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Martin Wilhelm
Redaktor News


Asiatische Hochschulen überrunden die Schweizer Universitäten

Aktualisiert am 05.10.2012 48 Kommentare

Eine neue Rangliste zeigt: Institute, die sich nicht verbessern, fallen zurück – so auch die Schweizer Hochschulen mit Ausnahme der ETH. Für die Schweiz wird ein Spitzenplatz in Zukunft wohl teurer.

An der Spitze gibt es nur geringe Wechsel: Die gemäss Ranking 15 weltbesten Universitäten. (Quelle: The Times Higher Education World University Rankings 2012–13)


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Sieben Schweizer Universitäten finden sich unter den 200 weltbesten des Rankings. (Quelle: The Times Higher Education World University Rankings 2012–13)

Südkoreanische Studentinnen bei der Aufnahmeprüfung zur Universität.(Archivbild AFP)

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Das britische Hochschulmagazin «Times Higher Education» hat seine Rangliste der weltweit besten Universitäten veröffentlicht. Die frohe Botschaft für die ETH Zürich vorweg: Sie ist von Platz 15 auf Platz 12 gestiegen. Das ist beachtliche Steigerung, denn in der von den angelsächsischen Elite-Universitäten dominierten Top 20 sind die Bewegungen nur gering. Auch die ETH Lausanne ist höher klassiert als 2011: Sie stieg von Platz 46 auf Platz 40.

Für die anderen sieben klassierten Schweizer Universitäten sieht das Ranking weniger rosig aus. Allesamt haben sie an Boden verloren – obwohl sie (mit Ausnahme der Universität Zürich) gleich gut oder besser bewertet wurden. Die Universität Lausanne beispielsweise hat letztes Jahr 51,2 Prozent der erreichbaren Punkte erzielt und sich nun dieses Jahr auf 53,6 gesteigert – fällt aber nun in der Rangliste um 14 Plätze auf Platz 130 zurück.

«Viele westliche Universitäten stehen still»

Zwei Gründe hat der Schweizer Rutsch nach unten. Mindestens einer davon wird den Schweizer Universitäten wohl noch Kopfzerbrechen bereiten: Die asiatischen Länder sind auch bei der Bildung auf dem Vormarsch. Die Technische Universität Nanyan in Singapur beispielsweise zog an allen Schweizer Universitäten (die ETH nicht mitgerechnet) vorbei und sprang von Platz 169 auf 86. «Der Wettbewerb nimmt zu», sagt Phil Baty, der verantwortliche Redaktor der «Times Higher Education», im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet. «Viele westliche Universitäten stehen still. Die asiatischen Institute hingegen steigen in der Rangliste auf, weil sie sich tatsächlich verbessert haben». Viele asiatische Länder hätten als Teil ihrer Wirtschaftsstrategie die Ausgaben für die Hochschulen massiv erhöht und damit auch die Qualität der Forschung verbessert, sagt Baty.

Die bestplatzierte asiatische Universität ist jene von Tokio, wobei diese eher zu den etablierten westlichen Instituten zu zählen ist. Zwei Ränge weiter hinten, auf Platz 29, folgt aber bereits die National-Universität von Singapur, welche um 11 Ränge auf Platz 29 gestiegen ist. Ja, er glaube tatsächlich, dass es sei nur eine Frage der Zeit sei bis die erste asiatische Universität in die Top 20 vorstosse, sagt Baty und verweist auch auf die Universität Peking, welche sehr generös finanziert werde. Er erwarte, dass die chinesischen Spitzenuniversitäten schon bald sehr nahe zu den weltbesten Instituten aufschliessen würden. Wir stehen vor einem Wendepunkt zugunsten der asiatischen Universitäten.

Holländer ziehen an der Schweiz vorbei

Ebenfalls an der Schweiz vorbeigezogen sind die holländischen Universitäten – Rotterdam beispielsweise sprang von Rang 157 auf 72. Hier liegt der Fall laut den Verfassern des Rankings aber weniger klar. Die Holländer hätten im Vergleich zum bessere Daten als Grundlage für die Rangliste geliefert, weshalb auch die Bewertung besser ausgefallen sei – an der guten Leistung der Institute bestehe aber ebenfalls kein Zweifel.

Dass die Schweizer Universitäten in der Rangliste zurückfallen, weil andere Institute detailliertere Daten zur Verfügung stellen, zeigt natürlich auch auf, dass hier nichts Exaktes gemessen wird und die Rangliste auch auf etwas wackligen Füssen steht. Die seit 2005 erstellte Rangliste steht gerade vonseiten der kontinentaleuropäischen Universitäten immer wieder Kritik. Zum Beispiel hat die Rangliste früher zur Hälfte auf der Befragung von Akademikern basiert, was natürlich eine einseitige Sicht ist.

Inzwischen ist die Rangliste aber ziemlich breit abgestützt und basiert auch auf vielen harten Fakten wie dem Verhältnis der Anzahl Studenten zu jener der Angestellten. Zudem wird niemand bestreiten, dass die für den Wissenschaftsbetrieb wichtigsten Universitäten tatsächlich die grossen angelsächsischen Universitäten sind, auch wenn die unterschiedlichen Ranglisten diese unterschiedlich rangieren (eine Übersicht findet sich hier).

Spitze «selbstzufrieden»

Kritik hin oder her: Die Batys Einschätzung teilt auch Dirk Van Damme, der Chef der Abteilung für Innovation bei der OECD. In der Publikation der «Times Higher Education» zur Rangliste schreibt er, die «akademische Exzellenz» bewege sich langsam weg von den Zentren des 20. Jahrhunderts. In der Tat sind von den 76 amerikanischen Universitäten in der 200 Plätze umfassenden Rangliste 51 zurückgefallen.

Van Damme geht sogar noch einen Schritt weiter: Er hat sich aufgrund der Daten der «Times Higher Education» das Verhältnis zwischen Forschungsausgaben und dem wissenschaftlichen Output angeschaut und ist zum Schluss gekommen, dass viele zwischen Platz 40 und hundert platzierte Universitäten ihre Forschungsgelder effizienter einsetzen würden als jene in der Top 40. «Zu befürchten ist, dass jene an der absoluten Spitze selbstzufrieden wurden und nicht mehr effizient und innovativ handeln».

Tatsächlich spielt vieles dafür, dass Universitäten, welche sich auf wenige Fachgebiete konzentrieren, am Ende besser dastehen. Es gebe durchaus einen kleinen Trend in diese Richtung, sagt denn auch Phil Baty: Gross ist nicht immer schön – viel Geld ist bei grossen Universitäten gebunden. Gerade in Grossbritannien gebe es einige Universitäten, welche zunehmend versuchen würden, sich aus einigen Gebieten zurückzuziehen.

Schweiz bei Internationalität top

Neben der Fokussierung auf wenige Fachgebiete ist für Baty vor allem eines erfolgversprechend: Private oder staatliche Gelder. «Wenn es eine Botschaft an die Regierungen gibt, ist es folgende: Die Bildungsinvestitionen sind der Schlüssel zum Erfolg – und sie zahlen sich für die Wirtschaft auch wieder aus.»

Schaut man sich die Bewertung der ETH Zürich im Detail an, zeigt sich aber ein Erfolgsfaktor, der nicht ausschliesslich vom Geld abhängig ist: Bei der internationalen Verflechtung erzielt die ETH Zürich die allerbeste Bewertung unter allen bewerteten Institute. Auch die Schweizer Universitäten erzielen bei der Internationalität bessere Bewertungen als alle amerikanischen Elite-Unis. Dafür fallen sie jedoch bei der Beurteilung der Qualität der Lehre und bei der Forschung im Vergleich zu den Top 40 teilweise stark ab.

Behält Phil Baty Recht und rüsten die asiatischen Institute tatsächlich stark auf, müssen die Schweizer Institute wohl mit weiteren Platzverlusten rechnen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2012, 22:04 Uhr

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48 Kommentare

Christoph Geiser

03.10.2012, 23:28 Uhr
Melden 79 Empfehlung 7

Das Vermitteln von Wissen an Studierende ist nur eine Aufgabe von Hochschulen. Ihre eigentliche Aufgabe ist die Produktion von neuem Wissen und dafür braucht es Forschungsaufträge, die entsprechenden Einrichtungen und, auch wenn's weh tut, Geld. Daran fehlt's und das wird uns eines Tages noch mehr schmerzen als vorgenannter Mammon. Antworten


Guido Singenberger

03.10.2012, 22:20 Uhr
Melden 94 Empfehlung 58

Das ist mir klar und logisch. Vor 42 Jahren hatten wir im Internat hohe Disziplin. Das Abitur war selbstverständlich. Keiner kiffte und keiner schüttete Alkohol in sich rein. Die Asiaten haben eine gute Disziplin und sind fleissig. Die Gründe für unsere Rückständigkeit sollte ich nicht nennen. Ich kann nur sagen: Äpfel sind so gut wie Stamm und die Sorte. Antworten



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