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Resistente Keime im Genfersee

Von Barbara Reye. Aktualisiert am 24.03.2012 12 Kommentare

Selbst Kläranlagen können Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, nicht ausschalten. Dies haben Wissenschaftler bei einer Probennahme in Lausanne herausgefunden.

Gefahr für die erfolgreiche Behandlung Kranker: Keime, denen Antibiotika nichts anhaben kann, könnten ihre Gene an andere Bakterien weitergeben.

Gefahr für die erfolgreiche Behandlung Kranker: Keime, denen Antibiotika nichts anhaben kann, könnten ihre Gene an andere Bakterien weitergeben.
Bild: Keystone

Antibiotika

Wie Resistenzgene entstehen

Seit der Entdeckung des Penicillins 1928 sind Antibiotika zu einem der wichtigsten Instrumente in der Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten geworden. Inzwischen jedoch sind diese potenten Medikamente durch die Zunahme von Antibiotikaresistenzen nicht mehr verlässlich wirksam. Das liegt daran, dass Bakteriengene mutieren und durch den Einsatz von Antibiotika Bakterien mit Genen, die eine Resistenz bewirken, selektiert werden. Sie haben nun den Vorteil, sich unter diesen Bedingungen zu vermehren. Daneben besteht aber auch die Möglichkeit, dass Resistenzgene – zum Beispiel über sogenannte Plasmide – durch einen Gentransfer an andere Bakterien der gleichen oder auch einer anderen Spezies weitergegeben werden. Gelangen solche multiresistenten Bakterien, die in ihre DNA ent­sprechende Gensequenzen ein­gebaut haben, in die Umwelt, besteht die Gefahr, dass sie sich dort verbreiten. (bry)

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Mit Helm, Mundschutz, Ganzkörperanzug und Einweghandschuhen ist die Mikrobiologin Nadine Czekalski zum Abwasserkanal des Universitätsspitals Waadt in Lausanne hinuntergestiegen, um im Untergrund Proben zu entnehmen. «Niemand weiss genau, was dort alles an Krankheitserregern zusammenkommt», sagt die Forscherin vom Schweizerischen Wasserforschungsinstitut Eawag. Sie hat im Rahmen ihrer Dissertation den langen Weg des Abwassers von seiner Quelle in die Kläranlage bis zur Trinkwasserentnahme verfolgt.

Dass immer mehr Antibiotika gegen Bakterien im Spitalbereich unwirksam sind, weil diese bestimmte Resistenzgene besitzen, ist bekannt. Je mehr dieser Gene sie haben, desto schwieriger wird zum Beispiel die Behandlung eines mit einem dieser multiresistenten Krankheitserreger infizierten Patienten. «Es gibt dann kaum noch einen Wirkstoff, der helfen kann und die Vermehrung der gefährlichen Bakterien stoppt», sagt Czekalski.

Zurück ins Spital

«Mit unserer Studie wollten wir herausfinden, ob solche multiresistenten Keime sowie die entsprechenden Gene auch nach der Kläranlage noch in die Gewässer gelangen», sagt Helmut Bürgmann von der Eawag, der die Dissertation wissenschaftlich betreut. Die Forscher waren überrascht, dass die Häufigkeit von Multiresistenzen im Genfersee, vor allem im Sediment, in der Nähe der Einleitung des gereinigten Abwassers erhöht ist. Damit steige das Risiko, dass die Resistenzgene über kurz oder lang auch von anderen Bakterien eingebaut werden. Auf diese Weise könnten sie sich weiter in der Umwelt verbreiten und letztlich wieder in Krankheitserregern im Spital landen.

Das in der Kläranlage gereinigte Abwasser von ganz Lausanne wird in die Bucht von Vidy eingeleitet, 700 Meter vom Ufer entfernt, in 30 Meter Tiefe. Dass die Stadt weder über eine pharmazeutische Industrie noch über Nutztierhaltung im grossen Stil verfügt, half den Forschern: «Dadurch wussten wir, dass die Multiresistenzen vor allem von den 214'000 Einwohnern der Region sowie von den dort ansässigen Gesundheitseinrichtungen, inklusive des Spitals, kommen müssen.»

Austausch zwischen Bakterien

Die Lausanner Kläranlage entfernt zwar insgesamt mehr als 75 Prozent aller Bakterien, darunter vor allem auch die riskanten Spitalkeime. Weil für den Reinigungsprozess jedoch jede Menge Mikroben benötigt werden, entweichen am Schluss immer noch viele Bakterien, von denen die meisten aber harmlos sind. Das Problem ist jedoch, dass sich diese an sich ungefährlichen Mikroorganismen in der Kläranlage offenbar die Resistenzgene aus dem Abwasser geholt haben, wie Bürgmann erklärt. Denn der Anteil an besonders resistenten Stämmen sei im gereinigten Wasser erstaunlich hoch.

Allerdings besteht nach Ansicht von Bürgmann kein Grund zur Panik. Denn die multiresistenten Bakterien seien bisher nur lokal, unmittelbar neben der Einleitung in der Bucht von Vidy, aufgetreten. Die Stelle gilt allgemein als die am stärksten verschmutzte des Sees. So haben mehrere Studien bisher gezeigt, dass die Seesedimente hier mit Schwermetall, Mikroverunreinigungen und Fäkalbakterien belastet sind. Eine zusätzliche Reinigungsstufe wie etwa die Ozonierung, die momentan getestet wird, könnte in Zukunft nicht nur gegen Mikroverunreinigungen wirksam sein, sondern auch resistente Keime weitgehend unschädlich machen.

In der Nähe der Trinkwasserentnahme dagegen wurden keine multiresistenten Keime gefunden. Darüber war Nadine Czekalski erleichtert. Aber auch die Probenentnahme war viel angenehmer und ungefährlicher. Die Mikrobiologin musste keinen Schacht hinunterklettern, um den Messzylinder in das stinkende Abwasser des Spitals zu halten. Stattdessen fuhr sie mit einem Motorboot drei Kilometer auf den See hinaus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2012, 18:05 Uhr

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12 Kommentare

alessandro portmann

24.03.2012, 18:38 Uhr
Melden 14 Empfehlung 0

Antibiotika wird viel zu schnell und zu oft verabreicht weil grosses Geschäft,insbesondere in der Landwirtschaft und praktisch ohne Kontrollen. - Was hier erstaunt:Durch den Abfluss in Genf ist die Flussrichtung im Genfersee gegeben.Trotzdem wurde der Abwasserkanal der ARA+Spitals zuerst,dh.oberhalb der Trinkwasserfassung in den See geleitet,beide ca.300m vom Ufer entfernt. Wo bleibt da die Logik? Antworten


rene huber

25.03.2012, 09:39 Uhr
Melden 10 Empfehlung 0

Der Mensch schafft sich ab! Antworten



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