Zugpferd für Spuhlers Unternehmen
Aktualisiert am 16.02.2012 23 Kommentare
Peter Spuhler schockiert
Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler ist über den schweren Unfall von Flirt-Zugskomposition in Norwegen schockiert.
Bisher gebe es keine klaren Erkenntnisse über die Ursache des Unfalls von gestern auf einer Testfahrt mit einer Zugskomposition des Typs Flirt des Thurgauer Herstellers. Stadler Rail arbeite bei den Ermittlungen eng mit den norwegischen Behörden zusammen. Dass es zu dem Unfall kommen konnte, sei sehr bedauerlich, besonders weil es Verletzte gegeben habe, sagte der Chef des Unternehmens, SVP-Nationalrat Peter Spuhler, im Interview mit Radio 1. Von einem Rückschlag für sein Unternehmen wollte er im Zusammenhang mit dem Unfall aber nicht sprechen.
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Derzeit wissen bestenfalls Eingeweihte in Norwegen, wie es zu dem Unglück kam, bei dem ein Flirt-Zug von Stadler Rail entgleiste. Eine technische Ursache bei der Zugtechnologie ist zwar nicht ausgeschlossen – doch zu Mutmassungen in diese Richtung hat sich noch niemand hinreissen lassen. Auch in der Schweiz nicht: Gegenüber dem Sender Radio 1 erklärten Sprecher von SBB und Südostbahn, man warte die Untersuchungsergebnisse ab.
Seinen Erfolg auf vielen Absatzmärkten verdankt der Flirt, dessen Kürzel selbstbewusst «Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug» bedeutet, auch schlichter Zuverlässigkeit. Die ersten zwölf Exemplare orderten die SBB – in Gestalt der vierteiligen Kompositionen mit dem Kürzel RABe 523. Das erste Fahrzeug wurde im Juni 2004 präsentiert, und rund drei Jahre später orderten die Bundesbahnen ein Dutzend weitere für den Regionalverkehr.
Modulare Bauweise als Konzept
Als «Vorstufe» des Flirt gilt der Gelenktriebwagen GTW, den Stadler Mitte der Neunzigerjahre entwickelt hatte: ein preisgünstiges Gefährt für den Betrieb im Regionalverkehr, von dem zu dieser Zeit schon mehr als 300 Exemplare verkauft worden waren. Der Erfolg lag unter anderem am modularen Aufbau, der es dem Unternehmen, damals noch ein Nischenplayer, erlaubte, Züge effizient auf Wunsch zu liefern: mit unterschiedlichen Antrieben, Spurweiten, Längen.
Der Flirt basierte auf dem gleichen Konzept. Nur eine Nummer grösser, nämlich für den Betrieb als S-Bahn im schnellen Regionalverkehr und in Ballungsräumen – mit 200 Sitzen oder mehr und einer Höchstgeschwindigkeit, die in der Regel bei 160 km/h liegt.
Kinderkrankheiten schnell behoben
Ernsthafte Probleme gab es mit dem Zugtyp selten. Die Stadtbahn Zug klagte Anfang 2005 nach Inbetriebnahme über Störungen bei den Türen und Probleme mit der Software. Und im März 2009 berichtete die Presse von einer Kälteanfälligkeit bei Fahrzeugen für Deutschland: Bei unter null Grad machten das Kühlsystem und die elektronischen Türsteuerungen Probleme – keine Mängel, die nicht innert einer kundenfreundlichen Frist zu beheben wären.
Selbst diese Zwischenfälle konnte das Unternehmen nutzen, um mit unkompliziertem Einsatz für die Kundschaft für sich zu werben. Gegenüber dem Magazin «Bilanz» erklärte der zuständige Chef des Privatbahnbetreibers, Hans Leister, trotz seiner Klagen, man sei «mit der Reaktion von Stadler sehr zufrieden».
Ambitionen in der «Liga Intercity»
Auf der Basis des bisherigen Erfolgs will Stadler bald in schnellere Bereiche vorstossen – mithilfe aufgerüsteter Versionen mit höherwertiger Ausstattung, die bis zu 200 km/h schnell sind. Ingesamt wurden bis heute 718 Flirts in 13 Ländern verkauft – in Konfiguration von bis zu 6 Einzelwagen für unterschiedlichste Ansprüche.
Auch die 50 Züge, die Norwegen geordert hat, wurden auf die Anforderungen ausgelegt – bei der Motorisierung, der Isolation und der Tauglichkeit für den harten Winter. 26 Züge sind für den S-Bahn-Verkehr in und um Oslo mit Reisezeiten bis 90 Minuten konzipiert, 24 weitere für die Region südlich davon und bis zu drei Stunden Reisezeit – der bislang grösste Auftrag, den die norwegischen Staatsbahn zu vergeben hatte.
Die Testfahrten mit vier von fünf Fahrzeugen waren laut Stadler Rail bis dahin problemlos verlaufen. Weiter geht es dennoch erst dann, wenn die Ursache für das Entgleisen gefunden ist – am besten mit tatkräftiger Unterstützung von Stadler-Mitarbeitern, die vor Ort sind, um die Behörden und Verantwortlichen mit technischem Support zu unterstützen. So hat es Stadler Rail versprochen. (raa)
Erstellt: 16.02.2012, 17:09 Uhr
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23 Kommentare
Jeden Arbeitstag darf ich einen Teil meines Weges mit einem Flirt fahren. Im Winter vergeht keine Woche, wo nicht irgendetwas schief geht. Mal friert die Bremse fest, dann fällt die Heizung aus, dann gehen Türen nicht auf. Ich sage nicht, der Zug sei schlecht. Aber diese nicht hinterfragte "Lobhudelei" finde ich da doch sehr erstaunlich. Antworten
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