Im Kampf um Eishockey-Livebilder muss die Weko entscheiden

Die Swisscom zerrt UPC vor die Wettbewerbshüter, um ihren Kunden doch noch Liveübertragungen der Eishockeyliga zeigen zu können.

Zwischen der Swisscom und UPC wird um die Übertragungsrechte der Schweizer Eishockey-Liga gestritten.

Zwischen der Swisscom und UPC wird um die Übertragungsrechte der Schweizer Eishockey-Liga gestritten. Bild: Keystone

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Ein Fussballspiel dauert 90 Minuten, ein Eishockeyspiel 60. Der Kampf um die Sportübertragungsrechte in der Schweiz dauert nun schon Jahre. Die beiden Gegenspieler sind epische Konkurrenten, Vertreter der beiden historisch gewachsenen Kommunikationsnetze Kabel und Telecom. Auf der Seite der Kabelnetzbetreiber steht als Hauptakteurin die UPC, auf der Seite der Telecomanbieter die Swisscom.

Neueste Episode im Duell der beiden: Die Swisscom hat bei der Wettbewerbskommission (Weko) eine Anzeige gegen die UPC eingereicht. Das teilte die Swisscom in einer Stellungnahme vom Donnerstag mit. Sie bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Als Erstes hatte das Onlineportal Watson über die Anzeige berichtet. Die Weko bestätigte ihrerseits den Eingang der Klage, wollte aber keine weiteren Angaben machen. Auch die Swisscom wollte die Anzeigeschrift nicht öffentlich machen. Akten aus einem laufenden Verfahren würden grundsätzlich nicht veröffentlicht.

Mit der Anzeige versucht die Swisscom, doch noch an die Livebilder des Schweizer NLA-Eishockeys heranzukommen. Denn die Übertragungsrechte für diese Spiele hatte vergangenen Sommer erstmals UPC ersteigert. Damit kann UPC ab der Saison 2017/18 die Schweizer Eishockeyspiele übertragen. Sie wird das über ihren neuen TV-Sender MySports tun, für den sie kürzlich die SRF-Sport-Moderatorin Steffi Buchli engagiert hat.

UPC will «Monopol brechen»

Für UPC war der Erhalt der Eishockey-Rechte ein grosser Erfolg, für die Swisscom - die bisherige Rechteinhaberin - hingegen eine Niederlage. Zumal unterdessen klar ist, dass UPC nicht vorhat, der Swisscom-Tochter Teleclub die Livebilder weiterzugeben. «Wir haben uns mit MySports das Ziel gesetzt, das langjährige Monopol von Swisscom/Teleclub im Sportbereich zu brechen», sagte UPC-Sprecher Bernard Strapp. «Dafür investieren wir einen hohen Millionenbetrag. Um diese Investitionen zu schützen, werden wir das MySports-Signal nicht an Swisscom weitergeben.»

UPC hat nur den Kabelnetzbetreibern ein Angebot zur Aufschaltung des Signals unterbreitet. Die Swisscom teilte mit, damit würde sie als einzige Anbieterin von den Liveübertragungen ausgeschlossen. Sämtliche 1,48 Millionen Haushalte mit Swisscom-TV müssten damit ab nächster Saison auf Schweizer Liga-Eishockey im Bezahlfernsehen verzichten. Eine bilaterale Lösung zwischen UPC und Swisscom sei nicht möglich. «UPC verweigert jetzt jedes Gespräch mit uns», schrieb Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. «Darum sind wir an die Weko gelangt.»

Die jüngste Anzeige hat eine pikante Vorgeschichte: Denn jahrelang hatte Swisscom die Schweizer Fussball- und die Eishockey-Übertragungsrechte inne - und gab diese Livebilder ihrerseits nicht vollumfänglich an Konkurrenten wie die UPC weiter.

Matthias Lüscher vom Branchenverband Suissedigital sagt, die Swisscom habe jahrelang ihre marktbeherrschende Stellung bei den Sportübertragungen missbraucht. Die Kabelnetzbetreiber hatten deshalb ihrerseits vor Jahren ein Verfahren bei der Wettbewerbskommission angeregt. Die Weko brauchte dann laut Lüscher 4,5 Jahre, bis sie im vergangenen Jahr endlich zum Schluss gekommen sei, dass die Swisscom die Konkurrenz tatsächlich diskriminiere. 4,5 Jahre, in denen die Swisscom das Angebot der Kabelnetzbetreiber habe künstlich unattraktiv machen und ihnen damit TV-Kunden abjagen können.

«Unsinnige» Bedingungen

Worum ging es bei der Diskriminierung? Laut dem letztjährigen Entscheid der Weko verweigerte die Swisscom einigen Konkurrenten «jegliches Angebot für die Ausstrahlung von Live-Sport auf deren Plattform». Anderen Konkurrenten wie Cablecom (heute UPC) habe sie nur Zugang zu einem reduzierten Sportangebot gewährt. Zudem knüpfte die Swisscom die Weiterverbreitung laut Lüscher an «unsinnige» Bedingungen. So habe sie beispielsweise verlangt, dass die Kabelnetzbetreiber das gesamte Teleclub-Angebot weiterverbreiten müssen, obwohl sie einen grossen Teil der Sender bereits selbst im Angebot gehabt hätten.

Die Weko verhängte letztes Jahr eine Busse von fast 72 Millionen Franken gegen die Swisscom. Diese zog das Urteil allerdings an das Bundesverwaltungsgericht weiter. Sie habe nur ihre hohen Investitionen schützen wollen, indem sie der Konkurrenz gewisse Spiele vorenthalten habe, argumentierte sie. Vor zehn Jahren habe sie aus dem Nichts eine umfassende Eishockey-Redaktion aufgebaut. Damit habe die Swisscom Eishockey als Fernsehsportart in der Schweiz überhaupt erst etabliert.

«Das ist schlicht gelogen»

Zudem habe die Swisscom-Tochter Teleclub bereits im letzten Jahr sämtlichen Schweizer TV-Plattformanbietern ein Angebot zur Aufschaltung des vollständigen Sportangebots gemacht. Allerdings hätten die Kabelnetzbetreiber bislang darauf verzichtet, davon Gebrauch zu machen.

«Das ist schlicht gelogen», sagte Lüscher. Er kenne keinen einzigen Kabelnetzbetreiber, der heute die Teleclub-Sportkanäle ohne irgendwelche Kopplungsbedingungen erhalte. Zwar hätten einige Mitglieder von Suissedigital ein Angebot von Swisscom erhalten. Dieses habe jedoch weder einen Preis noch konkrete Vertragsbedingungen enthalten. Als die Kabelnetzbetreiber sich dann bei der Swisscom danach erkundigt hätten, hätten sie nie mehr etwas gehört. Für Lüscher ist daher klar: «Es handelte sich um ein reines Pro-forma-Angebot, damit die Swisscom öffentlich sagen konnte, sie habe ein Angebot unterbreitet.» (Der Bund)

Erstellt: 15.04.2017, 07:40 Uhr

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