Der Fitness-Tüftler

Mike Schrag hat als Zwölfjähriger sein erstes Fitnessgerät gebaut. Seither hat er es weiterentwickelt. Nun ist das Produkt fertig, und die Ambitionen sind gross.

Mike Schrag hängt im Sitzungszimmer kopfüber an seinem Fitnessgerät.

Mike Schrag hängt im Sitzungszimmer kopfüber an seinem Fitnessgerät. Bild: Adrian Moser

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Mit zwölf wollte der Freiburger Mike Schrag Skirennfahrer werden. Er fuhr im Nachwuchskader und bestritt seine ersten interregionalen Rennen. Dem jungen Sportler fehlte es aber etwas an Muskeln und Masse. Also baute er sich aus Stahlrohren und Holzplatten ein Fitnessgerät, das er an die Wand seines Kinderzimmers montierte.

Wie diese Ersterfindung genau aussah und wie sie funktionierte, darauf will Mike Schrag heute, 30 Jahre später, nicht mehr zu sprechen kommen: «Es sah halt aus wie etwas, das ein Zwölfjähriger gebaut hat.»

Er präsentiert lieber die ausgereifte Version: Bei dieser ist Design Teil des Konzepts. Die teurere Ausführung ist in einem schlichten Holzschrank verborgen. Die Idee: Das Gerät muss nicht im Keller versteckt, sondern kann im Wohnzimmer montiert werden. Denn regelmässig genutzt werde ein Fitnessgerät nur, wenn es dort sei, wo man sich oft aufhalte, sagt Schrag.

Das Gerät selbst besteht im Prinzip aus einer Aluschiene, an der auf einem Schlitten aus Holz ein Eisenhebel angebracht ist. Von da kommt der Name des Unternehmens Eisenhorn. Es hat seinen Sitz im deutschfreiburgischen Plaffeien. Der verstellbare Widerstand kommt über einen Gasdruckkolben zustande. Hunderte Übungen liessen sich an dem Gerät ausüben, sagt Schrag. Die Grundidee ist dieselbe wie bei seiner Ersterfindung vor 30 Jahren: ein platzsparendes Gerät, das an die Wand montiert wird.

Dutzende Prototypen gebaut

Obwohl ästhetisch weniger ansprechend, erfüllte schon die erste Konstruktion ihren Zweck. Der zwölfjährige Mike trainierte sehr oft daran. Mit 16 wählte er aber einen anderen Weg: Er entschied sich für eine Lehre als Maschinenzeichner. «Ich wollte eine richtige Ausbildung machen. Nicht eine so nebenbei neben dem Sport», sagt er. Er fuhr fortan nur noch regionale Skirennen. Nach der Lehre studierte er in Freiburg Maschinenbau und machte sich bald danach selbstständig. Seine Firma entwickelte Maschinen auf Mandatsbasis für andere Unternehmen und baute Prototypen. Das Geschäft lief gut, Schrag verdiente ordentlich Geld.

Dennoch liess ihn die Idee mit dem Fitnessgerät nie los. «Ich bin einer, der sich in etwas verbeissen kann», sagt er. Also tüftelte er weiter. Wann immer es ging, liess er seine Mitarbeiter an den externen Aufträgen arbeiten und baute selbst Prototyp um Prototyp. Es seien Dutzende gewesen. Wie viele genau, kann er nicht sagen. «Einige habe ich unzählige Male umgebaut.» Über all die Jahre habe er einen siebenstelligen Betrag in die Entwicklung gesteckt. Schliesslich verkaufte er seine erste Firma und gründete 2014 Eisenhorn.

Lange davor, in den ersten Entwicklungsjahren, hätten viele den Kopf geschüttelt. «Du spinnst, das wird doch nichts», habe er ein paar Mal gehört. Und warum es denn ganze Fitnessstudios gebe, wenn angeblich ein einziges Gerät reiche, um den gesamten Körper zu trainieren.

Unterdessen sind die Kritiker verstummt. Und Mike Schrags Telefon klingelt ziemlich oft. «Das war gerade ein grosser Weltsportverband», sagt er, als er auflegt, und strahlt. Ein Schweizer Fussballclub in der obersten Liga wird an diesem Tag auch noch anrufen, ebenso ein Studiobetreiber, der das Gerät vor Ort seinen Personal-Trainern präsentieren will: «Hat es freistehende Säulen? Ja, dann ist es kein Problem. Dann können wir es für die Vorstellung mit einem Spanngurt fixieren.»

Verkäufe verdoppeln sich

Die Einzelteile der Trainingsgeräte bezieht Schrag grösstenteils bei regionalen Herstellern. Zusammengebaut werden sie in der Werkstatt in Plaffeien. Ein Montagemitarbeiter, der Feierabend macht, sagt: «Wir haben ziemlich viel zu tun. Aber das ist gut so.» Im Moment verdoppelten sich die Verkaufszahlen jährlich, sagt Schrag. In diesem Jahr will er sich in Richtung 1000er-Marke bewegen.

Er verkauft die Geräte an Private, Physiotherapeuten, Ärzte, Sportler und die Hotellerie. Sieben Mitarbeiter hat er heute, zwei werden aktuell gesucht. Das Unternehmen will bald schwarze Zahlen schreiben, investiert heute aber noch viel Geld in den Marktaufbau.

Schrag will sich zuerst auf den europäischen Markt konzentrieren. Er hat aber auch Anfragen aus Dubai, Australien, Israel oder Südkorea. «In den nächsten Wochen liefern wir die ersten Geräte in die USA», sagt er. Im Moment ist er sich nicht sicher, ob ihm die Markteinführung schnell genug geht. Er überlegt sich, ob zusätzliches Kapital sinnvoll wäre, um das Tempo zu beschleunigen. Im Sommer 2015 hat er bereits drei private Investoren ins Boot geholt. Er hält jetzt noch zwei Drittel an seinem Unternehmen.

Hat er Angst, dass ihn andere kopieren, wenn er zu langsam ist? «Nicht wirklich», sagt er. Er hat das Gerät mehrfach patentieren lassen. Aber es wäre ja schade, meint Schrag, wenn man nach den bisher guten Erfahrungen nicht ambitioniertere Pläne verfolgen würde. Seine Vision ist, dass ein Eisenhorn so selbstverständlich in einen Haushalt gehört wie die Hometrainer-Velos in den 90er-Jahren. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2017, 06:49 Uhr

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