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Das Auge des Super Puma

Von Heinz Zürcher. Aktualisiert am 17.04.2012 9 Kommentare

Der Däniker Oberstleutnant Christian Lucek sucht mit Video- und Wärmebildern nach Vermissten und Verletzten. Auf einem Trainingsflug zeigt er, worauf es ankommt: Konzentration.

Bereit zum Einsatz: Christian Lucek vor seinem Arbeitsgerät, einem Super Puma der Schweizer Armee.

Bereit zum Einsatz: Christian Lucek vor seinem Arbeitsgerät, einem Super Puma der Schweizer Armee.
Bild: Madeleine Schroder

Christian Lucek

Oberstleutnant und SVP-Kantonsrat
Der Däniker Christian Lucek kann beruflich zwei seiner Leidenschaften verbinden: Fliegerei und Fotografie. Die Rekrutenschule hatte der gelernte Offsetfotograf im Team der Mirage-Aufklärer absolviert. Nach seiner Ausbildung zum Offizier begann er 1987 als Bordfotograf bei der Armee zu arbeiten. Er machte Luftaufnahmen und Vermessungsflüge für die Landestopografie.

Die Arbeit mit Infrarotkameras begann für ihn in den 1990er-Jahren, als man damit Versuche in Helikoptern durchführte. Lucek wurde beauftragt, das Potenzial der luftgestützten Wärmebildgeräte weiterzunutzen.

Heute ist Oberstleutnant Lucek Chef des Fachdienstes Forward-Looking-Infrared-System und betreut als stellvertretender Chef der Sparte Luftaufklärung verschiedene Projekte in diesem Bereich.

Daneben ist der Vater zweier Kinder politisch aktiv. Als SVP-Kantonsrat und Mitglied der Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt engagiert er sich unter anderem bei den Flughafendossiers sowie bei der Frage um die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf. Dieser spielt seiner Ansicht nach eine wichtige Rolle in der Militäraviatik.

Suchdienst

Innert einer Stunde einsatzbereit
Seit 2006 stellt die Luftwaffe im Auftrag des Bundesamtes für Zivilluftfahrt und im Rahmen internationaler Abkommen die Mittel für den Vermissten-Suchdienst sicher. Zu diesem Zweck ist ein Helikopter mit der erforderlichen Ausrüstung und Besatzung rund um die Uhr innerhalb einer Stunde einsatzbereit.

Neben der relativ seltenen Suche nach vermissten oder verunfallten Flugzeugen kann der Dienst auf Anfrage der zuständigen Polizeikorps für die Suche nach vermissten Personen aufgeboten werden. Diese Einsätze erfolgen jeweils in enger Zusammenarbeit mit weiteren Rettungsorganisationen.

Durchschnittlich erfolgen 20 bis 30 Einsätze pro Jahr. Bisher konnten 16 Personen mithilfe von Bildern aus der Luft geortet werden. Weitere Einsatzformen bilden die Unterstützung bei Waldbränden oder bei Aufgaben des Grenzwachtkorps.

Für polizeiliche Aufträge bei Grossveranstaltungen oder Konferenzschutzaufgaben, beispielsweise bei der Euro 08 oder dem WEF, können die Sensorbilder zuhanden der Einsatzleitung an den Boden übermittelt werden.

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Der Helikopter ruckelt ein wenig, hebt ab und dreht in Richtung Osten. Der Flugplatz Dübendorf wirkt kleiner und kleiner, bis er ganz aus dem Blickfeld verschwunden ist. Doch die Landschaft interessiert Christian Lucek in diesem Moment nicht, zumal über dem Zürcher Oberland jetzt Regen einsetzt und gegen die nach unten gekippte Nase des Super Puma peitscht. «Richtiges SAR-Wetter», sagt Pilot Oliver Okle ins Mikrofon. SAR steht für Search and Rescue – zu Deutsch Suche und Rettung.

Unter diesem Begriff werden Organisationen zusammengefasst, die bei einer Vermisstensuche zum Einsatz kommen könnten: Polizei, Bergführer, Rega oder die Schweizer Armee mit ihren Super-Puma-Helikoptern. Mindestens einer dieser Helikopter ist ständig mit einer Infrarotkamera ausgerüstet, einem Forward-Looking-Infrared-System (Flir). Die Kamera liefert Wärmebilder, mit denen vermisste Personen aus der Luft geortet werden und deren Position an die Rettungskräfte am Boden weitergeleitet wird.

Den Peilsender am Ohr

Die Kamera findet die Personen jedoch nicht von allein. Sie muss bedient werden, zum Beispiel von Oberstleutnant Christian Lucek aus Dänikon. Sein Arbeitsplatz befindet sich hinter dem Cockpit und besteht hauptsächlich aus einem Pult, einem Joystick und drei Bildschirmen. Lucek steckt in einem Fliegerkombi der Luftwaffe, sein Kopf in einem Helm, der ihn akustisch mit dem Rest der Besatzung verbindet: mit Bordmechaniker Horst Müller sowie den Piloten Oliver Okle und Ines Widmer.

Momentan hört Lucek aber vor allem das Geräusch des Peilsenders. Es soll die Besatzung an den Unfallort dieses Trainingseinsatzes führen. An einem Waldrand bei Frauenfeld ist ein Kleinflugzeug abgestürzt. Luceks Kollege Andri Spinas ist mit einem Peiler ausgerüstet und spielt den Verletzten. Lucek soll mittels Videokamera und Infrarotkamera herausfinden, wo er liegt.

Nur das geschulte Auge kann bei Sonnenschein einen Körper auf dem Bildschirm ausmachen

Nach einer halben Stunde hat die Crew das Zielgebiet um Frauenfeld erreicht. Der Helikopter fliegt die Gegend ab, doch von einer Flugzeugattrappe ist weit und breit nichts zu sehen. Der Ton eines anderen Peilsenders erschwert die Ortung. Als die Piloten für einen erneuten Versuch abdrehen wollen, sagt Lucek: «Da vorne, ein gelbes Kreuz.» Die Attrappe hat er per Videokamera entdeckt. Nun muss er noch den vermissten Piloten finden. Dazu konzentriert sich Lucek vor allem auf das Bild, das ihm die Infrarotkamera liefert.

Warme Objekte werden auf dem Infrarotbild hell dargestellt, kühlere dagegen dunkel. Das ermöglicht die Suche vor allem nachts. Auch bei bewölktem Himmel sind die Bedingungen optimal. Vom idealen SAR-Wetter beim Start ist jetzt aber nichts mehr übrig. Mittlerweile scheint die Sonne und erwärmt Baumstrünke, Hochstände und Steinplatten. Nur das geschulte Auge des Flir-Operateurs kann nun zwischen den vielen leuchtenden Flecken auf dem Bildschirm einen Körper ausmachen. Mal hat Lucek einen Spaziergänger mit Hund im Visier, mal ein Rudel Rehe, doch seinen Kollegen Spinas hat er auch nach mehreren Runden nicht entdeckt. Unbeirrt weist Lucek die Piloten an, in welche Richtung sie fliegen sollen. Die Hand locker am Joystick, pendelt sein Blick zwischen Videobild und Infrarotbild, ohne Anzeichen von Nervosität.

Für Gefühle bleibt während des Fluges wenig Platz

Ruhig bleibe er auch im Ernstfall, sagt Lucek: «Ist ein menschliches Schicksal mit dem Einsatz verbunden, erhöht sich die Konzentrationsfähigkeit sogar.» Am häufigsten ist er in den Bergen unterwegs. Im Unterland wird die Hilfe aus der Luft vor allem wegen vermisster Alzheimerpatienten benötigt. Sie ist aber auch in anderen Notsituationen von Nutzen. Letztes Jahr führte ein Hinweis auf einen möglichen Suizid das Team in die Gegend um Buchs. Die Suche verlief allerdings erfolglos. Spaziergänger fanden die gesuchte Person am andern Tag leblos in einem Bach.

Nahe gehen Lucek Einsätze, in die Kinder involviert sind. Doch für Gefühle bleibt während des Fluges wenig Platz. Dann ist höchste Konzentration gefragt. «Die Schwierigkeit besteht darin, die visuellen und akustischen Informationen laufend zu verarbeiten – und das im lauten Helikopter, dessen Position sich ständig verändert», sagt er.

Das Flugzeug und der Vermisste wurden gefunden

Auch jetzt, eine Stunde nach dem Start in Dübendorf, wandern Luceks Augen noch über die Bildschirme und suchen das Waldstück nahe der Flugzeugattrappe systematisch ab. Er bittet den Piloten, weiter geradeaus zu fliegen – und sieht plötzlich etwas Weisses, Längliches, das sich in seiner Form von den anderen weissen Flecken abhebt. Erst als Andri Spinas winkt, sind die Arme zu erkennen. Wenig später sticht der Helikopter hinunter. Während der Rotorwind den Waldrand aufwühlt, steigt Andri Spinas ein.

Zurück in Dübendorf, zeigt sich Lucek zufrieden mit dem Trainingseinsatz. Das Flugzeug und der Vermisste wurden gefunden, eine Gefahr bestand zu keinem Zeitpunkt. «Am gefährlichsten ist ohnehin die nächtliche Heimfahrt mit dem Auto», sagt Lucek. «Dann erst löst sich jeweils die Anspannung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2012, 13:42 Uhr

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9 Kommentare

Dani Kern

18.04.2012, 13:38 Uhr
Melden 20 Empfehlung 0

Leute, die nach Vermissten suchen und allgemein Rettungsleute haben hierzulande zurecht einen sehr hohen Status, weil sie sich für Menschen in Not einsetzen. Mit diesem Artikel wissen es nun viele Menschen, dass Herrn Lucek auf dazu gehört, was ihm bei den nächsten Wahlen äusserst hilfreich sein wird (nur falls jemand wieder sagen sollte, die Medien sind ohnehin immer gegen die SVP...). Antworten


Theo Friedli

18.04.2012, 15:30 Uhr
Melden 13 Empfehlung 1

Es ist gut, dass die Armee über solche Instrumente verfügt (immerhin auch in Friedenszeiten einsetzbar und lebensrettend statt -zerstörend!) und bei einem Flugzeugabsturz ist der Einsatz eines Super-Puma sicher angemessen. Ich hoffe jedoch sehr, dass bei Suchaktionen nach Einzelpersonen kleinere, wendigere, weniger teure und umweltfreundlichere Hubschrauber statt dem Super-Puma eingesetzt werden. Antworten



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