Bei Hitze pumpt der Tukan Blut in seinen Schnabel

Riesentukane schwitzen nicht. Sie geben überschüssige Wärme über den überdimensionierten Schnabel ab.

Der Riesentukan gibt über den Schnabel überschüssige Wärme ab.

Der Riesentukan gibt über den Schnabel überschüssige Wärme ab.

(Bild: Thiago Filadelpho)

Elefanten wedeln mit ihren Ohren, Hunde lassen die Zunge raushängen, und wir ziehen uns aus und springen in den kühlen See. Der südamerikanische Riesentukan macht nichts von alledem. Wenn ihm heiss ist, pumpt der Vogel Blut in seinen überdimensionierten Schnabel. Auf diese Weise gibt er überschüssige Wärme an seine Umgebung ab.

Wie kanadische und brasilianische Forscher herausgefunden haben, setzen die Vögel je nach Umgebungstemperatur unterschiedliche Stellen ihres Schnabels bei der Thermoregulation unterschiedlich stark ein. Bis zu einer Umgebungstemperatur von 25 Grad Celsius gibt der Riesentukan über den Schnabelansatz überschüssige Hitze ab. Steigt die Temperatur weiter, wird auch die Schnabelspitze verstärkt durchblutet («Science», Bd. 325, S. 468).

Darwins Theorie wiederlegt

Mit ihrer Arbeit setzen Glenn Tattersall von der kanadischen Brock University und seine Kollegen der Diskussion um die Funktion des riesenhaften Schnabels ein vorläufiges Ende. Charles Darwin ging davon aus, dass Riesentukane mit dem grell eingefärbten Schnabel beim anderen Geschlecht punkten wollen. Er diene wohl der sexuellen Selektion, so Darwin. Wobei sich Männchen und Weibchen äusserlich nicht unterscheiden.

Andere Forscher glaubten, dass Riesentukane mit dem massigen Schnabel ihr Territorium verteidigen, mögliche Angreifer abschrecken oder aber Früchte schälen würden. Die Idee, dass der Tukan seinen Schnabel als effizientes Kühlsystem einsetzt, ist neu. Tattersall und seine Kollegen kamen dem Vogel mit einer Infrarotkamera auf die Schliche.

Der Riesentukan Ramphastos toco kommt im östlichen Südamerika vor. Er lebt in Baumkronen und bevorzugt eher lichte Wälder. Im Verhältnis zum Körper sind ausgewachsene Riesentukane Weltrekordhalter – kein Vogel hat einen grösseren Schnabel. Maximale Länge: zwanzig Zentimeter.

Jungtieren fehlt die Wärmeregulation

Erwachsene Vögel können den Blutfluss in den Schnabel und damit die Wärmeabgabe aktiv regulieren. Jungtiere aber können das nicht. Ihr Schnabel ist immer stark durchblutet, entsprechend schnell sind die Tiere unterkühlt. Der Grund: Das Schnabelwachstum ist am grössten, wenn die Jungtiere flügge werden. Und Wachstum braucht Nährstoffe über das Blut.

Die Blutgefässe liegen zwischen der knöchernen und hornigen Substanz des Schnabels. Wo sie genau verlaufen, ist aber noch nicht bekannt. Sicher scheint, dass der vordere und der hintere Teil von unterschiedlichen Gefässsystemen versorgt werden. Schliesslich kann der Vogel diese Stellen unterschiedlich durchbluten.

Innert Minuten angepasst

Das Wärmeregulationssystem arbeitet höchst effizient, fanden Tattersall und seine Kollegen. Innert Minuten passt sich die Durchblutung des Schnabels der Aussentemperatur an. Je nach Situation läuft zwischen 5 und 100 Prozent der Wärmeabgabe eines Riesentukans, der wie andere Vögel nicht schwitzen kann, über seinen grossen Schnabel. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.07.2009, 06:59 Uhr

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