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Raphaela Birrer
Redaktorin News


Ein Ende ist nicht in Sicht

Aktualisiert am 25.07.2012 123 Kommentare

Die Folgen der schlimmsten Dürreperiode in den USA seit 70 Jahren sind mittlerweile auf der ganzen Welt zu spüren. Klimaexperten ringen um eine Erklärung.

1/13 Ernteprognosen mussten deutlich gesenkt werden: Ein ausgetrocknetes Maisfeld in Plumerville, Arkansas. (13. August 2012)
Bild: AFP

   

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Verdorrtes Getreide, hungerndes Vieh, ausgetrocknete Seen und Flüsse: Was wie eine Szene aus einem apokalyptischen Film anmutet, ist in den USA in diesem Sommer Realität geworden. Seit 1956 war es in den Staaten nicht mehr so trocken und heiss wie in den letzten Wochen und Monaten. 55 Prozent des gesamten Territoriums sind von der Jahrhundert-Dürre betroffen – besonders im Landesinnern ist die Situation verheerend, und die Not wird täglich grösser.

Die Dürreperiode kam schleichend: Sie begann bereits im Jahr 2010 und setzt sich jetzt mit einer fast niederschlagsfreien Hitzeperiode fort. In vielen Bundesstaaten fielen die Temperaturen über Wochen tagsüber nicht unter 37,5 Grad Celsius. Schon jetzt steht fest, dass der Juli einer der heissesten Monate in der US-Geschichte wird. Mindestens 30 Menschen sind aufgrund der flirrenden Hitze bereits gestorben.

Geschützte Flächen freigegeben

Über 1000 Bezirke in 29 Bundesstaaten sind vom Landwirtschaftsministerium zu Naturkatastrophen-Regionen erklärt worden. Besonders betroffen sind die südlichen und zentralen Rocky Mountains, von New Mexiko über Colorado bis Utah, die flachen, weiten Prärieebenen im Zentrum der Great Plains, von Texas bis Oklahoma, und weite Teile des Ohio Valleys.

Nun hat die US-Regierung angesichts der dramatischen Situation geschützte Flächen freigegeben. Dort können die Farmer ihr Vieh grasen lassen und Heu einbringen. Bei diesen Flächen handelt es sich etwa um Wasserschutzgebiete oder Feuchtgebiete. Die Ausnahmegenehmigungen gelten ab sofort.

Rasche Hilfe der Regierung

Landwirtschaftsminister Tom Vilseck erklärte gestern, Präsident Obama und er fühlten sich wegen der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren verpflichtet, den Landwirten und ländlichen Gemeinschaften in diesen harten Zeiten so schnell wie möglich zu helfen.

Die Versicherungsunternehmen rief die Regierung auf, den Bauern ihre Beiträge für Ernteausfallversicherungen für einen Monat zu erlassen. Im Gegenzug könnten die Versicherungen ihre Zahlungen an die Landwirte um einen Monat verschieben.

Den Zinssatz für Notkredite senkte die Regierung bereits kürzlich von 3,75 auf 2,25 Prozent. Farmer in den Notstandgebieten haben Anspruch auf Notkredite, wie das Landwirtschaftsministerium betonte.

Trockenheit dürfte anhalten

Über die Ursache für die extreme Dürreperiode sind sich die Experten nicht einig: Forscher des Nationalen Zentrums für Atmosphären-Forschung in den USA machen gemäss «Welt online» die globale Klimaerwärmung dafür verantwortlich. Andere Wissenschaftler widersprechen jedoch – und verweisen auf die zeitgleich niedrigen Temperaturen in Europa. So führt etwa Mark Svoboda, Experte für Trockenheitsfolgen an der Universität von Nebraska, die Dürre auf einen Winter mit extrem wenig Schneefall und einen überdurchschnittlich warmen Frühling zurück. Dadurch sei die Erde ausgetrocknet, erläutert er gegenüber der «Huffington Post». Auch Sonia Seneviratne, Assistenzprofessorin am Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich, stützt diese Analyse: «Die derzeitigen Bedingungen im zentralen Nordamerika sind vor allem von einem starken Niederschlagsdefizit und heissen Temperaturen in den letzten Wochen verursacht worden», erläutert sie gegenüber DerBund.ch/Newsnet. An gewissen Orten in Texas seien die momentanen Wetterbedingungen auch Ausläufer einer Extremdürre, die bereits im letzten Sommer begonnen habe.

Experten befürchten, dass die Krise noch Monate dauert. Gemäss der ETH-Forscherin Seneviratne lässt sich zurzeit nur schwer beurteilen, wie lange die Extremperiode anhalten wird. «Wenn es ein paar Wochen gut regnen würde, könnte sich die Situation rasch entspannen.» Sie verweist jedoch auf Vorhersagen, die darauf hindeuten, dass es auch in den nächsten zwei Wochen weniger Regen als normal geben wird.

Die Folgen der Dürre sind vielschichtig und reichen weit: Die USA haben als grösster Maisexporteur der Welt ihre Produktion bereits um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt, berichtet «Welt online». Gut 80 Prozent des Mais-Bestandes sind von der Trockenheit betroffen; der bekannte «Corn Belt» (Mais-Gürtel) liegt mitten im Dürregebiet. Die Farmer sind daher von Pleitewellen bedroht – und die Konsumenten von Preissteigerungen betroffen. In den Supermärkten werden die Lebensmittelpreise bald drastisch steigen.

Betroffen sind letztlich die Ärmsten

Die Fleischpreise dürften zwar zunächst wegen des bevorstehenden Überangebots fallen. Sobald jedoch die Kühllager leer sind, wird der Nachschub dramatisch knapp. Im Herbst dürften schliesslich die Preise deutlich über das Normalmass steigen. Das könnte die Präsidentschaftswahlen im November direkt beeinflussen – ebenso wie die schwankenden Preise an den Tankstellen.

Der Wert anderer Lebensmittel dagegen klettert früher: Mais, Soja, Milch, Butter, Erdnüsse und Bohnen haben sich gemäss «Welt online» an den Terminbörsen bereits fast um die Hälfte verteuert. In den Läden werden diese Steigerungen im Herbst ankommen. Die Verbraucher in westlichen Staaten könnten die Preise jedoch verkraften – nicht so die Menschen in ärmeren Weltregionen. Sie geben einen grossen Teil ihres Einkommens für die Ernährung aus.

Doch selbst wenn irgendwann der durchschnittliche Niederschlag zurückkommt, ist die Katastrophe noch längst nicht ausgestanden, denn Bäume sterben oft erst Jahre nach der Dürre. Derartige Wetterphänomene besser vorhersagen zu können, ist daher gemäss Seneviratne ein wichtiger Forschungszweig – umso mehr, als wegen des Klimawandels erwartet werde, dass solche Trockenheitsperioden künftig öfter auftreten werden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.07.2012, 20:56 Uhr

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123 Kommentare

Fredy Brülhart

24.07.2012, 21:56 Uhr
Melden 303 Empfehlung 0

Seit Jahrzehnten lehnt die USA die Reduzierung von CO2 Ausstossreduzierungen ab, im Gegenteil es wird immer wie mehr. Die globale Erwärmung, Unwetter, Tornados, Hurrikane jedes Jahr wird die USA von solchen Katastrophen heimgesucht, aber die Regierung lässt dies alles kalt, statt endlich eine Vorbildgrossmacht der Rest zu zeigen ignoriert die USA dies immer wieder. Leiden tun wir alle auf der Erde Antworten


Jens Fluri

24.07.2012, 21:08 Uhr
Melden 201 Empfehlung 0

Ist ja logo. Wenn es bei uns den ganzen Scheisssommer durch regnet, fehlt irgendwo das Wasser das wir zuviel haben. Antworten



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