Wirtschaft

Xstrata-Manager kassieren bis zu 370 Millionen Franken bei Fusion mit Glencore

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 02.06.2012 52 Kommentare

Damit sie der Fusion von Glencore und Xstrata zum Durchbruch verhelfen, erhalten Xstrata-Manager Treueprämien, Optionen und goldene Fallschirme.

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Mick Davis, der den Minenkonzern Xstrata seit 2001 führt, erhielt letztes Jahr in Form von Lohn, Bonus, Pensionskassenbeitrag und anderen Leistungen eine Gesamtentschädigung von 9,6 Millionen britischen Pfund. Kommt die Fusion mit Glencore (GLEN 3.871 -2.69%) zustande, wird Davis deren Chef. Um ihn zu motivieren, dem Fusionsprodukt «Glenstrata» zum Erfolg zu verhelfen, soll Davis einen Treuebonus von 9,6 Millionen Pfund erhalten. Und zwar 2013, 2014 und 2015.

Davis kassiert demnach über die nächsten drei Jahre insgesamt 28,8 Millionen Pfund an Treueboni – umgerechnet rund 43 Millionen Franken. Und das selbstredend zusätzlich zum bisherigen Lohnpaket. Damit nicht genug: Weiter soll er nach der Fusion für 25 Millionen Pfund Aktien aus dem bisherigen Xstrata-Anreizprogramm erhalten. Und Davis winken in drei Jahren weitere 6 Millionen Pfund, wenn er bestimmte Vorgaben erfüllt.

Aufschrei der Grossaktionäre

Das Füllhorn wird neben Davis über 72 weitere Xstrata-Manager ausgeschüttet. Finanzchef Trevor Reid und Santiago Zaldumbide, Chef der Division Zink, erhalten je mehrere Millionen Pfund Treueboni – und dies 2013 und 2014. Die übrigen sechs Mitglieder im Topmanagement teilen sich 32 Millionen Pfund an Treueboni. Für weitere gut 60 Topkader stehen nochmals über 90 Millionen Pfund zur Verfügung.

Insgesamt machen allein die Treueboni mehr als 170 Millionen Pfund aus, umgerechnet eine Viertelmilliarde Franken. Des Weitern stehen unter dem nichtssagenden Titel «Zahlung 2012» für 36 Spitzenleute goldene Fallschirme im Wert von 45 Millionen Pfund bereit, sollten sie im Zuge der Fusion ihren Job verlieren. Rechnet man all diese Absicherungen und Anreize zusammen, kassiert die Xstrata-Spitze über die nächsten Jahre unter allen Titeln bis zu 250 Millionen Pfund – umgerechnet bis zu 370 Millionen Franken.

Unter den Grossaktionären von Xstrata hat das Vorhaben einen Aufschrei ausgelöst. Die gigantischen Motivationszahlungen seien «unakzeptabel und deprimierend», sagt Davis Cumming, Anlagechef des schottischen Versicherers Standard Life, der 3 Prozent an Xstrata besitzt. Das Anreizpaket für die Xstrata-Spitze sei «provokativ und unsensibel, gemessen am heutigen Klima», findet Dominic Rossi, Investmentchef des US-Fondsriesen Fidelity. «Im Endeffekt wurden die Interessen des Managements über jene der Aktionäre gestellt.» Die Zahlungen erfüllten die üblichen Standards punkto Managemententschädigung bei weitem nicht. Die Fusion kann also durchaus noch am Widerstand von Grossaktionären scheitern.

Ein Ausgleich für Machtgefälle

Das Anreizpaket sei «sorgfältig geprüft», hält Xstrata-Präsident John Bond dagegen. Die Glencore-Zentrale in Baar betont, die Anreize sollten «sicherstellen, dass die Interessen der Xstrata-Aktionäre wahrgenommen werden» nach der Fusion zu einem grösseren Gebilde. Weiter soll das Paket für die Xstrata-Spitze «den Einfluss des Glencore-Managements ausgleichen», sagt Glencore.

Die Konzernleitung und der Verwaltungsrat von «Glenstrata» werden indes fast ausschliesslich mit Xstrata-Leuten besetzt. Mick Davis soll den Rohstoffriesen leiten, Glencore-Chef Ivan Glasenberg wird nur Vize. Und Glencore soll im Verwaltungsrat nur zwei von sieben Mitgliedern stellen können. Glasenberg wird nicht im Verwaltungsrat sein.

Doch Glencore gehört nach dem Börsengang mehrheitlich Glasenberg und 485 Partnern – sie werden auch «Glenstrata» beherrschen. Ihre Aktien machen sie zu Multimillionären, Glasenberg und einige Mitstreiter zu Milliardären. Die Millionen für Xstrata-Manager sind ein Trostpflaster, wenn auch ein teures.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.06.2012, 22:13 Uhr

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52 Kommentare

Daniel Blattmann

02.06.2012, 14:14 Uhr
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Einfach nur krank! Langsam würde es mich nicht wundern, wenn es zur Revolution kommt. Ich bin ein liberal denkender Mensch, aber solche Machenschaften sind absolut inakzeptabel, wie sämtliche jährlichen Vergütungen (Lohn und Bonus) über CHF 5 Mio. Niemand kann soviel wert sein, dass mehr als 5 Mio. zu rechtfertigen sind. Ich kann nur den Kopf schütteln. Eine Verar.... der Normalbevölkerung. Antworten


Carlo Müller

02.06.2012, 13:59 Uhr
Melden 116 Empfehlung 0

Und was bringt die Übung überhaupt? Den Aktionären wohl nichts. Wie die meisten Fusionen dürfte auch diese nur dazu dienen, dem Topmanagement mit Taschen zu füllen. Antworten



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