Schweinegrippe-Impfstoff: Sollen Nebenwirkungen in Kauf genommen werden?
Das lange Warten auf den Impfstoff: Das Testverfahren soll abgekürzt werden. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
Tamiflu für Schwangere?
Zugelassen wird Tamiflu für Schwangere und weniger als ein Jahr alte Kinder nicht generell. Swissmedic veröffentlichte am Montag mit Blick auf die erwartete Schweinegrippe-Pandemie Empfehlungen für die Anwendung von Grippemedikamenten.
Werden Schwangere mit Tamiflu oder Relenza behandelt, muss der Arzt Nutzen und Risiken für jeden einzelnen Fall abwägen. Experimente mit Tieren und begrenzte Erfahrungen hätten gezeigt, dass bei Schwangeren und Stillenden im Einzelfall der Nutzen der Medikamente grösser sein könne als die Risiken, schreibt Swissmedic.
Tamiflu ist für über einjährige Kinder zugelassen, kann gemäss den Empfehlungen von Swissmedic aber dennoch an Babys verabreicht werden, wenn ein Arzt zuvor Nutzen und Risiken für das Kind abgewogen hat. Das Heilmittelinstitut empfiehlt aber ausdrücklich Zurückhaltung bei der Abgabe des Medikaments an Kinder.
Bei bis zu drei Monate alten Babys muss eine Tamiflu-Behandlung zudem zwingend medizinisch überwacht werden. Bei unter einjährigen Kindern sollte die Überwachung laut Swissmedic wenn möglich gewährleistet sein.
Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Krankenkassen die Behandlung mit Tamiflu ab 1. August in gewissen Fällen übernehmen müssen. Das Medikament ist kassenpflichtig, wenn Kranke im Spital behandelt werden sowie bei Chronischkranken, Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen, Kindern und allen über 65-jährigen Menschen.
Vor einer Freigabe des Vakzins müssten alle Sicherheitsbedenken ausgeräumt sein, sagte der zuständige Abteilungsleiter bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Keiji Fukuda. «Zu den Dingen, bei denen man keine Kompromisse eingehen darf, zählt die Sicherheit von Impfstoffen», sagte er der Nachrichtenagentur AP.
Seit rund 40 Jahren werden Menschen gegen Grippe geimpft. Viele Fachleute halten ein aufwendiges Testverfahren daher für überflüssig. Schliesslich enthalte der Schweinegrippe-Impfstoff nur eine neue Komponente: den Schweinegrippe-Erreger.
«Alle tun das Beste, das sie können, in einer Situation, die alles andere als ideal ist», sagte Martin Harvey-Allchurch, Sprecher der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA). Normalerweise werden Grippeimpfstoffe innerhalb der EU in klinischen Studien über Wochen oder Monate an mehreren hundert Personen erprobt. Um sicherzustellen, dass der Schweinegrippe-Impfstoff vor Beginn der Grippesaison vorliegt, erlaubt die EMEA den Pharmafirmen ein vereinfachtes Testverfahren.
USA lassen sich mehr Zeit
Dadurch könnte es allerdings schwierig werden, die richtige Dosierung zu finden. Die Gefahr besteht in erster Linie darin, dass eine zu niedrige Dosis keinen ausreichenden Impfschutz bietet. Aber auch im Hinblick auf mögliche Nebenwirkungen warnen Experten vor den langfristigen gesellschaftlichen Folgen: Die allgemeine Impfmüdigkeit könnte dramatisch zunehmen und die Ausbreitung anderer Infektionskrankheiten begünstigen.
In den USA lässt man sich mehr Zeit als in Europa. Die Regierung hat am vergangenen Mittwoch mehrere tausend Freiwillige aufgerufen, sich ab August als Probanden für die Erprobung des Schweinegrippe-Impfstoffs zur Verfügung zu stellen. Es gebe keinen Grund, Zugeständnisse in Sachen Sicherheit zu machen, sagt der Bioethik-Experte George Annas von der Boston University.
Doch auch in den USA gibt es Stimmen, die zur Eile mahnen. Falls der Impfstoff nicht rechtzeitig zur Verfügung stehe, seien die Folgen gravierend, sagt Harvard-Experte Leonard Marcus. Wenn man vor der Zulassung alle Nebenwirkungen ausschliessen wolle, laufe man Gefahr, im Bemühen, wenige Menschenleben zu retten, viele Menschenleben zu verlieren.
Rückgriff auf Vogelgrippe-Daten
Als vor einigen Jahren die Vogelgrippe grassierte, entwickelte die EMEA einen besonderen Plan, um im Falle einer Pandemie schnellstmöglich einen Impfstoff zur Verfügung zu haben. Sie liess Unternehmen Daten für eine Art Pseudo-Impfstoff unter Verwendung des H5N1-Virus vorlegen. Der Grundgedanke: Die Testphase sollte bereits vor einer globalen Epidemie weitgehend abgeschlossen sein, so dass im Ernstfall nur noch der Pandemie-Erreger dem Impfstoff hinzugefügt werden muss.
Sobald die ersten Schweinegrippe-Vakzine zur Verfügung stehen, will die EMEA vor allem auf die Vogelgrippe-Impfstoff-Daten zurückgreifen - denn deren Zusammensetzung ist vergleichbar. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die vorliegenden Daten Aufschluss darüber liefern, wie der Schweinegrippe-Impfstoff wirkt, erfolge die Zulassung, sagte EMEA-Sprecher Harvey-Allchurch.
Jeder, der an der Entwicklung eines Impfstoffs beteiligt sei, bemühe sich um eine Beschleunigung des Verfahrens, sagte WHO-Abteilungsleiter Fukuda. Aber niemand bestreite, dass die Sicherheit des Impfstoffs nicht in Frage stehen dürfe. (mbr/ap)
Erstellt: 27.07.2009, 14:54 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.







