Immer mehr Kiffer müssen in Therapie

Der Cannabis-Konsum ist offenbar gefährlicher als gedacht. Wie eine Studie zeigt, verlieren zahlreiche Konsumierende die Kontrolle.

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In immer mehr Ländern wird der Konsum von Cannabis – für medizinische Zwecke oder aber auch als Genussmittel – legalisiert. New Yorker Forscher wollten nun herausfinden, wie sich die Lockerung des Gesetzes auf das Suchtverhalten der Bevölkerung auswirkt.

Die Erkenntnis: Die Legalisierung der Droge scheint für den Anstieg bei den Therapien mitverantwortlich zu sein. Die Studie zeigt auf, dass in jenen US-Bundesstaaten, die eine medizinische Freigabe von Cannabis beschlossen haben, der Freizeitkonsum signifikant stärker stieg als in anderen Regionen.

Hohe gesellschaftliche Akzeptanz

In der Folge war dort auch eine Zunahme der Cannabiskonsum-Störungen zu verzeichnen. «Wegen der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz konsumieren heute mehr Menschen als früher Cannabis, und folglich werden mehr Leute ein Problem damit entwickeln», wird Margaret Haney vom Columbia University Medical Center in der «NZZ am Sonntag» zitiert.

In Europa lässt sich Ähnliches Beobachten. Eine Auswertung in 22 europäischen Staaten ergab, dass sich immer mehr Menschen wegen eines problematischen Cannabiskonsums in eine Therapie begeben. So hat die Zahl der Hilfesuchenden zwischen 2003 und 2014 in den meisten Ländern «signifikant zugenommen», wie es heisst.

Und wie sieht es in der Schweiz aus? Zahlen der Suchthilfestatistik act-info deuten ebenfalls auf einen allgemein steigenden Trend bei Behandlungen seit 2006 hin. Im letzten Jahr wiesen 3,5 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen problematischen Konsum auf. Rund 83 Prozent der Personen, die sich in Therapie begeben sind männlich, heisst es im Bericht weiter.

Bizarre Träume

Nicht nur der Konsum hat sich verändert, sondern auch die Wirkung der Droge. In den siebziger Jahren enthielt Cannabis weniger als 2 Prozent des psychoaktiven Wirkstoffs THC. Heute liegt der Anteil in vielen Pflanzen bei 40 Prozent. Entsprechend grösser ist das Abhängigkeitspotenzial. Ob dies ein Mitgrund für den Anstieg der sich in Therapie begebenden Menschen ist, ist nicht klar.

Von einer Cannabiskonsum-Störung spricht man, wenn der Betroffene den Konsum nicht mehr kontrollieren kann und Beruf wie Freundschaften vernachlässigt. Setzt man die Droge ab, können Entzugsbeschwerden wie Schwitzen, bizarre Träume oder Schlafstörungen auftreten. (woz)

Erstellt: 28.05.2017, 12:53 Uhr

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