Stadt sichert ihnen sogar einen wirtschaftlichen Vorteil zu. «Für China schien das eine ziemlich revolutionäre Idee», sagt Alessandro Bosshard.
Kein totes Land
Zusammen mit seinen Kommilitonen flog er im vergangenen März nach China, um sich das zu bebauende Gebiet anzusehen. «Dort leben zurzeit Bauern, die Raps und Reis anpflanzen», sagt Bosshard. Sie hätten einfache Dorfstrukturen vorgefunden sowie Seen, Flüsse und Wälder. «Mit unserem Projekt durften wir das bestehende Gebiet nicht einfach umgraben und vollkommen zerstören», sagt Louis Wangler. «Das ist kein totes Land, das man einfach ummähen kann.» Deshalb nahmen die zukünftigen Architekten die vorhandenen Strukturen als Basis für ihre Städteplanung ein ehrgeiziges Unterfangen, das ihnen schliesslich den ersten Preis einbrachte.
Um die Integration der bestehenden Strukturen zu garantieren, legten die jungen Planer Wert auf soziale Nachhaltigkeit: In gewissen Zonen sollen Investoren das Gebiet bebauen, andernorts soll die ursprüngliche Bevölkerung in die Stadtplanung mit einbezogen werden. «Es handelt sich um eine Kombination aus Laisser-faire und eigentlichem Planen», sagt Wangler. Dies habe sich schon in anderen chinesischen Städten als ein guter Ansatz erwiesen. «Somit entsteht eine durchmischte Einwohnerstruktur, in der auch die ursprüngliche Bevölkerung überleben kann», so der Student.33 Prozent der Grundfläche von «Symbio City» sind begrünt. «Wir haben die Stadt so entworfen, dass sich die Grünfläche zusammenhängend durch das gesamte Gebiet zieht», erklärt Bosshard. «Man könnte von einer Seite der Stadt zur anderen laufen, ohne diese grüne Zone zu verlassen.» Dieser vernetzte Park soll die Gemeinschaft stärken. «In China sind Pärke für den sozialen Zusammenhalt sehr wichtig», sagt Wangler. «Dort trifft man sich zum Sport, zum Tanz und in öffentlichen Teehäusern.»
Investoren haben das Sagen
Im Juli flog Alessandro Bosshard nach Singapur, um das Projekt vorzustellen. Dabei sah er zum ersten Mal die Vorschläge der Konkurrenten. Viele hatten sich &endash im Unterschied zu den Zürcher Studenten nur auf das rasante Bevölkerungswachstum und weniger auf Nachhaltigkeit konzentriert. So entwickelten sie zum Teil Pläne für futuristisch anmutende Megakomplexe.
Ob ihr Konzept tatsächlich umgesetzt wird, hänge nun von den Investoren in China ab, sagt Bosshard. Mit dem Preisgeld von 15'000 Singapur-Dollar – umgerechnet rund 10'000 Schweizer Franken – wollen die sechs ETH-Studenten zusammen eine Reise unternehmen. «Trotz der schwierigen Aufgabenstellung hat es im Team immer bestens funktioniert», sagt Wangler. «Wir haben uns alle gut kennen und schätzen gelernt.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.09.2011, 06:43 Uhr
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8 Kommentare
Gratuliere den Gewinnern. Aber es zeigt, dass das Wettbewerbswesen krankt.
Die investoren bekommen eine ausgearbeitete Arbeit für CHF 10'000 was sie für so einen Preis nie bekommen würden - und können erst noch damit machen was sie wollen. 10'000 ist einfach zu wenig, und eine Einbindung in die Realisierung oder auskauf von dieser Einbidung sollte mindestens vereinbart sein.
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