Wo bleibt die Klimaerwärmung?
Von Malcolm Ritter, DDP. Aktualisiert am 07.01.2010 68 Kommentare
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Der strenge Winter in vielen Gegenden der Erde scheint nicht zu den Warnungen der Wissenschaft zu passen, dass Treibhausgase das Klima immer weiter anheizen. «Das gehört zur natürlichen Schwankungsbreite», erklärt der Wissenschaftler Gerald Meehl vom National Center for Atmospheric Research in Boulder im US-Staat Colorado. Trotz der Erderwärmung «wird es immer noch Kälterekorde geben. Es wird bloss weniger davon geben.» Deke Arndt vom amerikanischen Klimadatenzentrum weist darauf hin, dass sich 2009 in die Liste der zehn wärmsten Jahre seit 1880 einreihen wird.
Die Klimaerwärmung von Menschenhand kann häufigere und heftigere Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren, Stürme und sogar Kälteperioden zur Folge haben. Der derzeitige Frosteinbruch jedoch zählt den befragten Fachleuten zufolge jedoch nicht dazu. Im Grunde lägen einfach grosse arktische Luftmassen über den bewohnten Gegenden der nördlichen Hemisphäre, erklärt Arndt. «Die arktische Luft ist richtig über uns hereingebrochen.»
Abschwächung in zwei Wochen erwartet
In der Atmosphäre kreisen massive Luftströmungen grob gesprochen von West nach Ost zwischen Arktis und Tropen um den Erdball und halten wie ein Zaun die Polarluft zurück. In letzter Zeit aber hat diese Strömung Zick-Zack-Form angenommen und schlängelt sich nord- und südwärts. Dort, wohin sie Luft von Süden her schaufelt, wird das Wetter warm. Tatsächlich erreichten die Temperaturen diese Woche im US-Staat Washington und in Alaska Rekordhöhen. Doch der Osten der USA bekam wie viele andere Regionen der Erde Polarluft aus dem Norden serviert. So fiel in Peking das Thermometer auf minus 16 Grad, in Norwegen auf bis zu minus 41 Grad. Teile Grossbritanniens versanken unter fast einem halben Meter Schnee.
Das Zick-Zack-Muster sei eine natürliche Erscheinung von Zeit zu Zeit, erklärt die Meteorologin Michelle L'Heureux. Unklar sei allerdings, warum es gerade jetzt so stark ausgeprägt sei. Die Meteorologen erwarten, dass sich das Muster in ein, zwei Wochen abzuschwächen beginnt.
«Voriges Jahr waren wir jeden Tag baden»
Das wird man im Süden der USA gern hören, wo man versucht, die Erdbeerernte und andere Früchte in Millionenwert zu retten. Und in Miami Beach mummelten sich Urlauber am Mittwoch in Wintermantel und Kapuzenpullover ein; nur einige ganz Unerschrockene wagten sich in Badekleidung ans Wasser und tauchten einen Zeh hinein. «Voriges Jahr waren wir jeden Tag baden», erinnerte sich die Deutsche Olivia Rüdiger sehnsüchtig. «Das vermisse ich.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.01.2010, 14:09 Uhr
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