Wissen

Michèle Widmer
Redaktorin News


Wo sich die Schweizer Wölfe verstecken

Aktualisiert am 01.08.2012

In der Schweiz leben bis zu 20 Wölfe. Die Grossraubtier-Expertin Danielle Gugolz erklärt, was passiert, wenn Mensch und Wolf aufeinandertreffen und weshalb Lamas ganz gute Herdenbeschützer sind.

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Danielle Gugolz ist Projektleiterin Grossraubtiere beim WWF. (Bild: WWF)

Leuthard lobt Massnahmen zum Herdenschutz

Doris Leuthard hat bei ihrem gestrigen Besuch auf der Alp Creux de Champ bei Les Diablerets VD die Wichtigkeit von Herdenschutzhunden unterstrichen. Zusammen mit der Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro informierte sie sich vor Ort über die Arbeit mit den Hunden zum Schutz gegen den Wolf.

Die Umweltministerin lobte das Engagement der Kantone Waadt, Bern und Freiburg, die in den Westschweizer Voralpen einen «beispielhaften» Herdenschutz vorweisen würden, wie es in einem gemeinsamen Communiqué des eidgenössischen Departements für Umwelt, Energie, Verkehr und Kommunikation (UVEK) sowie des Kantons Waadt heisst.

Sie bezeichnete den Einsatz von Schutzhunden als Erfolg. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) fiel im Jahr 2011 bei den von Hunden bewachten Herden kein einziges Tier dem Wolf zum Opfer.

An die Nutztierhalter gerichtet, appellierte die Umweltministerin an deren Engagement. Dieses bleibe «die wichtigste Voraussetzung», um das Zusammenleben von Grossraubtieren und Herden zu ermöglichen, sagte sie gemäss Communiqué. Der Bund unterstütze die Nutztierhalter zwar mit Beratung und finanziellen Mitteln, doch der Herdenschutz sei Sache der Branche. (sda)

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Laut der Grossraubtier-Expertin Danielle Gugolz könnten in zehn Jahren mehrere Wolf-Familien in der Schweiz leben. Würden Sie das begrüssen?

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Eine Alternative für Hunde: Lamas beschützen Schafsherden. (Video: Keystone )

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Nachdem der Bär M13 im Kanton Graubünden in den letzten Wochen immer wieder für Schlagzeilen sorgte, ist gestern ein anderes Raubtier in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Ein Wolf hat am Freitag auf der Alp Ramuz am Kunkelspass bei Vättis zwei Schafe gerissen. Laut der St. Galler Staatskanzlei war dies der erste Wolfsriss im Kantonsgebiet überhaupt.

Offiziell ziehen zurzeit zehn Wölfe durch die Schweizer Wälder – sieben Männchen und drei Weibchen. Laut Danielle Gugolz, Projektleiterin Grossraubtiere beim WWF sind dies allerdings nur diejenigen Tiere, die genetisch identifiziert sind. «Man rechnet mit bis zu zehn weiteren Individuen, die sich in der Schweiz aufhalten», erklärt sie. Dazu gehören auch die beiden Tiere, die seit Mitte 2011 im Kanton Graubünden und jetzt auch in St. Gallen unterwegs sind.

87 Betriebe werden geschützt

Seit der erste Wolf im Jahr 1995 in die Schweiz zurückgekehrt ist, versuchen Alpbewirtschafter ihre Nutztiere vor dem Raubtier zu schützen. Dies – trotz den vereinzelten Angriffen – mit Erfolg. «Nur zehn Prozent der geschützten Betriebe werden von Wölfen angegriffen», sagt Gugolz. Bei ungeschützten Alpen würden solche Zwischenfälle viel häufiger vorkommen.

Der Bund unterstützt Bewirtschafter, deren Betriebe in Territorien von Wölfen und Luchsen liegen. Für die nationale Koordination der Herdenschutzmassnahmen ist die Beratungsstelle Agridea zuständig. Sie kommt auch im jüngsten Wolfsriss auf der Alp Ramuz zum Einsatz. Agridea-Mitarbeiter werden nun untersuchen, wie die rund 400 Schafe dort besser geschützt werden können.

Lamas: Eine Alternative

Im Jahre 2011 wurden insgesamt 87 Betriebe von rund 200 Herdenschutzhunden beschützt. Viele von ihnen im Berner Oberland, in den Kantonen Waadt, Wallis und Freiburg, aber auch in der Innerschweiz, im Bündnerland und im Tessin.

Hunde sind jedoch nicht die einzigen Tiere, die sich zur aktiven Abwehr von Wölfen eignen. Zurzeit wird in einigen Regionen der Einsatz von Lamas als Alternative für Hunde getestet. So im Entlebuch, wo es in den letzten Monaten zu mehreren Wolfrissen kam.

Laut dem Lamazüchter René Riedweg (siehe Video) eignen sich die neugierigen Tiere gut für den Schutz von Schafen. «Sollte ein Wolf angreifen, würde sich das Lama zur Wehr setzen. Es würde spucken und den Wolf mit den Vorderbeinen attackieren», sagt er. Die Präsenz von Lamas auf einer Alp hat auch andere Vorteile. Denn für Touristen, die sich manchmal vor Schutzhunden fürchten, ist ein Lama das angenehmere Tier.

Ob Lamas eine gute Alternative für Hunde als Nutztierbeschützer sind, ist für Gugolz fraglich: «Ein richtiger Schutzhund wächst mit der Herde auf, fühlt sich als Teil einer Familie und verteidigt diese auch dementsprechend vor Angriffen», sagt sie. Ein Lama oder ein Esel würden bei einem Angriff zwar auch agressiv, würden aber letztlich nur sich selbst verteidigen.

Schweizer Wölfe vermehren sich langsam

Die Zahl der Wölfe in der Schweiz bleibt seit mehreren Jahren konstant. Weshalb das so ist, ist der Wissenschaft ein Rätsel. «Die grosse Frage ist: Weshalb reproduzieren sich die Wölfe in der Schweiz nicht?», sagt Gugolz. In Frankreich beispielsweise hätten sich die Tiere innert weniger Jahre vermehrt. In der Schweiz ist dies anders: Hier wurde bisher keine Fortpflanzung festgestellt.

Eine Erklärung dafür gibt es nicht – lediglich Vermutungen: «In der Vergangenheit wurden Tiere illegal, aber auch legal abgeschossen. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall, dass Männchen und Weibchen bisher nicht aufeinander getroffen sind», erklärt Gugolz.

Eine Freude, keine Sorge

Für die Zukunft zeigt sich die WW-Projektleiterin aber optimistisch: «Ich denke in zehn Jahren werden wir mehrere Wolf-Familien in der Schweiz haben.» Dann könnte es auch sein, dass der Wolf vermehrt in Regionen im Flachland vordringt. «Der Wolf ist ein anpassungsfähiges Tier, das potentiell überall leben kann, solange es in dem Gebiet genug Ruheplätze gibt», sagt sie.

Sollten die Wölfe ihren Lebensraum wirklich ausdehnen, wäre dies laut Gugolz ein Grund zur Freude, und nicht zur Sorge. «Wölfe sind sehr scheu und würden sich sofort verstecken, wenn sie einen Menschen antreffen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.08.2012, 09:55 Uhr

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