Wissen

Ritalin hilft Drogensüchtigen

Die Zappelphilipp-Pille hilft auch Kokainabhängigen, sich besser zu beherrschen.

Ist nicht nur für hyperaktive Kinder gut: Ritalin hilft Kokainabhängigen, sich zu kontrollieren.

Ist nicht nur für hyperaktive Kinder gut: Ritalin hilft Kokainabhängigen, sich zu kontrollieren.
Bild: Keystone

Es ist das Merkmal verschiedener neurologischer Erkrankungen, dass die Betroffenen ihre Impulse schlecht kontrollieren, also spontane Reaktionen kaum unterdrücken können. Das ist zum Beispiel charakteristisch für Menschen mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS oder ADHS).

Doch auch Kokainabhängige zeigen ein ähnliches Verhalten, wie Experten herausgefunden haben. Deshalb hat ein US-Forscherteam zehn Testpersonen den Wirkstoff des Ritalins, Methylphenidat, injiziert. Einer Kontrollgruppe ist derweil eine wirkungslose Salzlösung verabreicht worden. Alle Freiwilligen hatten seit 8 bis 18 Jahren regelmässig Kokain konsumiert.

Veränderte Aktivität der Nervenzellen

Die Studienteilnehmer wurden daraufhin speziellen Reaktionstests am Computer unterzogen. Tatsächlich schnitten diejenigen, die den Ritalin-Wirkstoff erhalten hatten, besser ab als die Kontrollpersonen. Mit dem Wirkstoff im Blut hatten sich die Kokainabhängigen besser unter Kontrolle. Die Forscher untersuchten zudem mit bildgebenden Verfahren das Gehirn der Testpersonen. Sie entdeckten dabei, dass Ritalin in einer Region im Stirnhirn, im präfrontalen Cortex, die Aktivität der Nervenzellen veränderte.

Zwar haben die Forscher nur wenige Personen untersucht. Dennoch glauben sie, bewiesen zu haben, dass Methylphenidat die Kontrolle von Kokainabhängigen verbessere und dass sich dies auch im Gehirn zeige. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.07.2010, 21:05 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

15 Kommentare

Eve Arnold

31.07.2010, 12:50 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Was für eine Erkenntnis, dass ein Kokainabhängiger mit einem kokainähnlichen Stoff besser funktioniert als ohne. Aber von der Strassendroge profitiert unsere Pharma-Industrie nichts, also verlagern wir die Sucht doch besser auf rezeptpflichtige Drogen - zum Wohle unseres BIP! Und zum Wohle des Süchtigen? Antworten


christoph scheidegger

31.07.2010, 11:21 Uhr
Melden

@ schumacher : weil verantwortliche ärzte dann am mehrumsatz mitverdienen müssen...., kapiert...? (einfach töff, diese cleveren macker-typen, nicht...? oder...? oder nicht...?!). Antworten


Monika Diethelm

31.07.2010, 11:07 Uhr
Melden

Das Risiko von unbehandelten ADHS-Patienten, Drogen zu konsumieren, ist deutlich erhöht, da sie Drogen als eine Art Selbstbehandlung anwenden. Dass bei Leuten mit sekundärer Kokainsucht bei ADHS eine Ritalintherapie (allerdings mit Tabletten und unter strenger Kontrolle) helfen kann, vom Kokain loszukommen, ist schon länger bekannt. Antworten


Clina Rüegg

31.07.2010, 05:53 Uhr
Melden

Heroinsüchtigen verabreicht man Methadon als Ersatz. Ritalin könnte ein Ersatz für Kokain sein. Das Suchtproblem ist damit nicht gelöst, aber zumindest die Beschaffungskriminalität. Warum also nicht diese Alternative prüfen?? Antworten


Stefan Flüeler

31.07.2010, 00:48 Uhr
Melden 1 Empfehlung

So so, Ritalin soll angeblich Drogensüchtigen helfen. Ritalin ist selber eine Droge, ein Amphetamin-Derivat, wie Speed oder Extasy oder Kokain ! Und in hohen Dosen macht es genau so süchtig wie jedes andere Amphetamin auch. Antworten


Prell Markus

30.07.2010, 20:47 Uhr
Melden

Wie schön das man nun das Zeug auch noch an Kokainabhängige loswerden könnte! Stagniert der Absatz an den Schulen, gibts nun nicht mehr genug Kinder mit ADHS? Antworten


Eva Hummel

30.07.2010, 18:02 Uhr
Melden

Ich möchte einigen Kommentarschreibern empfehlen sich ernsthaft über die Wirkungsweise von Methylphenidat zu informieren. Ausserdem kann man die These umkehren. Vermutlich sind unter Drogensüchtigen eine erheblich Zahl ADS Betroffene, die die Drogen zur Dämpfung der ADS Symptomatik verwenden. Antworten


christoph scheidegger

30.07.2010, 17:51 Uhr
Melden 1 Empfehlung

wenn ich daran denke, dass kindern ritalin verfüttert wird, so kriege ich übelkeit, brechreiz und einen erhöhten cortisol-spiegel ....!! Antworten


Franz Schumacher

30.07.2010, 16:55 Uhr
Melden

@ Bischof / Meier: warum sollte Novartis etwas im grossen Stil bewerben, was es nur gegen Rezept gibt? Antworten


eugen bissegger

30.07.2010, 16:01 Uhr
Melden

Ritalin ist eine Droge mit erheblichen Nebenwirkungen. Gibt genug Infos. Es gibt ein Video von Dr. John Rengen Virapen... Seine Botschaft: Wir müssen uns befreien aus dem Klammergriff dieser Leute ( Pharma ). Antworten


Greta Weisz

30.07.2010, 15:32 Uhr
Melden

Ritalin ist eine Substanz, die Kokain sehr ähnlich ist und sie bewirkt im Gehirn dasselbe wie Kokain: es inhibiert die Wiederaufnahme des Botenstoffs Dopamin über den Dopamin-Transporter, sodass Dopamin länger im Gehirn wirken kann. Somit ersetzt Ritalin bei einem Kokainabhängigen die Droge beim Entzug, da das Gehirn meint, Kokain eingenommen zu haben. Antworten


Alfred Bischof

30.07.2010, 14:57 Uhr
Melden

@Eric Meier: Nein, wurde von Anke Fossgreen veröffentlicht, die sich damit wohl das Sackgeld aufbessert, oder sich für einen Job in der PR Abteilung von Novartis empfehlen möchte. :) (in der Printausgabe des Tagi hats zudem sicher ein fettes Novartis Inserat diese Tage) Köstlich wie sich die Presse immer einspannen lässt für wirtschaftlich interessante No-News. Antworten


pablo mueler

30.07.2010, 12:52 Uhr
Melden

und so geschieht die wundersame heilung von der illegalen in eine legale droge ;-) Antworten


Eric Meier

30.07.2010, 12:15 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wurde diese Studie von Daniel Vasela veröffentlicht , um den Absatz zu steigern? Antworten


Sabine Zimmermann

30.07.2010, 09:23 Uhr
Melden

Schön dass diese Erkenntnis den Weg in die Forscherlabors und auch in die Medien gefunden hat. Hoffentlich setzt sich dieses Wissen nun in den Köppfen der sonst so fortschrittlichen Schweizer Drogenverantwortlichen durch! Es fehlt nur noch eine Studie zu Rückfallquoten mit und ohne Ritalin. Viele Teilnehmer von Substitutionsprogrammen haben Beikonsum mit Kokain (versatz),Gesundheit und Kosten würd Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre


Emil Frey AG Autocenter Bern

Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie ein Wochenende am Blausee für 2 Personen...

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!