Zeuge bestätigt Vermutung der Staatsanwaltschaft

Von René Lenzin, Mailand. Aktualisiert am 11.03.2010

In der Fastweb-Affäre sagte der verhaftete italienische Politiker aus. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft auf Betrug und Geldwäscherei konkretisiert sich.

Zuerst hat er alle Vorwürfe zurückgewiesen. Dann hat er geschwiegen. Dann ist er zurückgetreten und sofort verhaftet worden. Und nun singt er, der frühere Senator Nicola Di Girolamo von Silvio Berlusconis Popolo della libertà. Im ersten Verhör hat er die These der Römer Staatsanwaltschaft bestätigt: Das von ihr aufgedeckte Karussell von fiktiven Telefoniedienstleistungen ist zum Zweck des Betrugs und der Geldwäscherei konstruiert worden.

In die Affäre verwickelt sind auch die Swisscom-Tochter Fastweb und Sparkle, eine Tochtergesellschaft von Telecom Italia. Sie sollen am Transfer der fiktiven Leistungen beteiligt gewesen sein und mitgeholfen haben, den Staat um Mehrwertsteuereinnahmen von 365 Millionen Euro zu betrügen. Die Firmen bestreiten nicht die Transaktionen an sich, sondern ihre aktive Beteiligung an illegalen Handlungen. Sie seien Opfer einer kriminellen Organisation.

Mafia–Geld gewaschen

Di Girolamo bestätigte auch die Annahmen der Staatsanwälte über die mutmasslichen Hintermänner dieser Organisation: Deren Kopf sei der Römer Geschäftsmann Gennaro Mokbel, dem Kontakte zu rechtsextremen Kreisen und zur Mafia nachgesagt werden. Mit dem Betrugskarussell dürften auch schmutzige Gelder der kalabresischen 'Ndrangheta gewaschen worden sein, vermuten die Ermittler. Di Girolamos Rolle bestand gemäss eigenen Angaben darin, verschiedene internationale Firmen zu gründen, über welche die betrügerischen Transaktionen abgewickelt und getarnt worden seien.

Aus den Ermittlungen geht hervor, dass die Transaktionen im Umfang von 2 Milliarden Euro über Firmen und Konten in Italien, England, der Schweiz und verschiedenen überseeischen Steuerparadiesen gelaufen sind. Nun berichtet das deutsche «Handelsblatt», dass auch österreichische Banken verwickelt sein sollen – darunter Bank Austria, eine Tochter der italienischen Unicredit, sowie die Raiffeisen-Zentralbank, die Geschäftsbeziehungen mit Telecom Italia pflege. Laut «Handelsblatt» haben die Banken verdächtige Transaktionen von sich aus gemeldet und damit wesentlich zu den Ermittlungen beigetragen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2010, 04:00 Uhr

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