Blitzschlag: Nur einer von zehn stirbt
Von Dario Venutti. Aktualisiert am 04.08.2010 1 Kommentar
Artikel zum Thema
In der griechischen Antike schleuderte Zeus ganze Blitzbündel zur Erde, wenn ihn die Menschen erzürnt hatten. Bei den Germanen warf Thor mit dem Hammer um sich. Und auch die Christen glaubten einst, dass ihr Gott sauer war, wenn es blitzte und donnerte. Wer getroffen wurde, musste es als gerechte Strafe für seine Sünden hinnehmen.
Eichen sollst du weichen
So hat man früher die Funkentladung am Himmel interpretiert – bis die Erfindung des Blitzableiters im 18. Jahrhundert die Urgewalt zum beherrschbaren Risiko machte. Dennoch hat der Blitz nichts von seinem Schrecken eingebüsst: Man zuckt zusammen ob dem Zischen und der Kraft, die beim Einschlag auf der Erde zur Gefahr wird. Wer sich dann an die Volksweisheit «Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen» hält, kann in eine tödliche Falle tappen: Am 1. August suchte ein 20-jähriger Lehrling auf der Gummenalp oberhalb des Brienzersees Schutz unter einer Tanne, wurde prompt getroffen und war auf der Stelle tot.
Die Urangst vor dem Blitz ist wesentlich weniger gut begründet als die Befürchtung, in einem Verkehrsunfall das Leben zu verlieren. Weltweit gehen jedes Jahr mehr als eine Milliarde Blitze über der Erde nieder. Die 400'000 Blitze, die man jährlich in der Schweiz registriert, suchen sich ihre Opfer mit aufreizender Gleichgültigkeit aus, und es sind sehr wenige: Es sterben fünf Menschen. Ein Grund für die tiefe Zahl ist die Tatsache, dass 80 Prozent der Blitze sich innerhalb und zwischen den Wolken entladen. Nur jeder fünfte schlägt auf der Erde ein.
Herzstillstand, Atemblockade
Ein zweiter Grund ist der Umstand, dass die Haut den Strom schlecht auf- nimmt. Fliesst er über die Aussenhaut in den Boden, sträuben sich einzig die Nackenhaare. Laut amerikanischen Forschern stirbt nur einer von zehn Getroffenen an den Folgen eines Blitzeinschlags – und hat damit grosses Pech gehabt. Dann war der Strom in den Körper eingedrungen und führte zum Herzstillstand, zur Atemblockade oder über Verbrennungen zum Tod.
Angesichts der Toten geraten die teilweise schwer versehrten Überlebenden leicht aus dem Blickfeld. Doch sie selber vergessen nicht. Überlebende berichten immer wieder von Nahtoderlebnissen: wie sie aus ihrem Körper hinausschweben und sich fragen, woher die unheimliche Stille komme. Was ihnen bleibt, ist die Angst vor dem nächsten Blitz.
Unsichtbare Wunden
In den USA haben einige Überlebende eine Selbsthilfeorganisation gegründet, die jährlich eine Weltkonferenz abhält. Was die 1400 Mitglieder eint, sind nicht eindrucksvolle Brandmale ihres Unglücks. Nur selten hinterlassen Blitze sichtbare Wunden, die eher typisch für Elektroschocks sind. Häufiger sind Gedächtnisverlust, Panikattacken und rätselhafte Schmerzen.
Wer vom Blitz getroffen wird, dessen Muskeln verkrampfen sich unter dem Schock so stark, dass gelegentlich Knochen brechen. Für Sekundenbruchteile steht der Körper in einer elektrischen Entladung, die eine Stärke von Zehntausenden Ampère erreichen kann. Damit lassen sich Millionen Glühbirnen zum Leuchten bringen. Beim Blitzeinschlag entsteht eine Spannung von mehreren Millionen Volt. Zum Vergleich: Eine Hochspannungsleitung hat 100'000 Volt, der Haushaltsstrom fliesst über eine Spannung von 220 Volt.
Schäden zeigen sich erst später
Die Schäden am Körper hängen ab vom Weg, den sich der Strom in Richtung Erdboden sucht. Manche Menschen können nach einem Blitzeinschlag einfache Rechenaufgaben nicht mehr lösen. Bei andern zeigen sich die Folgen erst Wochen oder Monate später: Verlust des Kälteempfindens, cholerische Anfälle, schwere Konfusionen. Von Glück kann erst reden, wer dauerhaft ohne Schäden bleibt. Gut fühlt sich ein vom Blitz Getroffener eigentlich nur, wenn es sich um Verliebtheit handelt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.08.2010, 23:01 Uhr
Kommentar schreiben
1 Kommentar
Das gute am Blitz ist, das die Spannung über mehrere Millionen Volt liegt. Dank dem Skin Effekt der sich bei Hochspannung beobachten lässt, fliesst der Strom nicht mehr durch den Körper sondern auf der Ionisierten Luftoberfläche des Körpers. Wäre diese Spannung tiefer würden wesentlich mehr Menschen die vom Blitz getroffen werden, daran auch sterben. Antworten
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!







