Mit Hightech auf der Jagd nach der Botschaft der Ausserirdischen

Von Peter Nonnemacher, London. Aktualisiert am 27.01.2010 13 Kommentare

Seit 50 Jahren suchen Forscher seriös nach ausserirdischer Intelligenz. Bei einem Kongress in London wurden neue Strategien ausgelotet, um endlich zum Erfolg zu kommen.

Erschreckend ähnlich: Der ausserirdische Vultan, König der Falkenmenschen (M.), mit den irdischen Flash Gordon und Dale Arden.

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Ausserirdische: Vielleicht sehen sie ja so aus – oder auch nicht.

Ausserirdische: Vielleicht sehen sie ja so aus – oder auch nicht.

Mit Fotos fliegender Untertassen am Abendhimmel über Wiltshire oder Arizona ist es schlicht nicht getan, finden seriöse Astronomen. Auch all die kleinen grünen Männchen mit ihren Kulleraugen und übergrossen Schädeln, die Hollywood der Welt beschert hat, lassen die Forschung einigermassen kalt. Aliens mögen amüsant sein und die Kinokassen füllen, lassen aber akademische Herzen nicht höher schlagen. Höchste Zeit, das wissenschaftliche Defizit auszugleichen – und den Ausserirdischen systematisch auf die Spur zu kommen, statt immer nur geduldig auf E.T. zu warten oder sich in wilden Fantasien zu verlieren.

Aus Anlass des 50. Jahrestages des Programms zur «Suche nach ausserirdischer Intelligenz» (engl. «Search for Extraterrestrial Intelligence», abgekürzt Seti) haben sich zu Wochenbeginn Wissenschaftler aus aller Welt zu einem Kongress in London eingefunden, der ihnen einen Methodenvergleich bei ihrer Fahndung nach solchem Leben ermöglichen und die denkbaren Folgen einer solchen Entdeckung diskutieren soll. Sehr viel aktiver als bisher müssten die Irdischen jedenfalls sein bei ihren Bemühungen, meint Douglas Vakoch, Direktor für interstellare Botschaften am Institut für ausserirdische Intelligenz von Kalifornien. Halbherzige Versuche der Kontaktaufnahme seien nicht genug: Man müsse sehr viel stärkere Signale aussenden, und zwar ununterbrochen, um mit möglichem Leben draussen im All in Verbindung zu treten.

Nicht länger auf E.T. warten

Die Ungeduld des Kaliforniers ist verständlich. Nach 50 Jahren Suchprogramm steht man noch immer ohne Ergebnis da. Bisher habe man einfach nicht die Technologie gehabt, um ausserirdischem Leben auf die Spur zu kommen, erklärt Lord Rees, Londons Hofastronom und Präsident der Royal Society, des Traditionsverbandes britischer Naturwissenschaftler. Jetzt beginne sich das zu ändern: «Zum ersten Mal können wir uns echte Hoffnung darauf machen, Planeten zu entdecken, die nicht grösser sind als unsere Erde, jedoch um andere Sonnen kreisen.»

Moderne Raumteleskope machten es möglich, die alte Suche neu zu fokussieren: «Würden wir anderswo Leben finden, selbst die einfachste Form von Leben, wäre das zweifellos eine der grossen Entdeckungen des 21. Jahrhunderts.» Über 400 Planeten ausserhalb des eigenen Sonnensystems glauben Astronomen inzwischen entdeckt zu haben; davon etliche in Temperaturzonen, die die Entstehung von Wasser erlauben würden.

Nicht nötig in die Ferne zu schweifen

Für die erhoffte Entdeckung freilich sei es gar nicht nötig, in die Ferne zu schweifen, meint der ebenfalls zum Londoner Kongress angereiste US-Physiker Paul Davies: Wenn man nur nachweisen könnte, dass sich auf der Erde schon mehr als einmal Leben entwickelt habe, hätte man den glaubwürdigsten Hinweis auf die Existenz ausserirdischen Lebens.

Professor Davies geht von der Idee aus, dass im Reich einer sogenannten Schattenbiosphäre irdischer Wüsten, Vulkane, Salzseen oder Eisflächen sich möglicherweise abartige Mikroben finden liessen, die einem separaten Entwicklungszweig des Lebens angehören. Jedenfalls sei es an der Zeit, einen neuen Forschungsansatz zu finden: «Wir können nicht länger darauf warten, dass uns E.T. irgendwann eine Art massgeschneiderte Botschaft zukommen lässt.»

Möglicherweise wolle E.T. ja gar keine Botschaft aussenden, erwägt – die Perspektive etwas dehnend – der prominente Biologe und Evolutionsforscher Simon Conway Morris von der Universität Cambridge. Sollten intelligente Wesen anderswo im All auf irdische Signale gestossen sein und etwa Bilder des Zweiten Weltkriegs empfangen haben, hielten sie es ja vielleicht für klüger, keinen Laut von sich zu geben: «Ich frage mich, ob ich in so einem Fall das Telefon abnehmen würde.» Für sehr wahrscheinlich hält es Conway Morris immerhin, dass es ausserirdisches Leben gibt – und dass Lebewesen anderswo im All nicht unfassbar fremde Gestalten wären, sondern uns Erdenbürgern «auf beängstigende Weise» ähnelten.

Menschliche Ausserirdische

Der Evolutionsprozess sei nämlich wesentlich gesetzmässiger angelegt, als man gemeinhin glaube, meint der Cambridge-Professor. Eine biologische und intellektuelle Entwicklung, wie wir sie auf der Erde kennten, sei «geradezu unvermeidlich» auf der Basis bestimmter Moleküle und biosphärischer Bedingungen. Ob nun die anzunehmende Ähnlichkeit der Ausserirdischen mit uns eine gute Sache sei, sei eine andere Frage. Ein Wunder wäre es nicht, wenn parallel existierende Wesen auch alle schlechten Eigenschaften hätten, die die Menschheit charakterisierten. Zum Beispiel wie Habgier, Neigung zur Gewalt, Ausbeutung anderer Leute Ressourcen.

Natürlich könnten die «Aliens», wenn sie denn mal das Telefon beantworteten und sich in ihre fliegenden Maschinen setzten, in friedlicher Absicht erdwärts sausen, meint Conway Morris. Genauso gut sei aber möglich, dass sie auf der Suche nach neuem Lebensraum wären und sich – ohne gross zu fragen – zu Wasser, Mineralien, Treibstoff verhelfen wollten. Am besten bereite man sich schon mal darauf vor, dass keine weisen und wohlmeinenden Wesen den UFOs entsteigen würden, warnt Marek Kukula, Astronom am Königlichen Observatorium in Greenwich. Auf jeden Fall müsse man sich vorsehen, und die Regierungen der Erde sowie die Vereinten Nationen in die wissenschaftliche Planung einbeziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2010, 10:26 Uhr

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13 Kommentare

majo naef

27.01.2010, 07:05 Uhr
Melden

Die Aliens müssen sich eher vor den Menschen in acht nehmen. Wenn ich so lese was auf der ganzen Welt täglich passiert und ich ein Alien wäre, würde ich mir zweimal überlegen ob ich mit dieser Spezies in Kontakt treten würde. Antworten


Werner Graf

27.01.2010, 09:07 Uhr
Melden

Diese Suche nach ET Radiosignalen ist vergleichbar mit der Suche nach Leben in einem Automobil mittels einem Sensor im Auspuff. Warum sollen die ET`s Radiowellen verwenden quer durch das Universum? Energie nimmt im Quadrat der Entfernung ab, sogar das Licht braucht relativ lange. Mit irdischer Kommunikationstechnik haben die sicher nichts am Hut. Wüde mal Relaxen und abwarten was auf uns zukommt. Antworten



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