Zürcher Forscher lösen Rätsel um Sonnennieser

Aktualisiert am 03.03.2010

Dass die Sonne manche Menschen in der Nase kitzelt, ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Nun ist auch klar, warum.

Wenn die Sonne in der Nase kitzelt: Jeder vierte ist ein Sonnennieser.

Wenn die Sonne in der Nase kitzelt: Jeder vierte ist ein Sonnennieser.
Bild: Keystone

Bereits der griechische Gelehrte Aristoteles befasste sich mit dem Phänomen. Allerdings ging er laut dem Online-Lexikon Wikipedia davon aus, dass nicht das Licht, sondern die Wärme das Niesen auslöst.

Heute ist klar, dass der Niesreiz auftritt, wenn Menschen plötzlich starker Helligkeit ausgesetzt sind. Die Ursachen dafür liegen aber im Dunkeln. Sie seien bislang in keiner neurowissenschaftlichen Studie systematisch untersucht worden, sagte Nicolas Langer vom Institut für Neuropsychologie der Universität Zürich auf Anfrage.

Sensible Sehzentren

Ein Team um Lutz Jäncke, dem Leiter des Instituts, hat dies nun geändert: Es untersuchte, wie bestimmte Hirnareale von Menschen, die von dem Phänomen betroffen sind, auf Lichtreize reagieren. Sie verglichen die Hirnströme von zehn «Sonnenniesern» mit jenen von zehn Menschen, welche die Sonne nicht in der Nase kitzelt.

Wie die Forscher im Fachmagazin «PLoS ONE» berichten, zeigte sich, dass die Sehrinde von Sonnenniesern generell empfänglicher ist auf Lichtreize. «Wechselten auf einem Schachbrett am Bildschirm die Felder in rascher Folge von schwarz auf weiss, reagierten ihre visuellen Areale stärker», sagte Langer.

In einem zweiten Experiment setzten die Wissenschaftler die Probanden starken Lichtreizen aus und wollten von ihnen wissen, wann es sie am stärksten in der Nase kitzelte. Sie fanden zwei Hirnareale, die genau dann besonders stark aktiviert waren, wenn der Reiz bei den «Sonnenniesern» am grössten war.

Sehnerv nahe am «Niesnerv»?

«Es handelt sich genau um jene Areale, die auch dann angeregt werden, wenn wir uns zum Beispiel mit einem Grashalm in der Nase kitzeln», sagte Langer. Das zeige, dass diese Menschen tatsächlich ein Kribbeln in der Nase verspürten. Die Gehirnströme ähneln laut den Forschern zudem jenen, die in Studien bei Schmerz- oder Ekelreizen festgestellt wurden.

Ganz gelöst ist das Rätsel des Phänomens mit der Studie nicht. Die gängigste Theorie geht davon aus, dass bei betroffenen Menschen der Sehnerv ungewöhnlich nahe an jenem Nerv verläuft, der für das Niesen verantwortlich ist. Dieser Beinahekontakt im Hirnstamm führt zu einem erhöhten Niesreiz, wenn der Sehnerv stark aktiviert wird.

«Unsere Studie widerspricht dieser Theorie nicht», sagte Langer. Sie zeige aber, dass es sich bei dem Niesreiz nicht allein um einen Reflex im Hirnstamm handle, sondern dass auch andere Hirnregionen wie die Sehrinde beteiligt seien. Zudem könnte es sein, dass Betroffene auch auf andere optische Reize stärker reagierten. (cpm/sda)

Erstellt: 03.03.2010, 10:59 Uhr

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