Wissen

Titanic-Wrack wird zugemüllt

Aktualisiert am 11.04.2012

Seit 100 Jahren liegt die Titanic auf dem Grund des Nordatlantiks. Vorbeifahrende Schiffe und Besucher hinterlassen ihre Spuren: Bierdosen, Waschmittelpackungen oder Plastikblumen als Andenken.

1/4 Aktuelles Mosaikbild mit vielen Details: Blick auf den Bug des Wracks.
Bild: Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI)

   

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Titanic sank vor 100 Jahren

Titanic sank vor 100 Jahren
Am 15. April 1912 sank das Passagierschiff Titanic nach einer Kollision mit einem Eisberg. Der Untergang dämpfte den damals herrschenden Glauben an den Fortschritt, da die Titanic als unsinkbar galt. 1517 Menschen starben beim Unglück.

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Hundert Jahre nach dem Untergang der «Titanic» gleicht der Meeresboden rund um das Schiffswrack einer Müllkippe. Der meiste Abfall stammt von Schiffen, die den Ort der Katastrophe im Nordatlantik passieren: «Bierdosen, Plastikbecher, solche Sachen», sagt James Delgado. Mit dem allgemeinen Zustand des Wracks selbst aber ist der Leiter des Programms für Kulturstätten im Meer der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde (NOAA) zufrieden.

«Sogar eine Packung Waschmittel haben wir gefunden», berichtet Delgado von einer Expedition im August 2010, bei der er sich an Bord des russischen Tauchfahrzeuges «Mir» dem gesunkenen Schiff näherte. Die Expedition diente dazu, eine genaue Karte des riesigen Trümmerfelds in knapp 4000 Metern Tiefe zu erstellen. «Dieser Müll wird dort für lange Zeit liegen bleiben», fürchtet er.

Touristen verfälschen die archäologische Stätte

Nicht nur Wissenschaftler, auch Privatleute besuchen inzwischen den Ort, an dem die «Titanic» am 15. April 1912 auf ihrer Jungfernfahrt einen Eisberg rammte und sank. 45.000 Euro pro Person kostet die Reise in die Tiefe. Doch auch die Luxusausflügler sorgen für unerwünschte Spuren: «Jeder, der dort hinuntertaucht, hinterlässt Plastikblumen, eine Gedenktafel oder sonstige Andenken», sagt Jamie Shreeve, der sich als Wissenschaftsredakteur der Zeitschrift «National Geographic» mit der «Titanic»-Saga beschäftigte. «Es sieht aus wie an einer Unfallstelle auf der Autobahn. Die archäologische Stätte ist nicht mehr unverfälscht.»

Der Meeresarchäologe Delgado setzt sich deshalb dafür ein, den in internationalen Gewässern liegenden Fundort des Wracks zur Gedenkstätte erklären zu lassen. Oder ihn anders zu schützen: Vor kurzem forderte die Internationale Seeschifffahrts-Organisation alle Schiffe auf, keinen Müll und kein Abwasser mehr in einer 35 Quadratkilometer grossen Zone rund um das Wrack zu entsorgen.

Besser erhalten als erwartet

Anders als viele glauben, hält sich das Wrack erstaunlich gut. Der Rost scheint es stärker zu respektieren als seine ehrfürchtigen Besucher. Es sieht so aus, als werde das Wrack noch Jahrzehnte lang intakt bleiben. «Der Schiffsrumpf ist weiterhin sehr stabil», sagt Delgado. «Im Innern sind immer noch Holzteile und Stoffe erhalten.» «Immer wieder gab es Spekulationen, dass das Wrack in 20 oder 30 Jahren komplett verrostet sein wird», berichtet auch Wissenschaftsredakteur Shreeve. Tatsächlich aber hätten ihm alle Experten bestätigt, dass es sich um einen viel langsameren Prozess handele.

Vielen Teilen des Luxusschiffs und seinem Inventar können Rost und Zersetzungsprozesse nichts mehr anhaben: Rund 5500 Fundstücke - von einem 17 Tonnen schweren Teil des Rumpfes bis zum Porzellan der Erste-Klasse-Passagiere - haben Taucher geborgen. Zum 100. Jahrestag des «Titanic»-Dramas werden einige davon in New York versteigert. (wag/AFP)

Erstellt: 11.04.2012, 11:28 Uhr

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