Ritalin hilft Drogensüchtigen
Von Anke Fossgreen. Aktualisiert am 30.07.2010 15 Kommentare
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Es ist das Merkmal verschiedener neurologischer Erkrankungen, dass die Betroffenen ihre Impulse schlecht kontrollieren, also spontane Reaktionen kaum unterdrücken können. Das ist zum Beispiel charakteristisch für Menschen mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS oder ADHS).
Doch auch Kokainabhängige zeigen ein ähnliches Verhalten, wie Experten herausgefunden haben. Deshalb hat ein US-Forscherteam zehn Testpersonen den Wirkstoff des Ritalins, Methylphenidat, injiziert. Einer Kontrollgruppe ist derweil eine wirkungslose Salzlösung verabreicht worden. Alle Freiwilligen hatten seit 8 bis 18 Jahren regelmässig Kokain konsumiert.
Veränderte Aktivität der Nervenzellen
Die Studienteilnehmer wurden daraufhin speziellen Reaktionstests am Computer unterzogen. Tatsächlich schnitten diejenigen, die den Ritalin-Wirkstoff erhalten hatten, besser ab als die Kontrollpersonen. Mit dem Wirkstoff im Blut hatten sich die Kokainabhängigen besser unter Kontrolle. Die Forscher untersuchten zudem mit bildgebenden Verfahren das Gehirn der Testpersonen. Sie entdeckten dabei, dass Ritalin in einer Region im Stirnhirn, im präfrontalen Cortex, die Aktivität der Nervenzellen veränderte.
Zwar haben die Forscher nur wenige Personen untersucht. Dennoch glauben sie, bewiesen zu haben, dass Methylphenidat die Kontrolle von Kokainabhängigen verbessere und dass sich dies auch im Gehirn zeige. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.07.2010, 21:05 Uhr
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15 Kommentare
Das Risiko von unbehandelten ADHS-Patienten, Drogen zu konsumieren, ist deutlich erhöht, da sie Drogen als eine Art Selbstbehandlung anwenden. Dass bei Leuten mit sekundärer Kokainsucht bei ADHS eine Ritalintherapie (allerdings mit Tabletten und unter strenger Kontrolle) helfen kann, vom Kokain loszukommen, ist schon länger bekannt. Antworten
Ich möchte einigen Kommentarschreibern empfehlen sich ernsthaft über die Wirkungsweise von Methylphenidat zu informieren. Ausserdem kann man die These umkehren. Vermutlich sind unter Drogensüchtigen eine erheblich Zahl ADS Betroffene, die die Drogen zur Dämpfung der ADS Symptomatik verwenden. Antworten
Ritalin ist eine Substanz, die Kokain sehr ähnlich ist und sie bewirkt im Gehirn dasselbe wie Kokain: es inhibiert die Wiederaufnahme des Botenstoffs Dopamin über den Dopamin-Transporter, sodass Dopamin länger im Gehirn wirken kann. Somit ersetzt Ritalin bei einem Kokainabhängigen die Droge beim Entzug, da das Gehirn meint, Kokain eingenommen zu haben. Antworten
@Eric Meier: Nein, wurde von Anke Fossgreen veröffentlicht, die sich damit wohl das Sackgeld aufbessert, oder sich für einen Job in der PR Abteilung von Novartis empfehlen möchte. :) (in der Printausgabe des Tagi hats zudem sicher ein fettes Novartis Inserat diese Tage) Köstlich wie sich die Presse immer einspannen lässt für wirtschaftlich interessante No-News. Antworten
Schön dass diese Erkenntnis den Weg in die Forscherlabors und auch in die Medien gefunden hat. Hoffentlich setzt sich dieses Wissen nun in den Köppfen der sonst so fortschrittlichen Schweizer Drogenverantwortlichen durch! Es fehlt nur noch eine Studie zu Rückfallquoten mit und ohne Ritalin. Viele Teilnehmer von Substitutionsprogrammen haben Beikonsum mit Kokain (versatz),Gesundheit und Kosten würd Antworten
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Eve Arnold
Was für eine Erkenntnis, dass ein Kokainabhängiger mit einem kokainähnlichen Stoff besser funktioniert als ohne. Aber von der Strassendroge profitiert unsere Pharma-Industrie nichts, also verlagern wir die Sucht doch besser auf rezeptpflichtige Drogen - zum Wohle unseres BIP! Und zum Wohle des Süchtigen? Antworten