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«Es gibt keine gesunde Bräune!»
Von Beat Metzler. Aktualisiert am 09.07.2012 45 Kommentare
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Frau Krasovec, Hautkrankheiten werden gerne als Ausdruck der Befindlichkeit gedeutet. Ist die Haut der Spiegel der Seele?
Das ist eine romantische Vorstellung. Wenn schon, ist die Haut der Spiegel des Körpers. Viele Krankheiten manifestieren sich im Hautbild, kranke Menschen haben generell eine blasse oder gelbe Haut. Juckreiz kann auf eine Leukämie hinweisen. Auch Diabetes, Schilddrüsenprobleme oder Tumore lassen sich über Hautveränderungen erschliessen.
Wenn man rot wird, verrät die Haut doch, dass man nervös ist.
Bei starken Gefühlen verursacht das vegetative Nervensystem eine erhöhte Durchblutung des Gesichts. Dagegen kann man nichts machen; ausser ruhiger zu werden. Und Stress schüttet gewisse Hormone aus, die Pickel fördern.
Braun gebrannte Haut galt lange als Zeichen für Gesundheit und Erfolg.
Dieser Irrglauben ist zum Glück verschwunden und mit ihm die Sonnencremewerbungen, auf denen sich extrem gebräunte Menschen räkeln. Zwar hat ein Modehaus diesen Frühling wieder solche Modelle gezeigt. Ich glaube aber nicht, dass der Trend kehrt. Die meisten Menschen wissen: Es gibt keine gesunde Sonnenbräune! Ob sie sich dementsprechend verhalten, ist eine andere Frage.
Generationen haben nach der Meinung gelebt, Sonnenbaden sei gesund. Müssen Sie dafür büssen?
Menschen, die sich früher intensiv bräunten, haben oft eine stark lichtgealterte Haut. Auch das Hautkrebsrisiko liegt bei ihnen höher.
Waren die UV-Strahlen in den früheren Jahrzehnten nicht schwächer?
Das ist nicht bewiesen. Früher haben die Menschen anders gelebt, sind weniger in die Ferien gefahren, haben sich seltener Sonnenschocks ausgesetzt. Auch weil wir älter werden, können Hauterkrankungen heute häufiger auftreten.
Die Krankheiten, die Sie behandeln, sind selten lebensgefährlich.
Was nicht heisst, dass mein Beruf nicht wichtig ist. Auch schwere Ekzeme oder Akne haben gravierende Folgen. Solche Patienten leiden laut Studien unter einer gleich miserablen Lebensqualität, wie wenn sie einen Herzinfarkt gehabt hätten. Niemand will ihnen die Hand schüttteln, man meidet ihre Nähe, in der Partnerschaft schämen sie sich. Da ist unsere Hilfe lebenswichtig. Leider gibt es Krankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, die wir nur mildern oder temporär wegbringen können.
Ist Hautärztin Ihr Traumberuf?
Ja. Ich stamme aus einem medizinischen Milieu, mein Vater war Arzt, die Mutter Krankenschwester. So rutschte ich in die Medizin. Lange war ich Oberärztin am Unispital, jetzt habe ich eine eigene Praxis. Meine Tage sind lang, aber die Aufgabe liegt mir. Dafür bin ich dankbar.
Sie machen auch Botox- und Laser-Behandlungen. Gehört Kosmetik heute zum Pflichtprogramm von Hautärzten?
Nicht unbedingt. Ich komme aus Lausanne. Dort haben die Menschen ein unkomplizierteres Verhältnis zu kosmetischen Eingriffen, die mich auch fachlich interessieren. Doch der Trend geht klar in diese Richtung. Die Behandlungen sind günstiger geworden, die Gesellschaft verlangt immer stärker nach äusserer Perfektion. Wer besser aussieht, fühlt sich zufriedener. Hier in Schlieren liegt der Anteil an kosmetischen Eingriffen allerdings noch relativ tief verglichen mit der Goldküste.
Zeigen Ihnen Menschen in Ihrer Freizeit ungefragt gerötete Hautpartien?
Das passiert oft, manchmal sogar im Supermarkt. Mich stört es nicht. Ich selber schaue die Leute oft unter fachlichem Gesichtspunkt an und frage mich, wie sich das Hautbild verbessern liesse.
Welche Anekdote werden Sie noch im Altersheim erzählen?
Von Prominenten, die in den Medien abstreiten, dass sie kosmetisch verschönert wurden. Allein wegen ihres gesunden und glücklichen Lebens sähen sie so frisch aus. In Wahrheit haben sie vor kurzem meine Praxis besucht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.07.2012, 13:52 Uhr
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45 Kommentare
Die alte Leier von der "gesunden Bräune" (und v.a. das Geschwätz bezüglich Vitamin D-Mangel) gehört langsam aber sicher in die Mottenkiste. Jeder muss sich doch selber fragen: Wer ist glaubwürdiger? Die Dermatologen, denen die Patienten sowieso nicht ausgehen? Oder die Solarium- und Sonnenmilch-Industrie, die viel Geld zu verlieren hat? (Ich gehöre übrigens weder zu den einen, noch zu den anderen) Antworten
Schon herrlich, wie sich mancher Sonnenanbeter auf den Schlips getreten fühlt. 15 Minuten Sonnenbestrahlung reichen für einen hellhäutigen Menschen aus, damit der Körper genug Vitamin D bilden kann. Wer durch dunkle Haut von Natur aus lichtgeschützt ist, benötigt hingegen bis zu zwei Stunden Sonne. Soviel zur gesunden Bräune. Und Frau Rahmann hat auch nirgends geschrieben, dass Botox gesund sei. Antworten
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