Wirtschaft

Woran die Verschmelzung scheitern könnte

Von Simon Schmid. Aktualisiert am 08.02.2012 2 Kommentare

Glencore und Xstrata brauchen für die Fusion den Segen von Behörden – und zwar in mehreren Kontinenten der Welt. Doch die Zuger Unternehmen haben einen wichtigen Trumpf im Ärmel.

Marktmacht aus dem Erdinnern: Zinnschmelze in Bolivien (heute nicht mehr in Glencore-Besitz).

Marktmacht aus dem Erdinnern: Zinnschmelze in Bolivien (heute nicht mehr in Glencore-Besitz).
Bild: Keystone

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«Die Absegnung durch die Wettbewerbsbehörden wird eine legale Formalität», sagte Mick Davis gestern zu den Medien. Der Konzernchef von Xstrata antwortete damit auf die geäusserten Bedenken zur geplanten Fusion seines Unternehmens mit dem Zuger Konzern Glencore. Durch den Zusammenschluss entstünde ein Konzern mit einem Marktwert von 90 Milliarden Dollar – ein Gigant, der seine Marktmacht im Rohstoffsektor vom Abbau über den Transport bis zum Handel ausspielen könnte.

Gerade diese Tatsache dürfte Wettbewerbsbehörden in aller Welt dazu veranlassen, Glencore und Xstrata genauer unter die Lupe zu nehmen. Laut einem Bericht des «Wall Street Journal» äusserte der japanische Wirtschaftsminister Tadahiro Matsushita gestern bereits erste Bedenken über die zunehmende Konzentration im Rohstoffhandel. Auch einen Wirtschaftsanwalt aus Brüssel zitiert das Blatt: Die geplante Fusion könnte Probleme aufwerfen, weil Xstratas Mitbewerber im Rohstoffabbau beim Transport kaum am Handelsunternehmen Glencore vorbeikommen würden.

Grössere Marktmacht der Konkurrenz

Ein von DerBund.ch/Newsnet befragter Analyst hält diese Bedenken für wenig stichhaltig. «Die Chance, dass der Deal durchkommt, ist sehr gross», sagt der Londoner Marktbeobachter. Auch als integriertes Bergbau- und Handelsunternehmen wären Glencore und Xtrata «price taker», und nicht «price maker»: Würde der Konzern beispielsweise beim Kohleabbau die Mengen reduzieren, so könnte es damit keinen höheren Preis durchsetzen – sondern würde mit dieser Taktik höchstens Geld verlieren. Zusammengenommen verfügen die beiden Unternehmen über Marktanteile von knapp über zehn Prozent bei Kohle und Zink.

Sorgen machen sich Wettbewerbsbehörden laut dem Londoner Analysten jedoch erst ab Anteilen von 15 Prozent oder mehr. Bei der direkten Konkurrenz von Glencore und Xstrata sind diese Anteile bereits überschritten: Beispielsweise in der Förderung von Eisenerz halten BHP, Rio Tinto und Vale je gegen 30 Prozent. Die Marktmacht dieser Konzerne ist bereits heute beträchtlich: Geschätzte 5-10 Prozent beträgt die Spanne, innerhalb der BHP oder Rio Tinto ihre Preise variieren können.

Brüssel hat schon einmal zugesagt

Mit der Fusion befassen müssen sich die Kartellbehörden ohnehin – und zwar überall dort, wo Glencore und Xstrata die geltenden Umsatzschwellen überschreiten. In der Schweiz wird die Wettbewerbskommission vom Gesetz her aktiv, sobald zwei fusionierende Konzerne zusammengezählt zwei Milliarden an weltweitem Umsatz erzielen. Eine weitere Bedingung für ein Prüfverfahren ist, dass jeder der Konzerne für sich im letzten Jahresbericht mindestens 100 Millionen Franken an Umsatz in der Schweiz ausweist.

Die Bedingungen der europäischen Kartellbehörden sind ähnlich, wie ein Experte in Wettbewerbsrecht gegenüber DerBund.ch/Newsnet erklärt. Die entsprechenden Schwellen liegen bei 5 Milliarden Euro Gesamtumsatz und je 250 Millionen Einzelumsatz pro Konzern in der EU. Zwar legen Glencore und Xstrata ihre Umsatzzahlen in der Berichterstattung nicht nach einzelnen Ländern, sondern bloss nach globalen Regionen offen. Die kritische Grösse dürfte indes erreicht sein: So weist allein Glencore für die Region Europa 2010 einen Umsatz von gegen 50 Milliarden Dollar aus. Bei Xstrata liegt der entprechende Wert bei 7,5 Milliarden Dollar.

In Bezug auf Europa dürfen Glencore und Xstrata allerdings zuversichtlich sein. 2006 gab Brüssel schon einmal seine Zustimmung; es ging damals um die kanadische Minengesellschaft Falconbridge, die Xstrata für 16 Milliarden Dollar übernehmen wollte. Die EU-Kommission gab damals grünes Licht – unter der expliziten Berücksichtigung, dass Glencore mit seiner Beteiligung von 34 Prozent grossen Einfluss bei Xstrata ausübt. Nach Ansicht der EU-Behörden waren Glencore und Xstrata also bereits 2006 faktisch fusioniert. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Brüsseler Kartellwächter diese Fusion sechs Jahre später nun doch als problematisch einstufen würden.

10 Millionen Anwaltskosten

Auf Glencore und Xstrata kommt dennoch ein juristischer Marathonlauf zu – mit möglichen Anwaltskosten von über 10 Millionen Dollar, wie «Wall Street Journal» schätzt. Trotz globalisierter Wirtschaft gibt es keine internationale Kartellbehörde, die Fusionen dieser Grössenordnung für alle Länder beurteilen würde. In der Dokumentation, die Glencore gestern veröffentlichte, werden wettbewerbsrechtliche Abklärungsverfahren in der EU, in den USA, in Südafrika, China und in Australien erwähnt. Tatsächlich könnte jedes einzelne dieser Länder die Fusion zu Fall bringen, sofern es den zu bildenden Rohstoffkonzern für einen übermächtigen Marktteilnehmer hält.

Besonderheiten gelten im Wettbewerbsrecht der einzelnen Länder. So überprüft Südafrika beispielsweise nicht nur, welche Marktmacht Konzerne im Absatzmarkt des Landes besitzen (so wie es beispielsweise die Europäische Union tut). Sondern es kennt auch Limiten bezüglich der Marktmacht von Konzernen als Produzenten in Südafrika. Sowohl Xstrata, als auch Glencore, sind im Kohleabbau in Südafrika tätig.

Xstrata-Konzernchef Mick Davis befürchtet denn auch in Südafrika «langwierige Verfahren», wie «Financial Times» schreibt. Der von DerBund.ch/Newsnet befragte Analyst hält diese Bedenken angesichts der notorischen Langsamkeit der Behörden in Südafrika für berechtigt. Die Fusion könnte so zum Rennen um die Zeit werden: Das Übernahmeangebot von Glencore gilt bis zum 31. Oktober 2012 – ist bis dahin noch nicht klar, ob die Fusion zustande kommen kann, so muss mit den Regulierungsbehörden über eine Fristverlängerung verhandelt werden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.02.2012, 16:05 Uhr

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2 Kommentare

Mark Mathis

08.02.2012, 17:11 Uhr
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Lustig, wie Medienschaffende krampfhaft nach einem Grund suchen, warum die Fusion scheitern könnte. Da müssten sie schon so früh aufstehen wie die Glencore-Leute. Die haben das bestimmt längst abgeklärt. Übrigens fusst Xstrata auf ausgegliederten Glencore-Industriebeteiligungen, und grosse Aktienpakete hat Glencore an die CS zur Bewirtschaftung übergeben. Von wegen unzufriedenen Aktionären. Antworten


Thomas Steffen

08.02.2012, 17:12 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Die Marktanteile für Zink stimmen nicht ! Zudem scheint man zu vergessen, dass Glencore schon 30% von Xstrata hällt. Man kann also davon ausgehen, dass man schon heute markttechnisch die Rohstoffe im gleichen Sinne "kontrolliert" wie wenn man fusioniert wäre. Antworten



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