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Extreme lassen keinen Trend erkennen

Das Wetter spielt zunehmend verrückt. Die aktuellen Katastrophen lassen sich aber nicht mit dem Klimawandel erklären.

Der Klimawandel ist wohl nicht Schuld an seiner Lage: Ein Bauer mit seinen Kühen in der überfluteten pakistanischen Provinz Sindh.

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Bild: AFP

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Flut in Pakistan

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Das Hochwasser in Pakistan ist nach Angaben der UNO eine grössere Katastrophe als das Erdbeben in Haiti, der Tsunami 2004 im Indischen Ozean oder auch das Erdbeben in Pakistan 2005.

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Waldbrände in Russland

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Die Wetterbehörden sprechen in Superlativen. Von Jahrtausendhitze in Russland und den schlimmsten Überflutungen aller Zeiten in Pakistan. Die Ursache heisst nüchtern «Omegalage»: ein Tiefdruckgebiet über Europa und Asien, dazwischen ein ausgedehntes Hoch über Russland. Die Strömungsbahn der Höhenwinde führt dabei in Form des griechischen Buchstabens Omega nördlich um das Hoch herum.

«So kann aus dem Westen keine feuchte Luft in die hitzegeplagten Regionen gelangen», sagt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Gleichzeitig begünstigt das starke Tief über Asien den Transport feuchter Luft aus dem Indischen Ozean zum asiatischen Festland. Solche Konstellationen sind selten und im Allgemeinen stabil. «Diesmal hält die Wetterlage ungewöhnlich lange an», sagt Klimatologe Bader.

Extremereignisse verunsichern die Öffentlichkeit. Sind das Vorboten der Erderwärmung? Eine Antwort gaben Klimaforscher bereits vor sieben Jahren. «Im August 2003 hatten wir eine ähnliche Wetterlage, nur war das Hochdruckgebiet etwa 2000 Kilometer südwestlich des heutigen Zentrums», so Bader. Damals herrschte in Zentraleuropa eine Jahrhunderthitze, während es in Russland und der Ukraine ungewöhnlich kühl und feucht war.

Kein Zusammenhang zwischen Hhitze und Treibhausgas-Emissionen

Die Meinung der Klimaforscher war damals unumstritten: Eine Klimaänderung lässt sich in solchen Extremereignissen bisher nicht nachweisen. «Sie sind zu selten, um einen langfristigen Trend zu beobachten», sagt Bader. Asien sei jedes Jahr von Monsunregen betroffen, wenn auch nicht so schlimm. «Es ist schwierig zu beurteilen, ob das aktuelle Ereignis nicht rein zufälliger Natur ist.»

Forscher des ETH-Instituts für Atmosphäre und Klima berechneten damals anhand von Daten der letzten hundert Jahre, dass es unter den aktuellen Klimabedingungen statistisch gesehen nur alle tausend Jahre so heiss wird wie im Sommer 2003. Ein Zusammenhang zwischen den stark angestiegenen Treibhausgas-Emissionen und der Jahrhunderthitze konnte nicht gefunden werden.

Trotzdem warnten Klimaforscher: Der Brite Peter Stott vom angesehenen Hadley-Zentrum für Klimavorhersage schätzte anhand von Modellen, dass das Risiko für solche Extremereignisse durch den menschlichen Einfluss um ein Mehrfaches gestiegen ist.

Risiko stationärer Wetterlagen

Seine statistischen Schätzungen gingen so weit, dass er den Menschen, das heisst den Ausstoss der Treibhausgase für ungefähr die Hälfte des Risikos solcher Ereignisse verantwortlich machte. Die Erkenntnisse von damals gelten noch heute, auch wenn die Forscher heutzutage mehr Daten zur Verfügung haben und die Computermodelle deutlich besser geworden sind. Neue Studien bestätigen zudem: Der Trend zu mehr Hitze-, aber weniger Kältewellen hält an.

Trotzdem lassen sich Wetterlagen wie die gegenwärtige nach wie vor nicht in einen Kontext mit dem Klimawandel bringen. «Da herrscht ein Manko in der Klimaforschung», so der Experte von Meteo Schweiz. Die hemisphärischen Strömungsmuster seien bis heute zu wenig untersucht worden. «Die Daten über einen langen Zeitraum wären vorhanden, die Herausforderung ist die Klassifizierung einzelner Wetterlagen», sagt Bader. Versuche, die Einordnung von Wetterlagen zu automatisieren, hätte es einige gegeben, so Urs Neu von Proclim, dem Klimaforum der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften. Doch bisher sind alle mehr oder weniger gescheitert.

Mathematik kann Dynamiken nicht beschreiben

Die häufig in der Klimatologie verwendeten mathematischen Instrumente könnten die zeitliche Dynamik der Windströmungsmuster bei Extremereignissen nicht beschreiben, so Neu. Die hemisphärische, wellenförmige Luftzirkulation hängt von den Temperatur- und Druckunterschieden zwischen Äquator und den Polen ab. Sie bestimmen die Dynamik von Hoch- und Tiefdruckgebieten auf dem Meer und dem Land, also von Wetterlagen. «Ist dieser Druckunterschied geringer, so ist die Wellenausbildung weniger ausgeprägt», sagt Neu.

Die Strömungsmuster können in diesem Fall länger stationär bleiben, wie das derzeit auf dem eurasischen Kontinent zu beobachten ist. Die Erderwärmung könnte solche Entwicklungen begünstigen. Erste Anzeichen dafür gibt es: Eine Studie des Deutschen Geo-Forschungszentrums gibt Hinweise, dass verschiedene Muster der atmosphärischen Luftzirkulation, die vielfach zu Überschwemmungen führen, zahlreicher und beständiger geworden sind.

Die Beständigkeit von Wetterlagen spielt denn auch eine grosse Rolle für extreme Wetterereignisse. Urs Neu vermutet, dass das lang anhaltende Hoch in Russland dazu geführt hat, dass das Bodenwasser vielerorts an der Oberfläche vollständig verdunstete. Der Effekt: Mit der fehlenden Verdunstung, die kühlend wirkt, heizt sich die bodennahe Luft zusätzlich auf. In Russland war es ungewöhnlich heiss, bis zu 40 Grad. Dieses Phänomen wurde auch im Jahrhundertsommer 2003 beobachtet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2010, 22:58 Uhr

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12 Kommentare

rascha kocher

12.08.2010, 09:29 Uhr
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Wenn Sumpf- und Feuchtgebiete entwässert werden, kann nichts mehr verdunsten. Diese Hitzeglocke über Zentralasien ähnelt einem Föhntrog. Dieser ist heuer derart immens, dass alle Tiefdruckzonen rundum kaum eine Chance haben, da durchzubrechen. China, Osteuropa oder Pakistan bleiben in diesem Falle direkt betroffen. China will Land: Nun wird auch in Afrika gerodet, was nicht gerodet werden sollte. Antworten


Barbara Mayer

11.08.2010, 19:24 Uhr
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Es gab in der Vergangenheit diverse Eiszeiten und Hitzeperioden und dies lange vor der Mensch auf der Bildfläche erschien. Allein in der Schule haben wir von 4 Eiszeiten gehört und das Mittelmeer ging einmal bis an die Alpen und in Zürich wuchsen Palmen. Allerdings sind die Intervalle dieser Klimaveränderungen durch das Verhalten der Menschen kürzer geworden. Antworten


Jan van Beilen

11.08.2010, 11:29 Uhr
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"Neue Studien bestätigen: Der Trend zu mehr Hitze-, aber weniger Kältewellen hält an," wäre als Titel viel besser gewesen. Klar kann jedes einzelne Ereigniss nicht den Klimawandel zugeordnet werden, dass wissen wir schon lange. Aber dass die Einzelereignisse extremer und häufiger werden ist nachgewiesen, und wurde vorhergesagt als Konsequenz der GEMESSENE globale Erwärmung. Antworten


Peter Koller

11.08.2010, 11:27 Uhr
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Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dort wo heute noch Gletscher sind schon Bäume gewachsen sind. Obwohl wir als Menschen erdgeschichtlich gesehen erst einen Augenblick auf dieser Welt existieren nehmen wir für uns das Recht heraus uns über das Klima zu beklagen und dafür Schuldige zu suchen. Der heutige Klimawandel wird nicht der letzte sein möglicherweise mit oder ohne uns. Antworten


Morris Mueller

11.08.2010, 10:50 Uhr
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Sonnenaktivitäten im Sinn des Filmes 2012? Antworten


Daniel Huber

11.08.2010, 10:28 Uhr
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Je mehr Energie in ein System gepumpt wird, desto heftiger schlägt es aus. It's just that simple. Antworten


Alexej Buergin

11.08.2010, 10:28 Uhr
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Da der "Klimawandel" früher AGW (Anthropogenic Global Warming) hiess, also eine vom Menschen verursachte Erderwärmung behauptete, ist es von Interesse, ob das El Niño-Jahr 2010 wärmer war oder sein wird als der bisherige Rekordhalter, das El Niño-Jahr 1998. Die Antwort: Nein. Vom Rekordmonat Februar 1998 zum Fast-Rekordmonat März 2010 gibt es keine signifikante Zunhame (UAH). Antworten


Bruno Waldvogel

11.08.2010, 10:23 Uhr
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Vielleicht gibt es ja - wie immer wieder vermutet wird - einen Zusammenhang mit den Sonnenaktivitäten? Antworten


Roberto Gardin

11.08.2010, 09:09 Uhr
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Bei jeder durch das Klima ausgelösten Katastrophe - und diesmal sind es gleich mehrere gleichzeitig - hören wir mit schöner Regelmässigkeit, gebetsmühlenartig hinuntergeleiert, den Spruch: "Dies hat nichts mit dem Klimawandel zu tun." Solche Aussagen sind nicht wissenschaftlich begründet sondern rein ideologisch. Antworten


Nabil Mueller

11.08.2010, 08:28 Uhr
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Natürlich haben die Häufung von Extremsituation etwas damit zu tun, dass das (Wetter-) System aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Die Amplitude der Ausschläge nimmt zu, bis der stabile Zustand verlassen wird/es kippt (Regelungstechnik erstes Semester). Antworten


Tschannen Werner

11.08.2010, 08:05 Uhr
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das Wetter ist halt immer verschieden, wird sich ändern und hat sich schon immer geändert. Das Problem ist der Mensch mit seiner Einstellung das alles immer so bleiben wird wie gewohnt. Unser Lebenstil ist so unflexibel gegenüber Umweltveränderungen das auch nur die kleinste Abweichung der Norm zu Schäden führt. Für solches Wetter Klima-Rappen abzugeben ist ein purer Hohn. Antworten


Daniel Zurbriggen

11.08.2010, 07:19 Uhr
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Wenn man mit einem Brett vor dem Kopf in einen Baum läuft ist es auch schwer eruierbar ob sich der Baum seinerzeit absichtlich dort niedergelasen hat oder ob das auch noch andere Ursachen haben könnte. Solange hier die Wisenschaft nicht gültige Beweise liefern kann gilt die Unschuldsvermutung... für den Baum. Mit weiteren zusammenstössen ist zu rechnen. Empfehlung: Brett vor dem Kopf polstern Antworten



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