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Blockierte Verhandlungen und falsche Anreize gefährden Klimaprojekte

Von Martin Läubli, Cancún. Aktualisiert am 09.12.2010 5 Kommentare

Die Schweiz gehört zu den grössten Abnehmern von ausländischen Klimazertifikaten in Europa. Das Konzept der UNO, Klimaprojekte in Entwicklungsländern zu fördern, ist nun jedoch gefährdet.

Beispiel für den «Clean Development Mechanism»: In   Südafrika wird eine solarbetriebene Wasserheizung installiert, bezahlt von Industrieländern, die dafür Emissionsgutschriften erhalten.

Beispiel für den «Clean Development Mechanism»: In Südafrika wird eine solarbetriebene Wasserheizung installiert, bezahlt von Industrieländern, die dafür Emissionsgutschriften erhalten.
Bild: Keystone

Eigentlich ist es eine Erfolgsgeschichte. Die Zahlen, welche die UNO bei der Klimakonferenz in Cancún präsentiert, können sich sehen lassen. Knapp 450 Millionen Tonnen Treibhausgase sind durch Klimaprojekte in Entwicklungsländern in den letzten zehn Jahren eingespart worden. Bis zum Jahr 2012 sollen es eine Milliarde Tonnen sein. So viel stossen Frankreich, Spanien und die Schweiz zusammen aus.

Dank Investitionen von Staaten und Unternehmen der westlichen Welt sind zum Beispiel kleine und grössere Windkraftwerke entstanden, organische Abfallprodukte liefern Biogas, in Mülldeponien wird Methan aufgefangen. Inzwischen gibt es 25 verschiedene Arten, den Ausstoss von Treibhausgasen zu senken – von der Produktion erneuerbarer Energie und energieeffizienten Anlagen über klimafreundliche Zementherstellung und Wiederaufforstung bishin zu schonenden Industrieprozessen.

2012 wird ein Chaos erwartet

Man spricht von Clean Development Mechanism, kurz CDM. Industriestaaten können so gemäss der Regelung des Kyoto-Protokolls einen Teil ihrer Klimaverpflichtungen erfüllen. Dafür erhalten sie Emissionsgutschriften, die auch auf dem Emissionsmarkt gehandelt werden können. Ein solches Klimazertifikat steht für das Recht, eine Tonne CO2 auszustossen. Die Schweiz gehört zu den zehn Ländern in Europa, die am stärksten von dieser Option profitieren. Sie erfüllt die Hälfte der Klimaauflagen auf diese Weise – und ist vermutlich in den nächsten Jahren weiter darauf angewiesen, falls sie die Kyoto-Verpflichtung wie erwartet nicht erfüllt.

Trotz dieser Erfolge stellen Experten und selbst Umweltorganisationen dieses Klimaschutz-Instrument immer wieder infrage. In Cancún wird dieses Jahr deshalb über Reformen gesprochen – wie schon bei früheren Klimakonferenzen. Zum Beispiel fehlt es nach wie vor an der Effizienz des CDM-Exekutivrats, der die Qualität der Projekte prüft. Mehr als 2500 CDM-Vorhaben sind registriert. Doch der Weg dorthin kann ein langer werden. So stehen gegenwärtig über 2800 Projekte in der Pipeline. Und 2012 laufen die derzeitigen Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls aus. Nur ein Bruchteil dürfte erfahrungsgemäss bis dann registriert sein.

«2012 wird es ein Chaos geben, wenn noch so viele Projekte als möglich registriert werden sollen», sagt Axel Michaelowa von der Beratungsfirma Perspectives. Der Politikwissenschaftler hat als unabhängiger CDM-Gutachter für das UNO-Klimasekretariat gearbeitet und lehrt am Institut für Politikwissenschaften der Universität Zürich. Ein Problem sieht er in der Ankündigung der EU, dass ab 2012 nur Zertifikate aus Klimaprojekten in den ärmsten Ländern importiert werden dürfen. Mehr als 70 Prozent der Vorhaben werden jedoch derzeit in Indien und China realisiert.

Experten üben Kritik an Kreditvergabe

Unsicher machen zudem die stockenden Klimaverhandlungen. Was passiert, wenn sich die Vertragsstaaten in den nächsten zwei Jahren nicht auf eine zweite Verpflichtungsperiode einigen können? «Die Regeln des Kyoto-Protokolls bleiben bestehen», sagt Axel Michaelowa. Wenn es keinen verbindlichen neuen Klimavertrag mehr gäbe, hätte das gemäss Christoph Bals von der Entwicklungsorganisation Germanwatch dennoch fatale Folgen für den europäischen Emissionsmarkt, der mit den Klimazertifikaten handelt. «Wenn die EU nicht ihre Treibhausgase verbindlich um 30 Prozent reduzieren muss, wird es an der Nachfrage nach Zertifikaten fehlen», sagt Bals. Der Preis würde tief stürzen, der Anreiz für Unternehmen, in Klimaprojekte zu investieren und damit auf dem Emissionshandel Geld zu verdienen, ginge verloren. Verlierer wären die Wirtschaft und vor allem die Entwicklungsländer.

Manche Experten glauben allerdings, dass auch ohne Vertrag der Emissionsmarkt gross genug wäre, um innerhalb des europäischen Raumes zu funktionieren. Problematischer, so Axel Michaelowa, sei die Absicht einiger Staaten wie der USA oder Japan, eigene Systeme für den Import von Emissionszertifikaten ausserhalb der UNO zu entwickeln. «Das führt zu Projekten, die eine unterschiedliche Qualität aufweisen», sagt der CDM-Experte. In der UNO würden die Projekte grundsätzlich nach einheitlichen Kriterien registriert.

Diese glänzen allerdings nicht immer. Erst vor kurzem hat die Umweltorganisation CDM-Watch einen bekannten technischen Schwachpunkt öffentlich wieder massiv angeprangert. Es ist die Kreditvergabe an die Zerstörung von Trifluormethan HFC-23. Diese Substanz ist ein Nebenprodukt, das bei der Herstellung des Kühlmittels HCFC-22 entsteht. Sie gehört in die höchste Liga der Treibhausgase, weil der Erwärmungseffekt bedeutend höher ist als jener von Kohlendioxid.

«Perverse Anreize»

CDM-Watch kritisiert, dass für die Vernichtung von HFC-23 mehr als die Hälfte der bisherigen Kredite ausbezahlt würden, obwohl es im Vergleich mit der erneuerbaren Energie nur wenige Projekte gibt. Weiter behaupten sie, dass die Unternehmen Klimakredite erhalten, die 65- bis 75-mal höher sind als die aktuellen Kosten, um das Industriegas zu zerstören. Die Unternehmen verdienen so Millionen. Solche Anreize förderten eine Produktionssteigerung.

Skandalös findet CDM-Watch, dass die Experten aus Japan, China und Indien im CDM-Prüfgremium nicht den Willen zeigten, etwas gegen diese «perversen Anreize» zu unternehmen. Nach der Umweltorganisation sind die japanische Regierung und 17 japanische Unternehmen in verschiedenen HFC-23-Projekten involviert. 11 der 19 registrierten HFC-23 Projekte sind in China realisiert. Die chinesische Regierung hat zudem eine ergiebige Steuer auf die ausgestellten Klimakredite erhoben. Laut CDM-Watch verdient der Staat jährlich etwa 650 Millionen Euro.

Angeblich haben auch viele europäische Staaten in die umstrittenen Projekte investiert, darunter jedoch nicht die Schweiz, die gemäss Michaelowa stets darauf achtete, nur Zertifikate von einwandfreien Projekten einzukaufen.

Zertifikate für CO2-Speicherung

An der Klimakonferenz in Cancún wird nun diskutiert, ob solche Projekte als CDM auszuschliessen oder nur noch teilweise zuzulassen sind. Die USA möchten diese Fluorkohlenwasserstoffe statt im Kyoto-Protokoll im Montrealer Protokoll festschreiben. Das würde heissen, dass sie ohne Klimakredite zerstört werden müssten. Der indische Umweltminister hat sich aber gestern dezidiert dagegen ausgesprochen.

Umstritten ist auch die Option, die geologische Speicherung von Kohlendioxid als CDM-Methode anzuerkennen. Die Erforschung dieser Technik wird von vielen Staaten unterstützt. Kohlenkraftwerke könnten zum Beispiel ihren CO2 im Untergrund deponieren. Wo Erdöl gefördert wird, wenden Unternehmen dieses Verfahren teilweise schon an, um schwer zugängliches Öl zu erreichen. CO2 wirkt wie ein Lösungsmittel. Das heisst, CDM würde zwar für die CO2-Deponierung ausgestellt, gleichzeitig aber auch, um in manchen Lagerstätten die Produktion fossiler Energien zu verlängern.

Trotz Schwächen: Das CDM-Konzept will letztlich niemand abschaffen. «Wenn es gelingt, dem Verhandlungsprozess wieder Leben einzuhauchen, dann wird CDM nach wie vor ein wichtiges Instrument sein im Klimaschutz», sagt Michaelowa.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2010, 20:16 Uhr

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5 Kommentare

Gianin May

09.12.2010, 09:49 Uhr
Melden

Dieser Emissionshandel ist eh ein Witz um ja so wenig wie möglich in alternative Energien investieren zu müssen - eine Entschuldigungsmassnahme der Industriestaaten. Antworten


Alois Leimgruber

09.12.2010, 19:40 Uhr
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Das ganze um das Klima ist ein Riesenschwindel,es geht wieder mal um Umverteilung von riesigen Geldmengen. Seit 5 Jahren wird es bei uns kälter und das hat mit dem Klimawandel zu tun den wir gar nicht beeinflussen können. Man muss unter google den Begriff "Klimaschwindel " eingeben und da kann man sehen was alles raus kommt ! Antworten



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