Verwaltungsrat mit Vergangenheit

Zypern hat wieder eine eigene Airline. Doch ein Schweizer sorgt für Unruhe im Aufsichtsgremium: Gegen ihn läuft ein Verfahren.

In Zypern wusste man angeblich von nichts: Cobalt-CEO Andrew Pyne. Foto: AFP

In Zypern wusste man angeblich von nichts: Cobalt-CEO Andrew Pyne. Foto: AFP

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Für manche Zyprioten war der 1. Juni dieses Jahres ein Freudentag. Zum ersten Mal hob eine Maschine der neuen Fluggesellschaft Cobalt von Larnaca nach Athen ab. Die Tourismusdestination Zypern hatte wieder eine eigene Airline, nachdem die staatliche Cyprus Airways Ende 2013 aus finanziellen Gründen ihren Betrieb hatte einstellen müssen. Der reguläre kommerzielle Betrieb von Cobalt soll am 7. Juli starten.

Dieser Termin ist möglicherweise gefährdet. Hinter den Kulissen rumort es. Am 17. Juni enthüllte «Cyprus Mail», dass im Verwaltungsrat von Cobalt eine höchst umstrittene Person sitzt: der Schweizer Urs Meisterhans. Cobalt riskiere, dass ihr die Lizenz wieder entzogen werde, schrieb das Blatt. Gemäss EU-Richtlinien kann die Bewilligung entzogen werden, wenn Unternehmensverantwortliche in strafbare Handlungen verwickelt sind.

Ein Dossier mit Geschichte

Das Dossier Meisterhans hat es in sich. Der 60-Jährige mit Wohnsitz am Zürichsee gehört laut Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und ausländischer Strafbehörden zu den Helfern des mutmasslichen deutschen Anlagebetrügers Florian Homm. Homm soll von 2002 bis 2007 mit Aktienkursmanipulationen ein enormes Vermögen angehäuft haben. Zeitweise verwalteten seine Hedgefonds 3 Milliarden Dollar. Dann kollabierte das Konstrukt, die Investoren verloren rund 200 Millionen Dollar, der Deutsche tauchte ab. Zuvor soll er über 100 Millionen in die Schweiz transferiert haben. 2013 wurde er in Florenz verhaftet, kam nach einigen Monaten wieder frei und setzte sich nach Deutschland ab. Nach wie vor laufen Haftbefehle gegen ihn.

Gemäss den Ermittlern hat Homm seine Gelder mithilfe von Meisterhans gewaschen. Dieser operierte dabei über seine Finanzgesellschaft Sinitus mit Sitz in Küsnacht. Laut Ermittlungsunterlagen soll Meisterhans mindestens 17 Millionen Dollar auf Konten transferiert haben, auf die der abgetauchte Homm Zugriff hatte. Auch sollen Florian Homm und seine Gattin Vermögenswerte von knapp 66 Millionen Dollar auf Konten von Gesellschaften verschoben haben, die von Meisterhans kontrolliert wurden. Im Oktober 2014 ordnete die Finanz­markt­auf­sicht (Finma) die Liquidation von Sinitus an. Für sämtliche Beteiligte gilt die Unschuldsvermutung.

Kein Thema auf Zypern

Auf Anfrage erklärt eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft, dass gegen Meisterhans am 20. Mai 2015 drei Anklageschriften beim Bundesstrafgericht in Bellinzona deponiert worden sind. Eine sei zurückgewiesen worden «mit der Begründung, dass derzeit noch Ermittlungen gegen zwei mitbeschuldigte Personen im Gang sind – sowie, um das Prinzip der Beurteilungseinheit zu gewährleisten – dass diese drei Beschuldigten zusammen angeklagt werden müssen». Meisterhans war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Von alldem wusste man auf Zypern offenbar nichts: Die Chefin der Börsenaufsicht sagte, sie habe keine Informationen über Meisterhans. Die Geldwäschereibekämpfungsstelle gab bekannt, sie müsse sich bei ausländischen Stellen kundig machen. Die Luftfahrtbehörde vergab die kommerzielle Lizenz an Cobalt ohne Kenntnis der Vorwürfe gegen Meisterhans. Der Chef der Behörde sagte, es erstaune ihn schon, dass jemand Verwaltungsrat werde, gegen den Klagen eingereicht worden seien.

Geldgeber stellten sich quer

Das wirft ein schiefes Licht auf Gregory Diacou, Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär von Cobalt. Diacou hatte bereits Anfang August 2015 gewusst, dass Klagen gegen Meisterhans liefen. Die Info stammte von potenziellen Geldgebern in London, die über das Aktionariat und die involvierten Personen recherchiert hatten. Man werde kein Geld einschiessen, solange Meisterhans dabei sei. Auch Diacou müsse gehen, weil er eng mit Meisterhans verbandelt sei.

Das geschah bis heute nicht. Am Kapi­tal von Cobalt ist dafür jetzt laut Recherchen von «Cyprus Mail» eine chinesische Staatsfirma beteiligt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.06.2016, 19:52 Uhr

Urs Meisterhans bestreitet die Darstellung im Text

Der im Text erwähnte Urs Meisterhans stellt gegenüber der Redaktion fest, dass er mit der Darstellung seiner Person im Bericht nicht einverstanden ist. Ihm gegenüber gilt, wie im Text erwähnt, die Unschuldsvermutung.

Urs Meisterhans.

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