Die Deutsche Bank will Geld zurück – von ihren früheren Chefs

Deutschlands grösste Bank steckt tief der Krise. Nun sollen Ex-Manager wie Joe Ackermann Boni zurückzahlen.

Ein Finanzriese in Schieflage: Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Reuters

Ein Finanzriese in Schieflage: Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Reuters

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Der Deutschen Bank geht es schlecht. Sie hat zwei Jahre hintereinander Milliardenverluste geschrieben. Letztes Jahr wurde gar öffentlich über Staatshilfen für das in Schieflage geratene Institut spekuliert. Unterdessen hat sich die Lage etwas beruhigt. Das Geldhaus kommt mit der Aufarbeitung teurer Rechtsfälle voran und hat jüngst 8 Milliarden Euro frisches Kapital aufgenommen. Es wurde zudem als positives Signal aufgenommen, dass sein Chef John Cryan in der Krise auf seinen Bonus verzichtet und sich mit seinem Fixlohn von 3,8 Millionen Euro begnügt.

Nun sollen auch die Verantwortlichen für die Notlage einen Anteil leisten. Die Deutsche Bank will die ehemaligen Chefs zumindest finanziell zur Rechenschaft ziehen. Offenbar finden hinter den Kulissen bereits intensive Gespräche mit den früheren Topmanagern statt. «Nach Erwartung des Aufsichtsrats wird es in den nächsten Monaten hierzu eine Regelung geben, die einen wesentlichen finanziellen Beitrag der Betroffenen sicherstellt», sagte Paul Achleitner, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, an der Generalversammlung des Instituts.

Ackermanns teure Altlasten

Angaben darüber, bei wem die Bank wie viel Geld einsammeln will, machte er nicht. Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass die Bank erfolgsabhängige Lohn­anteile von ehemaligen Führungskräften wegen verschiedener Rechtsstreitigkeiten gesperrt hat. Insgesamt sollen die Boni von elf ehemaligen Spitzenkräften suspendiert worden sein. Dazu zählt auch Joe Ackermann. Der Schweizer war zwischen 2006 und 2012 Chef der Deutschen Bank. In Deutschland zählte er einst zu den bestbezahlten Managern. 2012, in seinem letzten Jahr bei der Deutschen Bank, verdiente er 9 Millionen Euro. Zeitweise betrug das Einkommen deutlich mehr als 10 Millionen Euro. Bei seinem Abgang sagte er, er wolle die Bank besenrein übergeben und wichtige Rechtsfälle aufarbeiten.

Das gelang ihm nicht. Zu Beginn dieses Jahres einigte sich die grösste Deutsche Bank auf einen mehr als 7 Milliarden Dollar schweren Vergleich mit den US-Behörden. Die Bank büsste für unsaubere Geschäfte auf dem US-Hypothekenmarkt in den Jahren 2005 bis 2007. Nicht nur der Schweizer soll auf Geld verzichten, sondern auch seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Parallelen zur Credit Suisse

Die Situation der Deutschen Bank wird oft mit derjenigen der Credit Suisse verglichen. Auch die zweitgrösste Schweizer Bank hat zwei verlustreiche Jahre hinter sich. Die Ursache dafür sind Altlasten und teure Rechtsfälle aus der Vergangenheit. Die CS nimmt aber dennoch die einstige Führungsriege um den ehemaligen Bankchef Brady Dougan nicht in die Pflicht. Er war zwischen 2007 und 2015 CS-Chef. Seinen höchsten Bonus erhielt er 2010. Er betrug rund 70 Millionen Franken.

Jüngst traf es tiefere Chargen. Im letzten Jahr wurden erstmals CS-Mitarbeitern wegen Fehlverhaltens rückwirkend die Boni zusammengestrichen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2017, 08:31 Uhr

Mehr Mittel für die CS

Aktionäre für Kapitalerhöhung

Die Aktionäre der Grossbank Credit Suisse stimmten einer weiteren Kapitalerhöhung zu. Damit kann die Bank rund 4 Milliarden Franken zusätzliche Mittel beschaffen. Einige Aktionäre nutzten die ausserordentliche Generalversammlung am Donnerstag dafür, die Bonipolitik der Bank zu kritisieren. Die Aktionäre stimmten dem Antrag des Verwaltungsrates mit einem Ja-Anteil von 99,4 Prozent zu. Das Ergebnis wurde erwartet, da kein Stimmrechtsberater dagegen war. Auch die Schweizer Anlagestiftung Ethos empfahl ein Ja.

CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner erklärte an der GV die jüngste Kehrtwende des Managements. Dieses hatte im Oktober 2015 einen teilweisen Börsengang des Schweizer Geschäfts vorgeschlagen. Vor drei Wochen gab die Bank dann bekannt, zugunsten einer ordentlichen Kapitalerhöhung auf diesen Börsengang zu verzichten. Rohner begründete dies mit der verbesserten Lage der Grossbank. CS-Chef Tidjane Thiam seinerseits führte in seiner Ansprache aus, wofür die Grossbank das zusätzliche Kapital verwenden will. Das Geld erlaube, die laufende Restrukturierung fortzusetzen, sagte Thiam. Bis zu deren Abschluss im nächsten Jahr will die Credit Suisse in den Umbau des Instituts rund 900 Millionen Franken investieren. Zudem sollen die frischen Mittel der Bank mehr Wachstum ermöglichen. Der Bereich Vermögensverwaltungsgeschäft und das Beratungsgeschäft sollen ausgebaut werden. (SDA)

Josef Ackermann.

Brady Dougan.

Anshu Jain,

Jürgen Fitschen.

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