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Dieses Design! Und der Kerosinduft!

Warum auch ein kritischer Linker glänzende Augen bekommt und weiche Knie, wenn er den Airbus A380 sieht.

Bereichert die heutige Airlinerwelt ungemein: Der A380 vorgestern nach dem Start vom Flughafen Zürich.

Bereichert die heutige Airlinerwelt ungemein: Der A380 vorgestern nach dem Start vom Flughafen Zürich.
Bild: Keystone

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Zur Person

Der Autor ist Grafiker und Karikaturist und zeichnet regelmässig für den TA.

Seit Singapore Airlines Zürich mit dem grössten Passagierflugzeug der Welt, dem Airbus A380, anfliegen will, spricht man in der Öffentlichkeit wieder einmal erfreut über den Flugverkehr. Zehntausende pilgern nach Oberglatt, um die erste Landung des Jets zu sehen. Luftverschmutzung, Südanflüge, Lärm sind angesichts der Faszination Flugzeug schnell vergessen. Wenn man über den CO2 spricht, dann sogar positiv, weil ein A380 zwischen Singapur und Zürich zwei kleinere Boeing 777 ersetzt.

Warum schreibt ein tendenziell linker Cartoonist und Kulturschaffender, der sich über Neoliberalismus und Wirtschaftsglobalisierung enerviert, solche Dinge? Wer als Bub von Flughäfen und Flugzeugen angefressen war, bringt das einfach nicht mehr weg. Bei aller Kritik an Shopping-Billigflügen oder der Kostenunwahrheit des Business: Sieht der Autor ein weisses Linienflugzeug in den blauen Himmel steigen, dann ist das, wie wenn er einen guten Popsong hört. Es verleiht ihm einen kurzen Schauer.

Brasilien . . . !

Den Autor faszinierte als Bub auf der Zuschauerterrasse in Kloten die Vorstellung, dass dieses riesige Flugzeug bis nach Brasilien fliegt. Und dass das von der Air Lanka einen Paradies-vogel im Leitwerk trägt. Und er war immer Fan des Jumbos mit der grossen Pan-Am-Aufschrift. Er wurde womöglich deswegen Grafiker. Pilot wollte er nie werden, weil er nicht gut ist im Alles-immer-gleich-machen.

Es ist nicht nur die Technik. Es ist die Ästhetik, der Kerosinduft, das Fernweh, das Design der Airlines, das – besonders früher – Futuristische am Fliegen.

Flugzeugen bei der Landung zusehen und sie sogar fotografieren? Der Autor macht so etwas ab und zu. Er kennt auch jeden Flugzeugtyp. Er macht das nur für sich. Er hat zu Hause im Büro auch Modellflugzeuge, teilweise in Schachteln aufbewahrt. Seine Besucher sagen entweder nichts, oder ihre Augen beginnen zu glänzen.

Eher fern hält sich der Autor von den eingefleischten Spottern in ihren mit A380-Klebern verzierten Volvo-Kombis, die jede Immatrikulation aufschreiben und mit dem Funkgerät am Pistenrand auftauchen. Weil es für die nichts anderes als die Fliegerei gibt. Die Profispotter waren am Mittwoch auch kaum im Unterland. Die haben schon in Sydney oder Singapur im schönsten Sonnenlicht A380 fotografiert. Der neblige A380-Rave auf dem vereisten Feld ging eher Richtung Madonna-Konzert oder Züri-Fäscht. Eine Grossveranstaltung, zu der die Leute einfach hingehen, weil sie gross ist.

An einem Sonntag am Pistenrand zu stehen, mit einer Bratwurst in der Hand, das ist wie ein Challenge-League-Match. Ab und zu gibts eine Überraschung: eine weissrussische Tupo-lew-154 oder ein uralter lärmiger DC-8-Frachter. Jubeln tut man dezent oder rein innerlich. Und es kostet keinen Rappen, abgesehen von der Wurst.

Der Mondraketentick

Eher dem Intellekt zugeneigten Personen, die Tocotronic hören und sich für Philosophie, Kunst, Filme, Architektur, Politik begeistern, ist solch spezifisches, unreflektiertes Interesse an Technischem wie Autos, Eisenbahnen oder eben Flugzeugen meist fremd (Ausnahme: iPhone). Viele geben ihre Faszination für solche Dinge aber auch einfach nicht zu. Mir hat ein Kollege und DJ nach einigen Bieren gesagt, er könne an keinem Modellbahnladen vorbeigehen, ohne schnell ins Schaufenster zu gucken. Ein Regisseur ist bis ins Detail von Mondraketen fasziniert und liest Bücher darüber. Ein anderer ist U-Bahn-Fan.

Der A380 bringt übrigens Farbe in die in den letzten Jahren langweiliger gewordene Airlinerwelt. Er ist, nach den Oldies Concorde und Jumbo, wieder einmal ein Flugzeug, das auch Kinder sofort erkennen. Wie ein Wal mit zwei Reihen Fenster. So werden wieder viele von ihnen angefressen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2010, 12:11 Uhr

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