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Auf Kreuzfahrt in Ghadhafis Haifisch-Jacht
Aktualisiert am 16.03.2012 7 Kommentare
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Man kennt die Szene aus James-Bond-Filmen: Wichtige Persönlichkeiten werden per Helikopter auf eine Jacht gebracht, wo sie mit dem Bösewicht an einem langen Tisch sitzen. Im Hintergrund ist ein Aquarium, hungrige Haifische schwimmen im Kreis. Man bespricht Geschäftsdeals und Waffenlieferungen – und zwischendurch wirft der Bösewicht seinen Meereskillern im Aquarium einen liebevollen Blick zu.
So ähnlich hatte sich Hannibal Ghadhafi die Geschäftstreffen seines Vaters wohl vorgestellt, als er 2010 eine neue Jacht bestellte. Der südkoreanische Schiff- und Maschinenhersteller STX Corporation sollte sie bauen. Denn die Ghadhafis waren zunehmend frustriert: Weil Kreuzfahrten etwa ein Jahr im Voraus gebucht werden müssen, fanden sie kurzfristig oft keine Schiffe, um Staatsgäste auf hoher See zu empfangen.
Prunk für 3500 Gäste
Wie die «Financial Times» berichtet, sollte die Jacht der Ghadhafis auf den Namen Phoenicia getauft werden. Sie war für 3500 Passagiere ausgelegt und die Ghadhafis verlangten allerlei Prunk an Bord: Vergoldete Spiegel, Marmorsäulen und gigantische Statuen hätten die Gänge der Phoenicia geziert. Im besagten Aquarium hätten sich je zwei Tigerhaie, zwei weisse Haie und zwei Schwarzspitzen-Riffhaie getummelt. Vier Biologen wären permanent für die Betreuung der Tiere an Bord gewesen.
Doch zur Fertigstellung des Schiffs kam es nicht ganz. Nach Nato-Intervention und Bürgerkrieg wurde die Order 2011 storniert. Hannibal Ghadhafi, ehemals für Schifffahrt und Transport im Regime seines Vaters zuständig, floh nach Algerien ins Exil.
Millionenteurer Umbau
Gemäss dem Zeitungsbericht der «Financial Times» soll die Haifisch-Jacht der Ghadhafis nun umgenutzt werden. Als Käuferin hat sich die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises gefunden. Sie investiert nun über 500 Millionen Dollar, um das Boot touristentauglich zu machen. Das heisst: um den Goldschmuck zu entfernen und dem Schiff ein adäquates Design zu verpassen. Auch das Haifischbecken muss weg, wie Firmenchef Pierfrancesco Vago dem Finanzblatt sagt.
Neu wird das Schiff auf den Namen MSC Preziosa getauft. Erste Touristen werden ab nächsten März auf dem Schiff umherkreuzen können. Die umfunktionierte Diktatorenjacht wird dann nicht mehr vor Libyens Küste, sondern in den gemässigten Gewässern der Ägäis unterwegs sein. (ssc)
Erstellt: 16.03.2012, 12:59 Uhr
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