«Manche Igel sind regelrecht ausgetrocknet»
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 10.05.2011 2 Kommentare
Ein Igelleben ist wahrhaft nicht einfach: Gefahr droht den Tieren zwar in erster Linie von unachtsamen Autofahrern oder Faden-Mäher schwingenden Hobbygärtnern. Mittlerweile kommt aber noch die lang anhaltende Trockenheit hinzu. Angesichts austrocknender Bäche und Seen haben viele Igel nicht nur Probleme, Wasser zu finden. Das Futter kommt ihnen ebenfalls zunehmend abhanden: Würmer und Nacktschnecken, die Leibspeise der Igel, vergraben sich immer tiefer ins Erdreich – dort, wo es noch feucht und kühl ist und wo ihre Jäger sie nicht mehr erreichen können.
Die Folgen der Trockenheit gehen auch an den Bernischen Wildtier-Stationen nicht spurlos vorbei. Diesen Frühling lieferten die Leute auffällig oft unterernährte Igel ab, heisst es etwa auf Anfrage in der Igel-Station Wynau. Es sei mittlerweile so trocken, dass sie oft auch bereits genesene Tiere länger bei sich behalten müsse, erklärt Stations-Betreiberin Ernestine Kohler. Seit 40 Jahren kümmert sie sich bereits ehrenamtlich um Igel, aber dieser Frühling, sagt sie, sei «ein absolutes Extremereignis». Ähnlich tönt es bei der Schweizer Wildstation Schloss Landshut in Utzenstorf: «Manche Igel, die bei uns abgegeben werden, sind regelrecht ausgetrocknet», sagt Stations-Tierärztin Ulrike Cyrus. Die geschwächten Tiere litten zudem an Parasiten-Befall. «Das wäre eigentlich kein Problem», sagt Cyrus. «Igel werden oft von Parasiten heimgesucht.» Aber unter diesen Umständen könnten sie sich nicht gegen den Ansturm wehren und erkrankten an Durchfall oder Lungenentzündungen.
Die Fettreserven reichten nicht
Die Witterung macht den Igeln freilich nicht erst seit Frühlingsbeginn zu schaffen. Schon die massiven Schneefälle im Dezember erschwerten es vielen Tieren, sich genügend Fettreserven anzufressen und einen Ort zum Überwintern zu finden. Im Januar kippte es dann ins andere Extrem: Weil sich die Temperaturen tagsüber oft über dem Gefrierpunkt bewegten, hatten die Igel Mühe, in den Winterschlaf zu fallen. Im Wachzustand haben sie viel Gewicht verloren und sind nun schlecht aufgestellt für einen derart trockenen Frühling.
Welchen Schaden die bernische Igelpopulation wegen der Trockenheit aber genau nimmt, lässt sich bislang noch nicht beziffern. Auswertbare Daten werden laut Tierärztin Ulrike Cyrus erst Ende Jahr vorliegen.
Ein feuchter Garten freut den Igel
Igel-Freunde brauchen übrigens nicht zu verzweifeln. Sie können den putzigen Vierbeinern mit einigen einfachen Mitteln durch die Trockenzeit helfen:
• Eine feuchte, mit Büschen versehene Ecke im Garten lockt Schnecken und Würmer an die Oberfläche, wo die Igel sie leichter finden. Zudem dienen die Pflanzen den Tieren als Verstecke und Schattenspender.
• Gartenteiche eignen sich gut als Wasserspender – wenn sie flache Ufer haben: Igel sind nämlich Nichtschwimmer.
• Alternativ reicht es auch schon, den Unterteller eines Blumentopfs mit Wasser zu füllen. Achtung: Milch vertragen die Tiere nicht.
• Katzenfutter aus der Dose bekommt den Igeln besser. Es gilt allerdings zu bedenken, dass das Futter Fressfeinde anlocken kann. Wenn man es nicht mit total abgemagerten Tieren zu tun hat, sollte man also darauf verzichten.
• Igel, die in der Sonne liegen und sich beim Näherkommen nicht zusammenrollen, sind zumeist krank und sollten schnellstens in die nächste Wildtier- oder Igel-Station gebracht werden. (Der Bund)
Erstellt: 10.05.2011, 07:32 Uhr
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2 Kommentare
Nachdem ich jetzt den fünften Tag dieses herzige Bildlein auf der Hauptseite sehe und ich mir jetzt schon den fünften Tag hintereinander um die Zukunft der Igel allgmein Sorgen machen muss, möchte ich mit diesem Appell an die Öffentlichkeit gelangen: Leute, lasst es regnen, den Igelinnen und Igeln und sämtlichen Igeljungen und -mädchen zuliebe!! Vielen Dank ;-) Antworten
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