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Der Wetterkatastrophen-Barometer
Aktualisiert am 03.05.2012 2 Kommentare
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Um die Häufigkeit von extremen Naturereignissen abzuschätzen, braucht es einen Blick in die Vergangenheit. Erst beim Vergleich über mehrere Jahrhunderte zeigt sich, wie wahrscheinlich grosse Überschwemmungen, Schlammlawinen oder Dürreperioden sind und ob sich ihr Auftreten im Laufe der Zeit verändert.
Mit der neuen Internet-Datenbank Euro-Climhist der Universität Bern werden nun solche historischen Angaben für die Schweiz öffentlich zugänglich. Über 100'000 Daten vom Jahr 1550 bis zur offiziellen Einführung der Instrumentenmessung in der Schweiz 1864 hat das Oeschger-Zentrum mithilfe des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie Meteo Schweiz zusammengetragen. Da die Aufzeichnung von Wetterdaten mit Messinstrumenten erst Mitte des 19. Jahrhunderts begann, waren ältere Daten bis anhin auch für Fachleute rar und schwer zugänglich.
Versicherungen sind an langen Vergleichsperioden interessiert
Diese nun zusammengetragenen Daten erleichtern Forschern, Verwaltungen und Planungsbüros die Arbeit und die Einschätzung von Naturgefahren. Dazu gehören nicht nur Schutzmassnahmen gegen reissende Bergbäche, sondern beispielsweise auch die Beurteilung der Sicherheit von Atomkraftwerken. Auch Versicherungen sind auf historische Informationen angewiesen: Anhand von sogenannten Jahrhundertereignissen berechnen sie ihre Prämien und sind deshalb an möglichst langen Vergleichsperioden interessiert.
Weiterer Ausbau der Datenbank bereits geplant
Auf der Euro-Climhist werden nun Daten aus verschiedensten Quellen öffentlich gemacht: Frühe Fotos von Gletschern und historischen Hochwassermarken an alten Häusern oder die Bücher von frühen öffentlichen Einrichtungen wie Spitälern. Auch persönliche Chroniken sind erfasst, etwa jene des Berner Pfarrers Johann Jakob Sprüngli (1717–1803), laut der Webseite der wichtigste Wetterbeobachter seiner Zeit. Er notierte akribisch das tägliche Wetter, Schneefall und -schmelze und sogar die Blüte- und Reifezeit von Wild- und Gartenpflanzen.
Die neue Datenbank macht diese Informationen erstmals für Fachleute und Laien öffentlich zugänglich, wie die Universität Bern am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb. Zunächst reicht die Datenbank bis 1550 zurück, später sollen auch Informationen aus anderen europäischen Ländern sowie Daten aus dem Mittelalter einbezogen werden. (heb/sda)
Erstellt: 03.05.2012, 13:43 Uhr
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