Wirtschaft
Woran das neue World Trade Center krankt
Aktualisiert am 29.07.2012 15 Kommentare
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Als am 11. September 2001 das World Trade Center im Herzen New Yorks in sich zusammenbrach, wurden die USA in ihrem Innersten getroffen: Der Terroranschlag offenbarte die Verwundbarkeit der mächtigsten Nation der Welt – ausgerechnet im räumlichen Zentrum des kapitalistischen Selbstverständnisses. Umso wichtiger und selbstverständlicher für die kollektiven Gesundung schien daher der rasche Wiederaufbau der Infrastruktur auf dem Ground Zero.
Doch mehr als zehn Jahre und eine tiefgreifende Krise des Kapitalismus später ist der Zuversicht harte Realität gewichen: Zwar ist der Bau zweier Bürotürme bereits gut vorangeschritten, aber der dritte ist schon beim achten von insgesamt 80 geplanten Stockwerken ins Stocken geraten. Der Grund: Das Bauunternehmen Silverstein Properties hat gemäss «Wall Street Journal» Mühe, Mieter zu finden. Ein Vertrag mit der Regierung verbietet es dem Unternehmen nämlich, weiterzubauen, bis ein Mietvertrag unterschrieben ist. Dass diese Klausel einst zum Problem werden würde, damit hatte der Investor Larry Silverstein nicht gerechnet: Als er Mitte 2010 mit dem Bau begann, hatte er darauf gezählt, schnell einen Mieter zu finden, um ohne Unterbrechung bauen zu können.
UBS hat Gespräche beendet
Und dabei ist es ironischerweise ausgerechnet der Kapitalismus, der die Auferstehung seines eigenen Sinnbildes ausbremst: Die Probleme des World Trade Center Nummer Drei hängen mit der Stagnation auf dem grössten Büroimmobilienmarkt des Landes zusammen. Die stark angeschlagene Finanzbranche hat mit einer schwachen Konjunktur und enttäuschenden Geschäftzahlen zu kämpfen. Erst letzte Woche haben mehrere Banken Sparrunden angekündigt, und zahlreiche Unternehmen haben ihre Büroräumlichkeiten in New York verkleinert, weil sie den Platz nicht (mehr) brauchen.
Für eine Weile war die UBS als Hauptmieterin des dritten Turms im Gespräch. Nach einem verhaltenen zweiten Quartal 2011 habe das Unternehmen die Gespräche jedoch beendet, sagt Silverstein gegenüber dem «Wall Street Journal». Letzten Sommer verkündete die Schweizer Grossbank schliesslich, sie sei zufrieden mit dem Standort in Stamford (Connecticut). Auch die anderen Interessenten – die Investmentbank Jefferies Group, Viacom und Citigroup – sind abgesprungen und haben gemäss Immobilienexperten kürzlich neue Mietsverträge an bestehenden Standorten unterzeichnet.
Büroumzüge zu kostspielig
Mark Weiss vertritt die Mieter, die sich für das neue World Trade Center interessieren. Er bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: «Es sind hervorragende Bürogebäude – es gibt einfach keine Nachfrage.» So kämpfen denn auch die anderen Wolkenkratzer auf dem Ground Zero mit demselben Problem: Das World Trade Center Nummer Vier, das Ende 2013 fertig gebaut sein soll, ist aktuell nur zur Hälfte an Regierungsorganisationen vermietet. Und auch das Wahrzeichen des Projekts – das One World Trade Center – ist nur zu 55 Prozent vorwiegend an den Verlag Condé Nast vermietet. In den beiden fast abgeschlossenen Türmen sind gesamthaft rund 230'000 Quadratmeter Fläche unvermietet.
Die Bauherren zeigen sich zwar zuversichtlich, dass die Gebäude doch noch vollständig besetzt werden können. Der Ausblick sieht indes düster aus: Angesichts des schwachen Arbeitsmarkts und der unsicheren Konjunktur scheint es nur folgerichtig, dass seitens der Firmen kein Bedarf an mehr Raum besteht – kostspielige Büroumzüge stehen nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. Zahlen belegen diesen Eindruck: 40 Prozent der neuen Mietverträge in Manhattan waren im aktuellen Jahr gemäss «Wall Street Journal» Verlängerungen bereits bestehender Verträge – ein doppelt so hoher Anteil wie noch vor fünf Jahren.
Silverstein setzt jetzt konkret auf grosse Firmen wie Time Warner, die auf der Suche nach neuen Gebäuden in Manhattan sind. Denn gelingt es ihm nicht, 37'000 Quadratmeter der zukünftigen Fläche zu vermieten, würden gemäss Vertrag mit der Regierung nur die ersten acht bereits bestehenden Stockwerke fertig gestellt, um beispielsweise Geschäfte unterzubringen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.07.2012, 19:39 Uhr
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15 Kommentare
Die Finanzindustrie müsste zuerst wieder zur Moral und Ethik den Rücksweg finden. Nur die reine Geldgier kann die Zukunft nicht positiv beeinflussen , schon gar nicht da friedliche, globale Zusammenleben der Menschen. Antworten
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