Hayek setzt sanft den Rotstift an

Die Swatch-Gruppe hat 2016 deutlich weniger Uhren verkauft. Konzernchef Nick Hayek reagiert mit Sparmassnahmen und mit einer Online-Offensive.

Touristen haben Schweizer Boutiquen gemieden: Uhrenverkäuferin in Interlaken.

Touristen haben Schweizer Boutiquen gemieden: Uhrenverkäuferin in Interlaken. Bild: Keystone

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Es gibt kaum ein Ereignis auf der Welt, das Nick Hayek nicht den Schlaf rauben müsste. Terroranschläge in Brüssel, Nizza und Istanbul: Die Uhrenverkäufe sinken. Strengere Visa-Bestimmungen für chinesische Touristen in Europa: Die Uhrenverkäufe sinken. Sanktionen gegen Russland: Die Uhrenverkäufe sinken.

Der Brexit-Entscheid und der darauffolgende Fall des britischen Pfunds hatten ebenfalls einen negativen Effekt: Weil die Swatch-Gruppe ihre Pfund-Preise nicht erhöht hat, sackte die Marge zusammen. Und die tiefen Preise sorgten dafür, dass sich Touristen aus der ganzen Welt in London mit Schweizer Uhren eindeckten statt etwa in Interlaken oder Luzern. «Die Schweizer Uhrenboutiquen haben natürlich darunter gelitten», sagt Swatch-Konzernchef Nick Hayek dem «Bund». Die Umsätze einiger Schweizer Läden hätten sich halbiert.

Deshalb ist der Umsatz der 17 Swatch-Marken – darunter Omega, Longines, Tissot und Rado – in der Schweiz besonders stark zurückgegangen, wie Hayek sagt. Insgesamt hat der Bieler Konzern letztes Jahr über 10 Prozent an Umsatz eingebüsst. Der Gewinn ist sogar fast um die Hälfte eingebrochen, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen hervorgeht.

Luxus hat besonders gelitten

«Die Luxusmarken wie Breguet und Blancpain haben besonders gelitten», sagt Hayek. Auch die etwas günstigere Luxusmarke Omega habe an Umsatz eingebüsst. «Im November und Dezember haben die Verkäufe aber wieder angezogen», erklärt der Daueroptimist. Für 2017 erwartet das Unternehmen «in allen Segmenten ein gesundes Wachstum».

Trotzdem hat die Swatch-Gruppe letztes Jahr die Sparschraube angezogen. So hat sie 600 Stellen von weltweit rund 36'000 Stellen abgebaut. Dies ausschliesslich über natürliche Abgänge, die nicht ersetzt wurden, wie das Unternehmen festhält.

Wohl auch um die Investoren zu besänftigen, ist in der gestrigen Mitteilung ein Swatch-untypisches Wort zu finden: Der Konzern schreibt, dass er «Kostenoptimierungsprogramme» durchführt. Dazu gehört etwa die fortschreitende Automatisierung der Uhrwerksproduktion. So berichtete die «Solothurner Zeitung» im Januar, dass die Swatch-Industrietochter ETA in Grenchen von Zwei- auf Einschichtbetrieb umgestellt hat.

Gleichzeitig hat der Konzern das Netz an eigenen Markenboutiquen weiter ausgebaut. Einerseits muss sich die Swatch-Gruppe bei eigenen Läden den Verkaufspreis der Uhren nicht mit einem Händler teilen. Und andererseits kann Hayek seine Strategie besser durchsetzen. So beklagt er sich über einige unabhängige Uhrenhändler: Sie hätten Angst, sich mit Uhren einzudecken, weil die Verkäufe zurückgegangen seien.

«Deshalb haben wir letztes Jahr 80 bis 100 neue Boutiquen für Swatch, Tissot, Longines und Rado eröffnet», sagt Hayek. So sei der Umsatzanteil der eigenen Läden letztes Jahr von 25 auf 30 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig zur Boutiquen-Offensive plant der Uhrenkonzern, das Geschäft im Internet auszuweiten. Günstigere Marken wie Longines, Rado oder Hamilton verkauft die Swatch-Gruppe bereits heute unter anderem in den USA übers Internet. Hayek will nun bei der Marke Omega das Prinzip «click and collect» forcieren. Das heisst, dass die Kunden im Internet einkaufen, die Uhr aber im Laden abholen.

Bei teureren Marken sei die Abholung im Laden «eine super Lösung, weil die Kunden so sicher sind, dass sie keine gefälschte Uhr kaufen», erklärt Hayek. Dabei sei nicht geplant, die ganze Produktepalette im Internet anzubieten, sondern lediglich einzelne Kollektionen.

Gespräche mit Alibaba

Zudem hat der Konzernchef ein weiteres Online-Projekt. Wie Omega ist nun auch der chinesische Internethandels-Konzern Alibaba zu einem Sponsor der Olympischen Spiele geworden. Hayek hat mit Alibaba-Vertretern erste Gespräche über eine gemeinsame Plattform geführt, auf der Omega-Kollektionen verkauft werden könnten. «Das ist ein interessantes Projekt für uns», meint Hayek. Doch unterschrieben sei noch nichts.

Die grösste Baustelle des Uhrenkonzerns befindet sich indes nicht im Internet, sondern in Biel: Der 150 Millionen Franken teure Neubau der Hauptquartiere der Marken Omega und Swatch ist derzeit in vollem Gang. Der Omega-Sitz soll laut Hayek Ende dieses Jahres eröffnet werden, der hölzerne, schlangenförmige Bau für Swatch hingegen erst Ende 2018. (Der Bund)

Erstellt: 03.02.2017, 07:00 Uhr

Swatch kauft eigene Aktien

Vor einem Jahr hat die Swatch-Gruppe angekündigt, bis 2019 für eine Milliarde Franken eigene Aktien an der Börse zurückzukaufen. Dies um die Kontostände des Konzerns tief zu halten und so Negativzinsen zu verhindern – und weil Nick Hayek die eigene Aktie für unterbewertet hält. Dank einer eindrücklichen Eigenkapitalquote von 85 Prozent konnte die Swatch-Gruppe das Vorhaben trotz des Gewinneinbruchs in Angriff nehmen.

So hat der Konzern letztes Jahr für 332 Millionen Franken Aktien zurückgekauft. Das entspricht knapp 2 Prozent des Aktienkapitals. Was mit den gekauften Aktien dereinst geschieht, ist noch nicht entschieden. Optionen sind ein späterer Verkauf an der Börse zu einem besseren Preis, die Finanzierung einer Übernahme oder schlicht die Vernichtung, was den Wert der restlichen Aktien dauerhaft erhöht. Nach der Publikation der Jahreszahlen stieg der Kurs der Swatch-Aktie gestern um 1,0 Prozent. (sul)

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