Adolf und Eva liebten sich wirklich

Aktualisiert am 11.02.2010

Eva Braun war kein unbedarftes Anhängsel, wie lange behauptet wurde. Die Geliebte Adolf Hitlers teilte dessen Weltbild und politische Auffassungen, das zeigt eine neue Braun-Biografie.

1/4 Adolf Hitler soll Eva Braun 1929 in München kennengelernt haben.
Bild: Keystone

   

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Heike Görtemaker. Eva Braun. Leben mit Hitler. München, 367 Seiten. 39.90 Franken.

Die Frage ist berechtigt: Hatte Adolf Hitler überhaupt eine Libido? Bisher lautete der Tenor der Hitler-Biografen – unter anderem Joachim C. Fest und Ian Kershaw – das Leben des Diktators sei rein politisch gewesen. Freude, Liebe oder Leidenschaft habe es in seinem Leben nicht gegeben. Wenn die Libido doch herangezogen wird, so nur, um beispielsweise psychoanalytische Erklärungen für den Antisemitismus des Führers zu destillieren. Es erstaunt daher nicht, dass Hitlers Geliebte, Eva Braun, lange als «attraktives junges Ding» abgetan wurde, in dem er «trotz oder vielleicht gerade wegen ihres unscheinbaren und dümmlichen Aussehens die Art von Entspannung und Ruhe fand, die er suchte», wie sein Leibfotograf später behauptete.

Dieses Bild gilt es zu revidieren, wie der «Spiegel» schreibt: In einer wissenschaftlichen Biografie hat sich die Berliner Historikerin Heike Görtermaker intensiv mit der Frau befasst, die dem Diktator mehr als 15 Jahre treu ergeben war. Görtermakers Darstellung werfe die Frage nach der Psyche Hitlers neu auf, heisst es im Nachrichtenmagazin – Hitler sei nicht über Sex und Lust erhaben gewesen. Und Eva Braun habe ihm wirklich etwas bedeutet: Schon in seinem Testament 1939 benannte Hitler Braun gleich nach der NSDAP, sie solle lebenslang eine hohe Rente ausbezahlt bekommen. Auch wurde sie in den Umbau von Linz zur Kulturhauptstadt des Führers einbezogen. Und Nazi-Rüstungsminister Albert Speer sagte nach dem Krieg, Hitler habe stets «mit grosser Achtung und innerer Verehrung» von ihr gesprochen.

Sie war Hitler treu ergeben

Laut Görtemaker war Eva Braun nicht in jenem Masse unbedarft, wie es bis heute heisst. Sie habe gewusst, was um sie herum abging und Hitlers Weltanschauung und politische Auffassungen unkritisch geteilt, zitiert der «Spiegel». Sie hätte es wohl kaum so lange mit Hitler ausgehalten, wäre sie nicht ebenfalls Antisemitin gewesen. Kennengelernt haben sich Hitler und Braun angeblich 1929 in München, Hitler soll sie in die Oper eingeladen haben. Bald gab der NSDAP-Chef den Befehl, Brauns Familie auf jüdische Vorfahren zu überprüfen. Wann aus der Bekanntschaft eine Beziehung wurde, ist jedoch unbekannt. Erst nach zwei Selbstmordversuchen Brauns 1932 und 1935 scheint die Bindung zwischen den beiden enger geworden zu sein. Hitler finanzierte ihr eine Wohnung und später ein Haus, sodass sie endlich von zu Hause ausziehen konnte.

Obwohl Braun treu an seiner Seite weilte, erfuhr die Öffentlichkeit erst nach Kriegsende von ihrer Existenz. Sie folgte ihrem Geliebten in den Tod: Zusammen mit Hitler vergiftete sie sich 1945 kurz vor Kriegsende im Berliner Führerbunker. 40 Stunden zuvor hatten sie geheiratet. (cha)

Erstellt: 11.02.2010, 08:41 Uhr

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