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«Einsamkeit erhöht das Risiko, psychisch zu erkranken»

Interview: Amir Ali. Aktualisiert am 13.04.2012 6 Kommentare

Jeder sechste Schweizer leidet laut einer heute veröffentlichten Studie unter psychischen Problemen – doch es gibt beträchtliche regionale Unterschiede. Projektleiterin Daniela Schuler deutet die Ergebnisse.


Einsamkeit macht krank: Jeder sechste Schweizer leidet an einer psychischen Störung. (Bild: Keystone )

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«Der Stadt-Land-Unterschied reich als Erklärung nicht aus»: Daniela Schuler.

Die Studie

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium Obsan ist eine gemeinsame Institution von Bund und Kantonen und analysiert die statistischen Gesundheitsinformationen in der Schweiz. Ein heute publizierter Monitoring-Bericht des Obsan kommt zum Schluss, dass jeder Sechste in der Schweiz an einer psychischen Störung leidet.

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Frau Schuler, jeder Sechste hat psychische Probleme – das klingt nach viel. Können Sie uns einen internationalen Vergleich geben?
Letztes Jahr kam eine Studie für Europa heraus. Dort spricht man von 36 Prozent, die unter einer psychischen Störung leiden. Das ist aber nicht vergleichbar mit unserer Studie. Wir stützen uns auf die Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung, die telefonisch erfolgt. Alle, die zu dem Zeitpunkt zum Beispiel in einer Klinik sind, fallen also schon einmal raus. Bei unserer Zahl handelt es sich mit Sicherheit um eine Unterschätzung. Würden wir die EU-Studie auf die Schweiz anwenden, kämen wir wohl auch in die Nähe der 36 Prozent.

Was sind die Ursachen für diese Störungen?
Sehr wichtig ist unter anderem die physische Verfassung. Wem es körperlich chronisch schlecht geht, der leidet früher oder später auch seelisch. Ein weiterer Faktor ist die Arbeitssituation. Haben Sie Angst, den Job zu verlieren? Sind Sie schlecht integriert am Arbeitsplatz? Das sind enorme Stressfaktoren. Auch wichtig ist das soziale Umfeld. Einsamkeit zum Beispiel erhöht das Risiko, psychisch zu erkranken.

Wie misst man Einsamkeit?
In der Gesundheitsbefragung wird nach Einsamkeitsgefühlen der Leute gefragt. Ein weiterer Indikator ist die Dichte an Einpersonen-Haushalten. In städtischen Gebieten kommen diese häufiger vor. In der Stadt gibt es auch mehr Probleme auf dem Arbeitsmarkt – generell sind dort mehr Menschen mit Mehrfachbelastung. Im Tessin und in der Genfersee-Region gibt es vergleichsweise hohe Anteile an städtischen Gebieten.

Deshalb geben dort deutlich mehr Leute an, unter psychischen Problemen zu leiden?
Das ist ein Faktor, aber es ist natürlich komplexer. Es könnten auch kulturelle Unterschiede dafür verantwortlich sein. Etwa, dass ein Romand einfach freizügiger darüber spricht. Oder dass am Ende gar sprachliche Finessen einen Einfluss haben. Der Raum Zürich ist auch dicht besiedelt und urban, reisst jedoch nicht aus. Der Stadt-Land-Unterschied reicht dafür als Erklärung nicht aus.

Kann man sagen, je ländlicher man wohnt, desto besser für das Seelenheil?
Auf dem Land hat man andere Probleme. Dort beobachten wir mehr körperliche Leiden, weil die Leute eher körperliche Arbeit verrichten.

Auffällig ist auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen sind häufiger von psychischen Problemen betroffen als Männer.
Das ist ein stabiler Unterschied, der immer wieder festgestellt wird. Eine Ursache könnte sein, dass psychische Probleme bei Frauen gesellschaftlich noch immer besser akzeptiert sind. Männer fürchten eher einen Gesichtsverlust, wenn sie offen darüber sprechen. Eine andere Erklärung lautet, dass Frauen ein besseres reflexives Verhältnis zum eigenen Körper haben, sich «besser spüren», wie man sagt. Andererseits sind Frauen öfter und stärkeren Mehrfachbelastungen ausgesetzt, etwa als berufstätige Alleinerziehende. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.04.2012, 14:26 Uhr

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6 Kommentare

Martin Cesna

12.04.2012, 15:53 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

Den ersten Antwortssatz von Frau Schuler auf die zweite Frage würde ich gerne noch ergänzen: Wer psychisch, seelisch länger krank ist, leidet früher oder später auch körperlich.
Begründung: Das Gehirn steuert sowohl den Körper, als auch die Psyche, nur leider nicht getrennt voneinander. So kann sogar Liebe weh tun: Liebesschmerz.
Siehe auch: "Soziale Ausgrenzung tut körperlich weh", BaZ-/-Wissen
Antworten


erika hugentobler

13.04.2012, 09:33 Uhr
Melden 8 Empfehlung 0

ach du heilige statistik! wenn ich in einem einpersonenhaushalt lebe, heisst das noch lange nicht, dass ich einsam bin... das ist in etwa so, als ob man die zurückgehende geburtenrate auf das aussterben der störche zurückführte... einfach zum lachen, wenn's nicht so unseriös wäre... Antworten



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