Kriege wegen Bananen
Von Daniel Di Falco. Aktualisiert am 06.11.2009 1 Kommentar
Im Kampf gegen Chiquita und die CIA: Jacobo Arbenz. (zvg)
Korruption, Willkür, Vetternwirtschaft, Bereicherung, Wahlbetrug, mafiöse Praktiken: Das sind die Leistungen von Staaten, die keine Staaten sind, sondern nur Kulissen für die wirkliche Macht, die bei einem Staat im Staat liegt. Dass sie «Bananenrepubliken» heissen, hat seinen Grund: Sie sind die Ausgeburt der Bananenkonzerne.
Musa × paradisiaca heisst die Obst- oder Dessertbanane botanisch; in Mittelamerika baute man sie praktisch nur zum Eigenbedarf an. Doch dann, um 1870, wurde sie von Unternehmern aus den USA entdeckt, und bald prägte sie die Geschicke der Region so wie das Öl die arabischen Länder. Nicaragua, Costa Rica oder Guatemala machten sich abhängig von der Banane. Genauer: von den ausländischen Konzernen, die sie anbauten und exportierten.
Das Geschäft entwickelte sich, weil Kaufkraft und Wohlstand in den Industriestaaten wuchsen. Hier wurde die Banane vom exotischen Luxus zur Alltagsware – und zur Ikone eines besseren Lebens, wo es diesen Wohlstand nicht gab; daher der legendäre Bananenfimmel der Ostdeutschen («Bund» vom 9. Oktober). Doch kein Markt entsteht von selbst. Nicht umsonst waren es Eisenbahnbauer und Reeder, die das Geschäft mit der Banane entdeckten: Sie verdirbt schnell, und darum entstanden die ersten Plantagen entlang den Gleisen, auf denen die Früchte in die Häfen gelangten. Auf eigens gebauten Bananendampfern hielten Kühlanlagen die Früchte frisch, mechanische Förderanlagen sorgten für den raschen Umlad, und in klimatisierten Bahnwagen reiste die Banane bei konstanter Temperatur weiter in die Städte des Nordens. So errichteten die Konzerne die komplette Vertriebsinfrastruktur unter ihrem Dach. Und nur so gab es überhaupt einen weltweiten Markt.
Mehr noch: Weil es auch bei der Ernte auf den Moment und einen reibungslosen Ablauf ankam, bauten die Konzerne ihre Plantagen streng hierarchisch auf. Die Leitungspositionen besetzten Ausländer, die getrennt von den einheimischen Arbeitern wohnten. Doch nicht nur die Wohnungen und die enormen Ländereien gehörten den Bananenkonzernen. Weil es die nötige Infrastruktur zunächst nicht gab, kontrollierten sie bald die Wasser- und Stromversorgung, die Telegrafen- und Telefonnetze, die Post – und die Politik.
So wurden die ausländischen Bananenkonzerne eine Art Wirtschaftsenklaven. Und binnen eines Jahrhunderts griffen die USA zwei Dutzend Mal zu ihren Gunsten in die Politik jener Staaten ein, die sie als ihren Hinterhof verstanden. Das auch im Sinn der «Truman-Doktrin», nach der sie jede kommunistische Regung in der «freien Welt» ersticken wollten. Mehr Freiheit kam dabei selten heraus: Die CIA verhalf Diktatoren zur Macht, die den Bananenkonzernen willfährig waren. Die drastischste dieser Interventionen traf einen Schweizer: Jacobo Arbenz Guzman, einen Einwanderersohn, der 1951 zum Präsidenten Guatemalas gewählt wurde. Er setzte eine Landreform durch, mit der brachliegendes Plantagenland den Kleinbauern übertragen werden sollte. Doch damit machte er sich einen gefährlichen Feind: die United Fruit Company (UFC), die heute Chiquita Brands heisst. John Foster Dulles, damals US-Aussenminister, hatte als Anwalt bei der UFC gearbeitet. Und sein Bruder Allen war Chef der CIA. Am 20. Mai 1954 überschritt eine Truppe von Söldnern, die die USA aufgestellt hatten, die Grenze. Für Guatemalas Armee ein leichter Gegner, aber eine schwerwiegende Drohung: Notfalls würde Washington die eigene Armada hinterherschicken. Arbenz’ Generäle verloren die Nerven, am 25. Juni entschied sich der Uno-Sicherheitsrat dagegen, die Vorgänge in Guatemala zu thematisieren, zwei Tage später sah sich Arbenz zum Rücktritt gezwungen. In Guatemala folgten vier Jahrzehnte Diktatur und Bürgerkrieg; Arbenz ging ins Exil, irrte durch mehrere Länder und starb 1971 unter nicht restlos geklärten Umständen in einer Badewanne in Mexiko-Stadt.
Andelfingen liegt im Zürcher Weinland. Die Heimatgemeinde des Jacobo Arbenz Guzman feierte diesen Sommer ihren 1250. Geburtstag mit allerhand geladenen Gästen, aber ohne die Nachfahren des Mannes, der in Südamerika als Kämpfer für Demokratie und Bürgerrechte verehrt wird. Eine Bananenrepublik wird man das Dorf deswegen aber nicht nennen können. (Der Bund)
Erstellt: 06.11.2009, 08:35 Uhr






Die Welt in Bildern
von Känel Beat
Das ist nur eines der Kabinettstückchen der US-amerikanischen Aussenpolitik. Die USA haben in der vergangenen Zeit mehr Leid über die Menschheit gebracht, als irgend ein anderes Land. Aber die Gefahr geht natürlich immer von anderen Ländern aus. Und Europa - diesmal die Schweiz inbegriffen - plappert alles nach. Antworten