Teure Hepatitis-C-Medikamente werden günstiger

Der US-Hersteller Gilead senkt die Preise für Harvoni und Sovaldi in der Schweiz. Im Gegenzug wird die Abgabe der Pillen erweitert.

Die Sovaldi-Pille des US-Herstellers Gilead hilft gegen die Hepapatitis-C-Infektionserkrankung. Bild: AP/Gilead Sciences

Die Sovaldi-Pille des US-Herstellers Gilead hilft gegen die Hepapatitis-C-Infektionserkrankung. Bild: AP/Gilead Sciences

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit Sovaldi und Harvoni hat der US-Hersteller Gilead zwei der potentesten Medikamente gegen die gefährliche Hepatitis-C-Infektionserkrankung auf den Markt gebracht. Die Preise sind allerdings exorbitant hoch. Die Standard­therapie von 12 Wochen mit Sovaldi kostet 57'625 Franken. Für Harvoni müssen 62'363 Franken hingeblättert werden.

Nun haben sich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Gilead auf eine Preissenkung geeinigt. Ab 1. September dieses Jahres reduziert sich der Preis für Sovaldi um 9318 Franken oder 16 Prozent auf 48'306 Franken. Bei Harvoni ­beträgt die Reduktion rund 19 Prozent. Die 12-Wochen-Therapie kostet neu 50'245 Franken.

Damit zieht Hersteller Gilead, der auch in der Schweiz den Markt dominiert, mit der Konkurrenz gleich. Die amerikanische ­Pharmafirma AbbVie und die belgische Janssen-Cilag hatten sich bereits auf den 1. August zu einer Preisreduktion von rund 26, respektive 25 Prozent bereit erklärt.

Im Gegenzug hat das BAG die Rationierung etwas gelockert. Neu können Ärzte die Medikamente auch bei Patienten mit einer sogenannten Leberfibrose Grad 2 verschreiben und von den Kassen vergüten lassen. Dies gilt nun auch für die Gilead-Präparate. Bis jetzt durften die Kassen die Therapie nur bei Patienten mit Fibrosegrad 3 und 4 bezahlen. In diesen Stadien ist die Erkrankung der Leber bereits so stark fortgeschritten, dass Leberkrebs ausbrechen kann.

Die Gesundheitsbehörde rechtfertigt die bei Ärzten und Patienten stark kritisierte Limitation mit den extrem hohen Preisen, welche die Hersteller für ihre Produkte verlangen.

Gilead kritisiert Preisdruck

Als das BAG sich im Juli mit den Konkurrenten von Gilead auf die neuen Modalitäten einigte, hoffte es, damit Druck auf den Branchenleader ausüben zu können. «Es gibt keinen vernünftigen Grund, künftig die Patienten mit den teuren Medikamenten zu behandeln», erklärte Oliver Peters, Leiter des Kranken-und Versicherungsbereichs im BAG, im TA. Gestern kritisierte André Lüscher, Chef von Gilead Schweiz, den Preisdruck durch die Mitbewerber. Harvoni sei in der Schweiz von Anfang an für eine achtwöchige Therapie zugelassen worden. Hätte das BAG bereits damals die Therapie für Patienten mit ­Fibrosegrad 2 zugelassen, hätten die Kosten für das Medikament 41 575 Franken betragen. Dem stünden jetzt die vom Bundesamt nach der jüngsten Preissenkungsrunde errechneten Therapiekosten von noch durchschnittlich 45'000 Franken gegenüber.

Die vom BAG im Juli prognostizierten Einsparungen von 40 Millionen Franken dürften jetzt wohl höher ausfallen. Das Bundesamt geht von rund 900 Fällen von Patienten mit Fibrosegrad 2 aus, die neu therapiert werden dürfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.08.2015, 14:24 Uhr

Artikel zum Thema

Experten warnen vor Hepatitis-Welle wegen Tattoos und Piercings

Fast 100'000 Menschen sind schweizweit mit Hepatitis-Viren infiziert. Nur jeder Zweite weiss etwas davon. Viele stecken sich beim Stechen von Tattoos oder Piercings an. Mehr...

Ein Geschäft fast ohne Konkurrenz

Das Bundesamt für Gesundheit lässt zwei neue Medikamente gegen die chronische Hepatitis C zu. Sie sind praktisch gleich teuer wie das seit sechs Monaten erhältliche Sovaldi und müssen deshalb ebenfalls rationiert werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Hinter den Kulissen: Models werden an der Moskauer Fashion Week geschminkt uns posieren für Selfies (24. März 2017).
(Bild: Maxim Shipenkov) Mehr...