Wissen

Schweinegrippe: Milliarden von Impfdosen fehlen

Aktualisiert am 27.10.2009

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: In den armen Ländern kann der Bedarf an Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus bei weitem nicht gedeckt werden.

Im Falle einer Seuche würden «Milliarden von Impfdosen» fehlen, sagte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, bei einem Besuch in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Die WHO will demnach im November damit beginnen, Impfstoffe an mehr als 100 Entwicklungsländer zu liefern, darunter auch Kuba. Die WHO hatte bereits vor zwei Wochen davor gewarnt, dass mit den bislang von Pharmakonzernen und Industrieländern zur Verfügung gestellten Chargen nur rund zwei Prozent der Bevölkerung in den Entwicklungsländern geimpft werden können.

Auch in den USA werden nach Behördenangaben 45 bis 55 Millionen Impfdosen weniger zur Verfügung stehen als ursprünglich geplant. Wie der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), Anthony Fauci, sagte, rechnen die Behörden mit 140 bis 150 Millionen Impfdosen bis Ende 2009. Ursprünglich hatte die US-Regierung 195 Millionen Impfdosen bestellt. Nach Angaben von Fauci gehen die Gesundheitsbehörden mittlerweile aber ohnehin davon aus, dass sich nur die Hälfte der US-Bürger impfen lassen will.

Warnung der EU-Kommission

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird möglicherweise jeder dritte Europäer an der Schweinegrippe erkranken. Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou sagte der Tageszeitung «Die Welt», es sei zu befürchten, dass sich das Virus im Laufe der kommenden Monate verändere und deutlich aggressiver werde. Innerhalb der EU könne es zu einem Wettlauf um den Impfstoff kommen, sollte sich das Virus ausbreiten und aggressiver werden.

«Nach allem, was wir wissen, können sich bis zu 30 Prozent der Bevölkerung mit der Schweinegrippe infizieren. In diesem Fall wird man leider auch mit einer erheblichen Zahl von Toten rechnen müssen. Wir müssen wachsam bleiben», sagte die EU-Kommissarin. Auch die möglichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen dürfe man nicht vernachlässigen.

Mehr als 5000 Tote in 195 Ländern

Vassiliou forderte schnelles Handeln im Falle von Infektionen: «Es gibt derzeit keine Notwendigkeit, zur Vorsorge Massenschliessungen von Schulen vorzunehmen. Wenn allerdings bei einzelnen Schülern Infektionen mit der Schweinegrippe festgestellt werden, sollten die betroffenen Schulen unverzüglich schliessen. Auch im Freizeitbereich sollten dann Gruppenveranstaltungen, wie Sport, Musikunterricht oder Tanzkurse, abgesagt werden», sagte die Kommissarin. Der Kontakt zwischen den Jugendlichen müsse in solchen Fällen reduziert werden.

Seit dem erstmaligen Auftreten des Virus A(H1N1) starben bislang mindestens 5000 Menschen in 195 Ländern an der Schweinegrippe.

(vin/sda/ap)

Erstellt: 27.10.2009, 10:23 Uhr

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