Wirtschaft

«Zuversichtlich», «beeindruckend», «nicht schlecht» – Analysten loben die UBS

Aktualisiert am 02.05.2012 1 Kommentar

Die UBS steigt mit einem moderaten Gewinn ins Jahr 2012. Was sagen Analysten, wie beurteilt die Konzernleitung den Geschäftsgang? DerBund.ch/Newsnet berichtete live.

«Unser Ruf ist ausserhalb der Schweiz viel besser»: UBS-Konzernchef Ermotti im Videointerview.
Video: Keystone

(ssc)

  • Zusammenfassung  

    Das Fazit aus den heute präsentierten UBS-Quartalszahlen fällt durchmischt aus. Auf der einen Seite weist die Bank einen Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Franken aus und bleibt damit unter den Erwartungen der Analystengemeinde.

    Auf der anderen Seite wird das Betriebsergebnis durch Einmaleffekte geschmälert, die eigentlich buchhalterischer Natur sind und wenig mit dem Geschäft im ersten Quartal zu tun haben. So drückt die Neubewertung der eigenen Obligationen das UBS-Ergebnis um beinahe eine Milliarde Franken herunter. Das um diese Effekte bereinigte Ergebnis liegt bei 2,2 Milliarden Franken.

    Konzernchef Sergio Ermotti kommentierte das erste Quartalsergebnis, das er vollständig zu verantworten hat, vorsichtig optimistisch. Betont wurde, dass die UBS auf Sicherheit setzt. Die Bank hätte in allen Geschäftsbereichen gut gearbeitet, so Ermotti.

    Finanzanleger zeigten sich offenbar beeindruckt von den hohen Nettozuflüssen von Kundengeldern. So schoss die UBS-Aktie nach Handelsbeginn in die Höhe und pendelte sich im Verlauf des Morgens bei einem Plus von zwischen 5 und 6 Prozent gegenüber dem Vortag ein. Aktuell steht die UBS-Aktie bei 11.95 Franken (10:30 Uhr): Diesen Kurs hatte das Papier zuletzt Anfang April erreicht.

  • Wer verdient am meisten?  

    Das Nachrichtenportal «Finews» hat die Personalsituation bei der UBS unter die Lupe genommen (Link zum Artikel). Laut Finews vollzog sich der im vergangenen Jahr durchgeführte Abbau von 1100 Stellen vor allem in der Schweiz. Interessant sind die Zahlen, die das Finanzportal für die Personalkosten pro Kopf – also die Löhne für die ersten drei Monate – angibt (Text gekürzt aus «Finews»):

    So gab die UBS für eine Vollzeitstelle im Wealth Management im ersten Quartal 35'900 Franken aus. In der Investment Bank waren es 89'700 Franken, im Bereich Retail & Corporate (ehemals vor allem Swiss Bank) lagen die Personalaufwendungen bei 22'160 Franken pro Kopf. In die Liga der Investment Bank gelangten lediglich noch die Mitarbeiter von Wealth Management Americas: Hier lagen die Pro-Kopf-Aufwendungen bei 62'000 Franken.

  • Börse belohnt UBS  

    Die Investoren sind offenbar zufrieden mit dem UBS-Ergebnis.

    Seit Handelsbeginn sind die UBS-Aktien um 6,09 Prozent (10:00 Uhr) gestiegen. Aktuell steht der Aktienkurs bei 12.05 Franken. Zu Handelsbeginn lag der Kurs noch bei 11.33 Franken.

  • Analystenstimme  

    Die UBS hat im ersten Quartal 10,9 Milliarden an Neugeldern angezogen. «Ich bin sehr beeindruckt», sagt Analyst Ralph Silva von Silva Research Network in einem Interview mit Bloomberg Television. Die UBS habe in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Job gemacht – wenn man bedenke, wie schwach die Marke UBS noch vor Jahresfrist dagestanden habe.

  • Doppelspitze im Investmentbanking  

    Wie die neue Doppelspitze im Investmentbanking mit dem neu verpflichteten Andrea Orcel (Bild) und dem bisherigen Chef Karsten Kengeter funktionieren soll, will ein Analyst von Sergio Ermotti wissen.

    Die Co-Spitze entspreche den Stärken der Personen, so Ermotti. Kengeter sei für den Handel zuständig, Orcel für das Kundengeschäft. Die Ergänzung der Spitze entspreche vollständig der neuen UBS-Strategie. Orcel wird seinen Posten am 1. Juli antreten.

  • Analystenstimme  

    Laut Rainer Skierka, Bankenanalyst bei Sarasin, hat die UBS im ersten Quartal nicht schlecht abgeschnitten. «Die UBS hat sich operativ verbessert. Das Ergebnis ist durch einmalige Effekte überlagert», so Skierka zu DerBund.ch/Newsnet. «In näherer Zukunft sollte sich eine gewisse Stetigkeit in den Resultaten der UBS einstellen.»

  • Personalausgaben  

    Laut UBS-Finanzchef Tom Naratil hat die UBS ihre operativen Kosten reduziert. Zuletzt machten die Kosten 88 Prozent des Gewinns aus; im ersten Quartal hat sich dieser Wert auf 72 Prozent verringert. Die Personalausgaben sind dennoch gestiegen: Von 3,5 Milliarden Franken im 4. Quartal 2011 auf 4,0 Milliarden im ersten Quartal 2012.

  • Besser als CS  

    Die Analysten zeigten sich zwar nicht durchwegs zufrieden mit den Ergebnissen für das erste Quartal, das die Grossbank am frühen Morgen vorgelegt hatte. Sie verglichen die UBS aber mit Konkurrentin Credit Suisse, die in den Monaten Januar bis März deutlich weniger Gewinn erwirtschaftet hatte. Auch laufe die Vermögensverwaltung der UBS derzeit wesentlich besser als jene der CS, hiess es. (sda)

  • Rekordprofite in den USA  

    Beim Wealth Management hat die UBS vor allem dank mehr Gebühreneinnahmen profitiert. «Das Wealth Management Americas hat im ersten Quartal einen Rekordgewinn vor Steuern erzielt», sagt Finanzchef Tom Naratil den Medien. Insgesamt seien dem UBS Wealth Management 4,6 Milliarden Dollar an Neugeldern zugeflossen.

  • Kredite an Krisenländer  

    Gemäss einer Agenturmeldung von Bloomberg hat die UBS im ersten Quartal mehr Kredite an Italien und Frankreich vergeben. Die Nettoexposition der UBS in Frankreich beträgt demnach neu 4,5 Milliarden anstatt 3,6 Milliarden Franken. An den italienischen Staat hat die Bank netto 2 Milliarden Franken ausgeliehen, zuvor betrug der Wert 950 Millionen Franken.

  • Verzerrte Resultate  

    «Unsere Kunden vertrauen uns»: UBS-Konzernchef Sergio Ermotti eröffnet eine Videokonferenz für Journalisten und Finanzanalysten. Zu Beginn macht Ermotti deutlich, dass das Quartalsergebnis durch einmalige Effekte geschmälert wurde. Berichtigt um Bewertungsverluste bei eigenen Obligationen und der eigenen Pensionskasse würde der UBS-Quartalsgewinn bei 2,2 Milliarden Franken liegen.

  • Analystenstimme  

    Teresa Nielsen, Bankenanalystin bei Vontobel, bestätigt in einer Morning Note ihre Kaufempfehlung für UBS-Aktien. An den Neugeldzuflüssen zeige sich, dass das Vertrauen in die Bank zurückgekehrt sei. «Die Kundenaktivität hängt jedoch weiterhin von makroökonomischen Faktoren und den Finanzmärkten ab», so die Vontobel-Analystin. «Unseres Erachtens verfügt die Bank über eine gute Kapitalbasis, um mögliche wirtschaftliche Schocks zu verkraften.»

  • Das Quartalsergebnis  

    Die Grossbank weist im ersten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,3 Milliarden Franken aus. Im Vorfeld wurde allerdings mit einem Quartalsgewinn von 1,6 Milliarden Franken vor Steuern gerechnet. Im Vergleich zum Vorquartal hat sich die UBS verbessert. Vor Jahresfrist schloss die Bank das erste Quartal allerdings noch mit einem Vorsteuergewinn von 2,2 Milliarden Franken ab.

  • Die Sparten  

    Im Investmentbanking schreibt die UBS ein negatives operatives Ergebnis vor Steuern. Die Bank weist einen Quartalsverlust von 373 Millionen Franken in der Sparte aus. Verantwortlich ist die bessere Bewertung der UBS-Obligationen, die sich in einem Buchverlust von über einer Milliarde Franken niederschlägt.

    Beim Wealth Management schliesst die UBS mit einem Vorsteuergewinn von 803 Millionen Franken deutlich stärker ab als im Vorquartal. Das Geschäft mit reichen Kunden lief vor allem in Amerika gut. Der Nettoneugeldzufluss ist insgesamt um mehr als das Doppelte auf 10,9 Milliarden Franken gestiegen.

    In der Sparte Global Asset Management – der Verwaltung institutioneller Vermögen – steigt der Gewinn der UBS als Folge des geringeren Geschäftsaufwands im Vergleich zum Vorquartal von 118 Millionen Franken auf 156 Millionen Franken.

    Verbessert hat sich die UBS auch in der Sparte Retail & Corporate, dem standardisierten Geschäft mit Privatkunden und Unternehmen. Im Vergleich zum Vorquartal steigt der Vorsteuergewinn der Bank von 412 auf 575 Millionen Franken.

  • Basel III  

    Die UBS baue weiter Risiken ab, schreibt die Bank. «Wir sind im Fahrplan», so Konzernchef Ermotti. Gemäss dem Bankenstandard Basel III wurden die risikogewichteten Aktiven um 30 Milliarden Franken reduziert.

  • Neugelder  

    In der Vermögensverwaltung, die nach den Plänen der Bankführung um Konzernchef Sergio Ermotti künftig eine wichtigere Rolle im Konzern einnehmen soll, nahm die Bank im ersten Quartal 2012 unter dem Strich 10,9 Milliarden Franken Neugeld entgegen. Ende März verwaltete die Bank 2115 Milliarden an Vermögen, nach 2088 Milliarden Franken Ende 2011.

  • Boni und Vergütung  

    Wie die UBS weiter berichtet, stiegen die Saläre und variablen Vergütungen um 579 Millionen auf 2,813 Milliarden Franken. Dem steht ein Stellenabbau gegenüber: Ende März beschäftigte die UBS 64'243 Mitarbeitende, 577 weniger als Ende 2011. Der Abbau erfolgte im Rahmen des angekündigten Sparprogramms, mit dem die UBS ihre Kosten um 2 Milliarden Franken drücken will.

Erstellt: 02.05.2012, 09:02 Uhr

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1 Kommentar

Rolf Schumacher

02.05.2012, 16:52 Uhr
Melden 4 Empfehlung 0

Ich gönne Altbundesrat Villiger, dass er sich während einem UBS-Zwischenhoch verabschieden kann. Grübel und Villiger haben die UBS sicher und besonnen aus dem gröbsten Sumpf herausmanövriert. Ob ein Unicreditkapitän (Ermotti) und ein ehemaliger BIZ-Direktor (Axel Weber) die diskrete. loyale zuverlässige UB-SCHWEIZ-Führung sind? Ein luganesisches Shetinofiasko brauchen wir definitiv nicht. Antworten



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