«Der Mensch passt sich der Kälte an»
Von Matthias Meili. Aktualisiert am 05.02.2012 2 Kommentare
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Herr Annaheim, wie kann der moderne Mensch die derzeit herrschende Eiseskälte aushalten?
Wenn Sie zur Türe hinausgehen, treten zuerst akute Anpassungsreaktionen auf. Wir steigern die Isolation des Körpers, indem wir die Durchblutung der Haut zurückfahren, vor allem in den Extremitäten. Dann ändern wir unser Verhalten: wir bewegen uns dauernd ein bisschen. Wird es noch schlimmer, beginnt der Mensch unwillkürlich zu zittern und produziert zusätzliche Wärme, um die notwendige Körperkerntemperatur von knapp 37 Grad aufrechtzuerhalten.
Kann eine solche Kälte nicht die Gesundheit gefährden?
Bei gesunden Menschen nicht. Die Anpassungsreaktionen bedeuten aber Stress für den Körper, was bei Personen mit Herzkreislauferkrankungen oder älteren Menschen bedrohlich sein kann.
Ab welchen Temperaturen wird es für alle gefährlich?
Kälte bis Minus 30 Grad ist für die Haut gerade noch erträglich. Wenn es darunter geht, kann es schnell zu Erfrierungen kommen. Das schädigt die Hautstrukturen.
Können wir uns der Kälte anpassen?
Ja, der Mensch wird kältetoleranter. So sinkt der Schwellenwert für die wärmeregulierenden Prozesse. Wir beginnen später zu zittern. Was man auch festgestellt hat, ist, dass sich die Kerntemperatur bei Menschen, die lange grosser Kälte ausgesetzt sind, leicht absenkt.
Der kältetolerante Mensch ist wechselwarm?
Das nicht, denn es geht um langfristige Prozesse von sehr geringem Ausmass. Die Kerntemperatur schwankt nur um wenige Zehntelgrad. Fällt diese unter 33 Grad, spricht man von Unterkühlung. Längerfristig passt sich dann auch das Herz-Kreislauf-System, der Stoffwechsel und auch das Hormonsystem an. Winterschwimmer zum Beispiel haben einen viel tieferen Adrenalinausstoss. Adrenalin hat eine aktivierende Wirkung und spielt deshalb bei der Wärmeproduktion eine wichtige Rolle.
Was passiert bei Menschen, die dauernd bei tiefer Kälte leben?
Reichen die genannten Anpassungsreaktionen nicht aus, verbessert der menschliche Körper seine Wärmeisolation. Dabei werden unter Umständen die Fettpölsterchen etwas stärker ausgebildet.
Sind Frauen kälteempfindlicher als Männer?
Man hört das oft, aber in der wissenschaftlichen Literatur findet man nicht viele Angaben, die diese Feststellung stützen. Verschiedene physiologische Faktoren wie z. B. die Körperzusammensetzung beeinflussen das Kälteempfinden. Männer sind physiologisch schon etwas bevorteilt.
Wie sieht die Zukunft der Schutzkleidung aus?
Es wird eine Kleidung sein, die man sowohl bei 10 Grad wie auch bei –20 Grad tragen kann. Das Material besteht aus Kammern, die mit Daunenfedern gefüllt sind und in die man Luft hineinpumpen kann, wenn es kalt wird. Denn Luft ist der beste Isolator. Allerdings nur, wenn sie ruht. Die Daunenfedern verhindern, dass eine Luftzirkulation entsteht. Das Prinzip orientiert sich an der Natur. Das Schneehuhn wendet das gleiche Prinzip an, wenn es sich aufplustert.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.02.2012, 15:01 Uhr
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2 Kommentare
Es gibt sicher auch noch andere Sachen,die die Luftzirkulation verhindern als Federn.Wie vielen Gänsen etc,werden die Daunenfedern lebendig ausgerissen!Seit ich diese Filme sah,gibt es keine Federn mehr in meinem Haushalt weder in Kissen noch in Jacken und wir frieren nicht!Schon einmal etwas von Fleace gehört? Antworten
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