Wirtschaft

Woher nimmt Wikileaks das Geld?

Von Walter Niederberger, San Francisco . Aktualisiert am 24.08.2010 3 Kommentare

Mit einem komplexen Netzwerk schützt die umstrittene Website ihre Geheimnisse.

Meister der Verschleierung: Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Meister der Verschleierung: Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Bild: Keystone

Wikileaks ist nach der Publikation von 76 000 klassifizierten Dokumenten aus dem Irak-Krieg ins Visier von Regierungen und Unternehmen geraten, die den Zugang blockieren oder strafrechtlich dagegen vorgehen wollen. Noch bedeckt hält sich das US-Verteidigungsministerium. Es erwägt aber, die Publikation von weiteren 15 000 Irak-Dokumenten gerichtlich verbieten zu lassen.

Solchen Versuchen will Wikileaks-Gründer Julian Assange mit einem global aufgestellten Finanzierungssystem zuvorkommen, wie er dem «Wall Street Journal» sagte. Es besteht aus mehreren unabhängigen Einnahmequellen, die so angelegt sind, dass vor allem Zahlungen für die Infrastruktur – etwa 20 Server in mehreren europäischen Ländern – verdunkelt sind.

Spenden gegen Klagen abgeschirmt

Weil Wikileaks nicht als Unternehmen agiere, müssten die Spenden gegen Klagen abgeschirmt werden, so Assange. «Wir können es uns nicht leisten, dass unser Geldfluss abgestellt wird.»

Abgestützt ist Wikileaks demnach auf drei Pfeilern:

  • Hauptträger ist die deutsche Wau-Holland-Stiftung, die nach einem deutschen Hacker benannt ist. Die Stiftung wurde im Frühjahr mit dem Sammeln der Spenden beauftragt. Dafür müssen Assange und seine Helfer Quittungsbelege vorlegen, um etwa die Ausgaben für Flugtickets oder Hotels erstattet zu bekommen. Nach Angaben der Stiftung zahlte sie dieses Jahr 50 000 Euro aus, eingegangen sind bisher rund 400 000 Euro aus überwiegend kleinen Spenden. Wikileaks war im vergangenen Dezember gezwungen, die Website stillzulegen, da pro Monat nur zwischen 2000 und 3000 Euro gespendet wurden, der Betrieb aber monatlich 10 000 bis 15 000 Euro kostet. Die Spenden nahmen nach der Publikation des Irak-Videos «Collateral Murder» im April massiv zu, sanken aber seither wieder stark ab.
  • In den USA betreibt Wikileaks zwei steuerbefreite wohltätige Organisationen. Sie dienen laut Assange als Briefkastenfirmen. Wie viel Geld über sie fliesst, ist unklar. Mit dieser Vernebelungstaktik soll auch der exakte Standort der Wikileaks-Server vor der Justiz geheim gehalten werden. Bekannt ist nur, dass die Website einen schwedischen Internetprovider und auch Server in Belgien benutzt sowie mehrere Hundert Internetadressen registriert hat.
  • Als weiteren Abwehrschirm hat Wikileaks unter dem Namen Sunshine Press unterschiedliche Firmen eingerichtet. In Schweden läuft die Website offiziell als Zeitung, um von der liberalen Mediengesetzgebung zu profitieren. In Australien ist Wikileaks als Bibliothek eingetragen und in Frankreich als Stiftung.

Der Geldfluss untersteht allerdings einem grossen Auf und Ab. Deshalb prüft Assange neue Quellen. Wikileaks könnte ähnlich wie ein Nummernkonto einer Bank organisiert werden, als anonyme Austauschbörse zwischen Whistleblowern und Medien, wobei Assange eine Vermittlungsgebühr kassieren könnte. Eine andere Idee sieht ein Gebührenmodell vor, bei dem geheime Informationen zuerst bekommt, wer am meisten zahlt.

Assange sieht sich als Opfer einer Schmierkampagne

Bereits gescheitert sind zwei weitere Modelle. Das eine sah die Versteigerung von Informationen vor, das andere wollte ein Forschungsdarlehen von über 500 000 Dollar der amerikanischen Knight-Stiftung anzapfen. Das Gesuch wurde im Juni abgewiesen.

Der 39-jährige, nomadenhaft lebende Gründer sieht sich zusätzlich bedrängt, nachdem er in Schweden in einen von den Boulevard-Medien inszenierten Wirbel um eine Vergewaltigungsklage gezogen wurde. Die Klage wurde am Wochenende wegen der schwachen Beweislage zurückgezogen, es bleibt eine Klage wegen sexueller Belästigung, die noch diese Woche geklärt werden soll. Assange sieht dahinter eine Schmierkampagne des Pentagons, ein Vorwurf, den das US-Ministerium sogleich als «absurd» zurückwies.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2010, 21:49 Uhr

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3 Kommentare

peter meier

24.08.2010, 10:44 Uhr
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Wer etwas anderes, als eine Schmierenkampagne nach der nächsten gegen Assange erwartet hat, ist ganz einfach naiv. Oder mit anderen Worten: die Schmutzkampagnen und Antireaktionen belegen, wie sehr er ins Schwarze getroffen hat. Oder mit Gandhis Worten: Erst ignorieren sie dich. Dann belächeln sie dich. Dann bekämpfen sie dich. Dann - hast du gewonnen. Antworten


Leo Ruegg

24.08.2010, 13:34 Uhr
Melden

Ob sie nun Wallraff oder Assange heissen, beliebt machen sie sich nicht. Quer laufen ihre Ansichten zu denen der maechtigen Regierungen. Haette ein Assange die Vernichtungsmaschinerie der Deutschen Nazis so aufdecken koennen, wuerden sicher Millionnen ermordeter Juden noch leben. Assange kann ein Segen fuer die Menschheit sein. Ein kommender Friedensnobelpreistraeger. Mich beindruckt seine Courage Antworten



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