Wissen

Sarkasmus-Test kann Demenz diagnostizieren

Aktualisiert am 13.12.2008

An Demenz erkrankte Patienten unter 65 Jahren sollen sarkastische Äusserungen nicht als solche erkennen können. Ein Sarkasmus-Test könnte künftig die Diagnose erleichtern.

John Hodges, Hauptautor der Studie der Universität von New South Wales, erläuterte, diese Erkenntnis könne erklären helfen, warum die Patienten nicht auf die Stimmungen ihrer Betreuer reagierten - was vor allem pflegende Angehörige zur Verzweiflung treibe.

Die im Fachmagazin «Brain» erschienene Studie sei daher «bahnbrechend», sagte Hodges. Die Forschungsergebnisse seien wichtig, «denn wenn Betreuer wütend, traurig oder deprimiert sind, versteht der Patient das nicht», sagte Hodges der Nachrichtenagentur AFP.

Persönlichkeit ändert sich

«Für Familienangehörige ist das oft bestürzend.» Wer unter der auch als Picksche Krankheit bekannten Demenzform leide, zeige Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen.

Die Patienten hätten Schwierigkeiten, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, sie verstünden Signale im zwischenmenschlichen Umgang nicht, zeigten kein Mitgefühl und träfen falsche Entscheide.

So würden die Kranken leichtgläubig und gäben Geld oft leichtfertig aus. Hodges zufolge leidet ein Mensch unter 4000 an der Pickschen Krankheit.

Die Forscher hätten die Reaktion der Patienten auf Sarkasmus vor allem deshalb untersucht, weil hier zwischen Aussage und Tonfall unterschieden werden müsse, erläuterte der Forscher.

Schauspieler halfen bei Studie

Für die Studie wurde in den Jahren 2006 und 2007 die Reaktion von 26 Patienten mit Frontotemporaler Demenz und von 19 Alzheimer- Patienten auf sarkastische Äusserungen untersucht.

Dafür inszenierten Schauspieler Situationen, in denen sie dieselben Sätze mehrfach sprachen - einmal mit deutlich sarkastischem Unterton, einmal aufrichtig. Anschliessend wurden die Patienten gefragt, ob sie den Witz verstanden hätten.

Als Beispiel beschrieb Hodges einen Dialog zwischen einem Ehepaar, das eine Wochenendreise plant. Die Frau schlägt vor, ihre Mutter mitzunehmen - worauf der Mann einmal vor Sarkasmus triefend und einmal ganz neutral antwortet: «Du weisst ja, wie gern ich deine Mutter habe - das wird bestimmt ein tolles Wochenende!»

Alzheimer-Patienten verstehen Sarkasmus

Während die Alzheimer-Patienten den Sarkasmus verstanden hätten, hätten die Studienteilnehmer mit Frontotemporaler Demenz keinen Unterschied festgestellt, sagte Hodges.

Letztere nähmen alles ganz wörtlich und gingen davon aus, dass die Äusserungen ernstgemeint seien. Hodges zufolge könnte der Sarkasmus-Test künftig teurere Diagnoseverfahren ersetzen. (bru)

Erstellt: 13.12.2008, 18:20 Uhr

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