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Und es waren doch die Sprossen

Von David Nauer. Aktualisiert am 11.06.2011 3 Kommentare

Wie sich die Ehec-Erkrankung ausgebreitet hat, ist endlich nachgewiesen.

Noch ist nicht alles restlos geklärt: Wie kam das Ehec-Bakterium auf die Sprossen?

Noch ist nicht alles restlos geklärt: Wie kam das Ehec-Bakterium auf die Sprossen?
Bild: Reuters

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Die lange erwartete Nachricht verkündete der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI) persönlich: «Es sind die Sprossen», sagte Reinhard Burger gestern in Berlin. Die verseuchte Ware stammt demnach aus dem seit längerem verdächtigten Biohof in Niedersachsen. Die Indizienkette sei so belastend, dass man das Unternehmen fast zweifelsfrei als Infektionsquelle identifizieren könne, hiess es.

«Wichtiges Glied in der Beweiskette»

Zudem gelang es den Gesundheitsbehörden erstmals, den Ehec-Erreger auf Sprossen nachzuweisen. Diese stammten den Behörden zufolge aus dem verdächtigen Betrieb und fanden sich in einer geöffneten Packung im Müll einer Familie, wo zwei Mitglieder nach dem Verzehr von Sprossen an Ehec erkrankt waren. Damit wurde erstmals eine ununterbrochene Kette von den infizierten Sprossen aus dem verdächtigen Biohof und erkrankten Personen hergestellt. «Das ist zweifellos ein wichtiges Glied in der Beweiskette», sagt Herbert Hächler, Leiter des Nationalen Zentrums für enteropathogene Bakterien (Nent) in Zürich.

Bereits aufgehoben wurde die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken und Blattsalat. Vorsorglich soll die Bevölkerung jedoch «bis auf weiteres» Sprossen nicht roh essen. Die Behörden raten, sämtliche Sprossenvorräte in Privathaushalten und Restaurants sowie andere Lebensmittel, die damit in Kontakt kamen, zu vernichten.

Wer infizierte die Sprossen?

Das Robert-Koch-Institut, eine Art Schaltstelle zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, schilderte gestern ausführlich, wie die Forscher dem Keim auf die Spur gekommen sind – und warum es so lange gedauert hat. Am 20. Mai waren das RKI über eine Häufung von Ehec-Erkrankungen informiert worden. Erste Patientenbefragungen in Hamburg hätten ergeben, dass die Kranken «signifikant häufiger rohe Tomaten, Gurken und Salate gegessen hatten als gesunde Studienteilnehmer». Das Problem: Nur 3 von 12 interviewten Ehec-Patienten erinnerten sich an Sprossen auf dem Speiseplan. Deswegen wurde diese Spur vorerst nicht weiterverfolgt.

Erst eine sogenannte «rezeptbasierte-Restaurant-Kohortenstudie» führte die Forscher zurück zu Sprossen: 5 Gruppen mit insgesamt 112 Mitgliedern, unter ihnen 19 Erkrankte, wurden über den jeweils verdächtigen Restaurantbesuch befragt. Zusätzlich wertete das RKI Bestelllisten, Abrechnungen sowie Fotos von den Anlässen aus – um sich nicht nur auf das Erinnerungsvermögen der Betroffenen verlassen zu müssen. Auch Rezepte aus den Restaurantküchen wurden studiert. Das Ergebnis war durchschlagend: Alle 19 Studienteilnehmer, die krank geworden waren, hatten nachweislich Sprossen gegessen.

«Gurken-Warnung war richtig»

Gross ist auch der Zusammenhang zwischen dem verdächtigen Betrieb in Niedersachsen und der Krankheitswelle. Bisher konnten 26 von 55 Erkrankungshäufungen dorthin zurückverfolgt werden. Unklar ist jedoch weiterhin, wie das gefährlich Bakterium auf die Sprossen kam. Nicht ausgeschlossen wird, dass eine infizierte Mitarbeiterin den Keim in das Unternehmen einschleppte. Es ist aber auch möglich, dass das Wasser oder das Saatgut verseucht war.

Der weltweit bisher schlimmste Ehec-Ausbruch neigt sich damit wohl dem Ende zu. Zwar gebe es immer noch Neuerkrankungen, wie die Behörden mitteilten. Doch deren Zahl nehme seit Tagen ab. Erleichtert darüber dürfte auch der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sein. Ihm war vorgeworfen worden, zu langsam auf die Krise reagiert zu haben. Bahr verteidigte gestern erneut sein Vorgehen sowie die Gurken- und Salat-Warnung, die sich als Fehlalarm erwiesen hat. «Es war richtig. Gesundheit hat Priorität», sagte der Minister. Möglicherweise habe der Hinweis dazu beigetragen, dass die Zahl der Neuinfektionen zurückgehe. Sprossen würden schliesslich häufig mit Salaten gegessen. Dennoch schliesst Bahr nicht aus, Konsequenzen aus der Krise zu ziehen. «Wir werden uns in Ruhe mit den Ehec-Erfahrungen beschäftigen und gemeinsam mit den Bundesländern entscheiden», sagte er. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2011, 21:02 Uhr

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3 Kommentare

Andrea Herzog

11.06.2011, 11:32 Uhr
Melden 2 Empfehlung 0

Und welche Sprossen waren es? Etwa die Bambussprossen, Sojasprossen, Zwiebelsprossen, Randensprossen, Senfsprossen....usw usw! Oder etwa alle Miteinander? Keine gute Informationspolitik! Oder ist man sich etwa noch nicht sicher...? Antworten


Ursula Jungo

11.06.2011, 21:00 Uhr
Melden

Wie kam der Erreger auf die Sprossen und das andere Gemüse?Gesucht wird der Täter!Wieso wird nicht das Wasser untersucht?Für mich ist es logo,das Gemüde wird und wurde gespritzt und somit infisziert! Antworten



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