Ist Lügen in manchen Fällen erlaubt?
Von Peter Schneider. Aktualisiert am 13.01.2012 4 Kommentare
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Lieber Herr S.
Es stand im «Blick», am 11. Juni 1983: «Jeder Mensch lügt am Tag 200-mal, vor allem auf die Frage: Wie geht es Ihnen?» Ein britischer Professor namens John Nicholson hatte das herausgefunden. Am 7. April 1997 stand es wieder im «Blick». Diesmal waren es «Wissenschafter der University of South California in Los Angeles», die «uns alle entlarvt» haben. «Ihre Studie kommt zum Schluss: Herr und Frau Durchschnittsmensch lügen 200-mal – pro Tag!» Die «SonntagsZeitung» vom 23. Mai 1999 drehte den Spiess um und berichtete von «US-Psychologen», welche «dem Phänomen auf der Spur» sind, «weshalb wir uns 200-mal pro Tag belügen lassen». Die bittere Wahrheit, dass wir täglich 200-mal lügen, fand ihren Niederschlag auch in der deutschen «Welt» (26. August 2007) und dem österreichischen «Wirtschaftsblatt» (23. Mai 2010). Die Fachpersonen, die das nun schon über Jahrzehnte immer wieder neu herausfinden, wundert es natürlich nicht; der Laie aber staunt: Boah ey, echt so oft? Die Menschen sagen: «Guten Tag!» und meinen das gar nicht so. Sie sagen: «Entschuldigung!», flehen aber gar nicht wirklich um Vergebung. Und selbst so folgenreiche Sätze wie «Ich liebe dich!» gehen vielen Menschen über die Lippen, ohne dass sie zuvor den Stand ihres inneren Amouro-Meters abgelesen hätten. Das läppert sich.
Unironisch formuliert: Das Gefasel von der 200-fachen täglichen Lügerei können bloss Menschen glauben, die noch nie etwas davon gehört haben, dass ein grosser Teil unserer sprachlichen Äusserungen Handlungen («speech acts») sind, bei denen es in erster Linie um Situationsangemessenheit und nicht um Wahrheit geht.
Wer auf die Floskel «How are you doing?» antwortet: «I’m good, and how are you?», hat weder eine Frage beantwortet, noch eine Wahrheit oder eine Lüge abgesondert, sondern lediglich einen Gruss erwidert, so, wie es im angloamerikanischen Sprachraum nun einmal üblich ist. Desgleichen muss man nicht jedem, der sich mit einem verabreden möchte, auf die Nase binden, dass man ihn für einen Langweiler hält. Es reicht der Bescheid, dass man im Moment gar keine Zeit hat. Man nennt das nicht Lüge, sondern Höflichkeit. Die Art und Weise hingegen, wie Christoph Blocher die Öffentlichkeit in der Angelegenheit «Basler Zeitung» hinters Licht zu führen versucht hat, ist schlicht ein Fall von Anmassung – die Leute nach eigenem Gusto belügen zu dürfen, wenn es einem in den Kram passt. Wer es fassen kann, der fasse es. Ich fasse es nicht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.01.2012, 13:28 Uhr
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4 Kommentare
''Lügen''' ist das Erzählen der Unwahrheit zum Erschleichen eines Vorteils für sich selbst oder einen Dritten oder zum Schaden des Belogenen oder eines Dritten. Die Antwort "gut" auf die Frage "Wie geht es Dir" ist jedoch keine Lüge, sondern lediglich eine Floskel, die besagt: "Ich möchte Dir nichts über meine Krankheit erzählen." Insofern hat dieser Artikel wenig Gehalt. Antworten
Lügen, Unverlässlichkeiten und falsche Versprechen sind doch Zeichen heutiger Zeit. Ich schätze dass das alle machen. Am Schluss ist in dieser Gesellschaft dann nur derjenige der Depp, der ehrlich , verlässlich ist und seine Versprechen einhält. Also ich schätze man fährt besser wenn man für sich schaut und nur auf sich verlässt. Dabei dürfen manchmal auch Lügen und Unwahrheiten dabei sein. Antworten
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