Das E-Auto macht Zehntausende Arbeitsplätze platt

Volkswagen baut 30'000 Jobs ab – die meisten davon in Deutschland. Mit Elektroautos will sich der Konzern in die Zukunft retten – und sein Image aufpolieren.

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Das Traktandum hiess «Zukunftspakt». Hinter dem nett klingenden Wort versteckt sich ein tiefer Einschnitt. Der Aufsichtsrat von Volkswagenhat heute an seiner Sitzung den Abbau von 30'000 Stellen weltweit beschlossen. Das sind rund 5 Prozent der weltweit 604'000 Beschäftigten. «Wir leiten so die Rückkehr der Marke Volkswagen auf einen profitablen Wachstumskurs ein», erklärt der Konzern.

Ein Pakt ist der Abbau, weil er mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt worden ist. Er wird vor allem die VW-Standorte in Norddeutschland treffen. Dort gehen 23'000 Arbeitsplätze verloren. Der Betriebsrat hat aber durchgesetzt, dass keine Werke geschlossen werden und es zu keinen Entlassungen kommt. Der Stellenabbau soll «sozialverträglich» geschehen und bis Ende 2020 umgesetzt werden. Geplant sind offenbar die Ausnutzung der Fluktuation, Frühpensionierungen und schrittweise Altersrücktritte durch Teilzeitarbeit. Das soll VW Einsparungen von 3,7 Milliarden Euro pro Jahr bringen. Die Produktivität in den deutschen Werken soll dank der Kostensenkung um rund 25 Prozent steigen. In der Heimat beschäftigt VW noch 278'000 Menschen.

Sparen wegen Abgasskandal

Volkswagen steht seit Dieselgate unter Druck. In den USA war im September 2015 eine illegale Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung der Diesel-VW entdeckt worden, um die amerikanischen Abgasnormen zu umgehen. Das kommt den Konzern teuer zu stehen. Allein in den USA muss er mehr als 15 Milliarden Dollar für Rückkäufe, Entschädigungen und Bussen zahlen. Insofern ist das Sparprogramm auch ein Versuch, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen.

Kinder im Erlebnispark «Volkswagen World»: VW will elektrisch in die Zukunft. Bild: Keystone

Die Stellenreduktion passt aber auch zum Strategieschwenk, den der deutsche Autoriese vor einiger Zeit angekündigt hat. VW will sich in Zukunft stark auf elektrisch angetriebene Personenwagen ausrichten. Die Herstellung von E-Autos ist viel weniger arbeitsintensiv als die von PKW mit Verbrennungsmotoren. Zudem hilft das VW, das seit dem Abgasskandal angekratzte Image wieder etwas aufzupolieren.

30 neue E-Modelle

Bis 2025 plant Volkswagen rund 2 bis 3 Millionen Elektroautos im Jahr zu verkaufen. Jedes dritte Fahrzeug, das vom Band rollt, wäre als dann ein E-Auto. Mehr als 30 vollelektrische Modelle will der Konzern bis dahin auf den Markt gebracht haben. In Deutschland werden die Stromer in Wolfsburg und Zwickau sowie in Dresden gebaut.

Im Bereich Elektromobilität werden denn auch bei VW in den kommenden Jahren in Deutschland 9000 neue Jobs geschaffen, wie der Konzern mitteilt. Sie sollen mit vorhandenen Mitarbeitern und auch Spezialisten von aussen besetzt werden. Die Standorte Braunschweig, Kassel und Salzgitter bekommen Zulieferaufgaben.

Erstellt: 18.11.2016, 16:39 Uhr

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