Der Prediger spricht leiser
Von Martin Läubli. Aktualisiert am 01.09.2010 11 Kommentare
Artikel zum Thema
Wenn er auftritt, hängt das Publikum an seinen Lippen. Der dänische Statistiker Björn Lomborg ist ein begnadeter Kommunikator, gibt sich stets locker, und auf Anzug und Krawatte verzichtet er. Seine Botschaften sind dermassen zugespitzt, dass der 45-jährige Wissenschaftler wie ein Prediger wirkt. Und er schafft es immer wieder, weltweit in aller Munde zu sein. Waren es noch bis vor kurzem seine scharfen Attacken gegen Klimaforscher, Umweltökonomen und die Panikmache der Medien, so scheint es heute, als hätte er sich geläutert. So sieht es jedenfalls die britische Zeitung «The Guardian».
In seinem vierten Buch, das in einem Monat herauskommt, macht der Einsatz für den Klimaschutz plötzlich auch ökonomisch Sinn, wie Lomborg neuerdings findet. Bisher galt dies lediglich für den Kampf gegen Malaria und Aids. Wer in Lomborgs neuer Position einen Wandel vom Saulus zum Paulus sieht, täuscht sich allerdings. Der Däne behauptete nie, der Klimawandel sei nicht vom Menschen verursacht, wie dies oft kolportiert wurde. Er vertrat schon immer die Meinung, Umweltforscher würden die Entwicklung des Klimas schlechter darstellen, als sie tatsächlich ist. Diesem Urteil hat er nicht abgeschworen.
Umweltschutz durch die Kosten-Nutzen-Brille
Lomborgs Karriere begann mit der Veröffentlichung seines Buches «The Skeptical Environmentalist» im Jahre 2001. Das Dänische Komitee für unehrliche Wissenschaften verurteilte das Werk wegen irreleitender Daten. Trotzdem blieb Lomborg ein gefragter Mann. Er gründete das Copenhagen Consensus Center, das den Umweltschutz ausschliesslich durch die Brille des Kosten-Nutzen-Prinzips betrachtet. Seine Botschaften fanden Gehör bis in die höchsten politischen Etagen. Der ehemalige dänische Premierminister Fogh Rasmussen, heute Nato-Generalsekretär, fand Gefallen am Wissenschaftler, der seit Jahren die Klimaforschung und -politik infrage stellte.
Geharnischte Reaktionen gab es, wenn sich Lomborg auf ein Gebiet begab, von dem er offensichtlich nicht viel verstand: die Klimaforschung. Gehörig kritisierte ihn der renommierte deutsche Klimaforscher Stefan Rahmstorf öffentlich. Lomborg verharmlose beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels, indem er nur die Entwicklung der letzten zwei Jahre berücksichtige. Dass es in der Natur der Sache liegt, dass jede langfristige Entwicklung auch kurzfristige Schwankungen aufweist, verschwieg der dänische Statistiker.
Treibhausgas-Reduktion ist ihm zu teuer
In den letzten Monaten verhöhnte Lomborg vor allem den Misserfolg der letzten Klimakonferenz in Kopenhagen. «Es ist an der Zeit, die Kyoto-Kopenhagen-Fantasie aufzugeben und sich dem wirklichen Kampf gegen die Erderwärmung zuzuwenden», schrieb er in der «Washington Post».
Das klingt nach einem konstruktiven Beitrag zur Debatte. Von einer Reduktion der Treibhausgase durch die Verteuerung von Erdöl, Gas und Kohle hält er trotzdem nichts: Die notwendigen Massnahmen sind ihm schlicht zu teuer. Und die Ärmsten, die auf Mobilität angewiesen seien, würden dabei nicht profitieren. Vielmehr soll in die Forschung und Entwicklung von alternativen Technologien investiert werden, um diese billiger zu machen. Das ist zwar bemerkenswert, aber nicht originell.
Harsche Kritik wird sein neues Buch trotzdem ernten. Was er als «sehr gute» Technologie verkauft, ist schon lange eine Idee von umstrittenen Technokraten: zum Beispiel die Atmosphäre mit Chemikalien zu besprühen, um die Sonneneinstrahlung zu reduzieren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.09.2010, 23:04 Uhr
WRITE A COMMENT
11 Kommentare
@Urs Stotz: Ja, dann bauen Sie sich mal einen Regelkreis, muss ja nicht gerade so komplex sein wie das Klima, Verändern dann zuerst das CO2 gaaaanz langsam um 6%, schauen was passiert und im 2. Versuch führen Sie die 6% CO2 in Form eines Diracstosses zu und notieren sich dann mal was passiert, vorausgesetzt es hat ihnen nicht schon die Sprache verschlagen. Antworten
Wer in seiner Verzweiflung den Konsum-Wahn als Droge und neue Religion für sich entdeckt hat, der wird sehr schnell sehr zornig auf die Leute, die ihm seine Droge wegnehmen wollen. Denn er würde wie alle Drogensüchtigen in ein tiefes Loch fallen. Antworten
@Walter Sahli: Das einzige stete am Klima ist der Wandel. Darum wird ein Klimawandel kaum bestritten. Ich bezweifle aber, dass es eine Klimaerwärmung wegen eines Treibhauseffekts durch das CO2 gibt. Ich bezweifle auch die Richtigkeit der Vorhersagen der Experten, die mit dem einen Faktor CO2 (0.038% Anteil in der Erdatmosphäre davon 6% anthropogenen) das komplexe System Erdklima verändern wollen. Antworten
@ Rolf Schumacher: Al Gore hat dafür Millionen von Menschen den Klimawandel aufgezeigt. Dafür muss er fliegen. Das ist überhaupt kein Widerspruch. Das saubere System müssen wir ja erst aufbauen. Mir ist Al Gore lieber als eine Firma BP, die aufdringlich von Umweltschutz schwafelt, um genau keinen Umweltschutz tun zu müssen. Antworten
Lomborg ist ein einnehmender Mensch und guter Kommunikator. Es ist auch nicht zum Vornherein falsch, sich in andere Wissenschaftsgebiete mit seinem eigenen Fachkenntnissen einzumischen. Aber Lomborg hat das Problem, viel zu reden und wenig zuzuhören. Wer sich wirklich mit den Themen befasst merkt das rasch. So bleibt der Nachgeschmack, dass Lomborg vor allem an seinem eigenen Erfolg arbeitet. Antworten
Man kann mit Lomborg fragen ob der Kyoto-/Kopenhagenweg indem sich die Vertragsstaaten zu CO2-Reduktionen verpflichten, zu etwas führt. China und Indien können sich das nicht leisten und auch für andere ist es (zu) teuer. Letzlich braucht es CO2-freie Energiequellen, die nicht teurer sind als Öl und Kohle. Und diese müssen entwickelt werden - für alle. Antworten
Wer schon einen lieben Mitmenschen verloren hat, weiss, dass der Tod für viele ein riesen Geschäft ist. Auch ein sterbender Planet ist ein gefundenes Fressen. Verängstigte, verzweifelte und trauernde Menschen waren schon immer die leichteste Beute. Recherchieren sie mal wie energiebewusst Oberklimaguru Al Gore lebt, oder WWF Pate Prinz Charles. Für mich unglaubwürdige Figuren. Antworten






Die Welt in Bildern
Urs Stotz
Herr Witschi, die Aussagen der CO2 Klimaerwärmungstheoretikern beziehen sich auf das Erdklima und keine einfachen Regelkreise. In ihrer Versuchsandordnung müssten sie das CO2 von 0.0358% (Anteil des CO2 in der Erdatmosphäre ohne menschverursachtes CO2) auf 0.038% erhöhen. Das Ergebnis wird einem, auch bei Zuführung des CO2 in Form eines Diracstosses, die Sprache nicht verschlagen. Antworten