Ein Exot aus Sibirien treibt sich in der Schweiz herum

Von Barbara Reye. Aktualisiert am 06.02.2011

In der Schweiz wurde ein verletzter Marderhund entdeckt. Das Tier wäre eigentlich nur im Osten heimisch.

Vergangene Woche lag ein Marderhund unter einem geparkten Auto in Laufenburg AG. «Das männliche Jungtier ist der sechste Nachweis eines Marderhundes in der Schweiz und der dritte im Kanton Aargau», sagt Jean-Marc Weber vom Programm Kora, das in der Schweiz Forschungsprojekte über Wildtiere koordiniert.

Das strubbelige, kurzbeinige Tier, das einem Waschbär ähnelt, breitet sich in Europa immer weiter aus. Sein ursprüngliches Gebiet liegt im Osten des asiatischen Kontinents und erstreckt sich von Sibirien bis Nordvietnam. Sein dichtes Fell war bei Pelzträgern beliebt, sodass das Tier 1928 im westlichen Teil der damaligen Sowjetunion eingeführt und dort ausgewildert wurde. Die Folge: Anfang der Sechzigerjahre wurde es in Deutschland nachgewiesen. Mittlerweile kommen sie dort zu Tausenden vor.

Gefahr für einheimische Tiere

«Auch in der Schweiz handelt es sich um einen Neuzuwanderer», sagt Martin Baumann vom Bundesamt für Umwelt. «Ohne das Zutun des Menschen käme er hier nicht vor.» Solche fremden Tierarten könnten heimische Arten konkurrenzieren und das ökologische Gleichgewicht gefährden. Bisher gebe es bei dem Marderhund noch keine eindeutigen Hinweise darauf, bei anderen Arten sei dies jedoch der Fall. So führe der amerikanische Signalkrebs, der in Schweizer Gewässer eingeschleppt wurde, zum Aussterben des einheimischen Edelkrebses. Der Grund: Er verbreite die Krebspest, gegen die er selbst resistent sei.

«Auch der Marderhund kann – ähnlich wie der Fuchs – Krankheiten wie etwa Tollwut übertragen», sagt JeanMarc Weber. Weil das Tier sich schnell vermehre und in der Schweiz kaum natürliche Feinde habe, müsse man es im Auge behalten. Der nachtaktive Marderhund ist ein sehr anpassungsfähiges Tier, das alles frisst. Je nach Angebot ernährt er sich von Insekten, Amphibien, Kleinsäugern, Fischen, Vogeleiern, Obst, Aas oder herumliegenden Abfällen.

«Weil er in der Schweiz erst selten gesichtet wurde, kennt ihn hier kaum jemand», sagt René Altermatt vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt in Aarau. Deshalb habe man den jetzigen Fund zuerst für einen zerzausten Hund gehalten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2011, 13:28 Uhr

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