Wirtschaft
Wo die Schweizer Biotech-Branche steht
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 25.04.2012 5 Kommentare
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Rückschlag für den Forschungsstandort
Der Branchenverband Interpharma hat am Dienstag die Schliessung des Merck-Serono-Hauptsitzes in Genf als Rückschlag für die Forschung in der Schweiz bezeichnet. Der Schritt zeige, wie dringlich der von der Branche beim Bundesrat geforderte Masterplan zur Revitalisierung des Pharmastandorts sei.
Der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz bedauert den Personalabbau und den Teilrückzug von Merck Serono aus der Schweiz. Merck Serono, Mitglied der Interpharma, sei das drittgrösste Pharmaunternehmen in der Schweiz. Entsprechend einschneidend sei der Rückschlag für den Pharmastandort, zumal er vor allem die Forschung betreffe.
Der Entscheid des deutschen Mutterhauses sei im Zusammenhang mit dem globalen Preisdruck und mit Enttäuschungen bei der Forschungspipeline zu sehen, hiess es am Dienstag in einem Communiqué. Dass der Schweizer Standort überproportional betroffen sei, hänge auch mit der schwindenden Attraktivität des Pharma- und Forschungsstandorts zusammen. (red)
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Die Gerüchteküche rund um den Abzug einzelner Biotechbetriebe aus der Schweiz brodelt seit längerem. Mit der heute bekannt gegebenen Schliessung der Merck (MRK 35.012 -0.44%) Serono in Genf wurde ein neuer Höhepunkt der Branchenkonsolidierung erreicht. Die Gründe für die Abwanderung betreffen aber nicht nur Merck. Die gesamte Branche hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Diese sind: Zu wenig innovative Biotechentwicklungen gelangen zur Marktreife, die Finanzierung wird für die kostenintensive Forschung immer schwieriger, und Währungseffekte machen den Pharma- und Biotechfirmen wegen des Frankenkurses zu schaffen. Die Zukunft des Forschungsstandorts Schweiz steht unter keinem guten Stern.
Deutlicher Umsatzrückgang
Ein Blick auf die Zahlen macht diesen Trend deutlich: Von 2010 auf 2011 ist der Schweizer Branchenumsatz gemäss Biotech-Report 2012 von 9,3 auf 8,7 Milliarden Franken gesunken. Und: «Die Umsätze im Franken werden wohl weiter rückläufig sein», sagt Biotech-Experte Jürg Zürcher von der Beratungskanzlei Ernst & Young. Er kann sich vorstellen, dass viele Firmen deshalb künftig lieber in einer anderen Währung konsolidieren als im Schweizer Franken. Novartis zum Beispiel rapportiert in US-Dollar. Unternehmen müssen nicht notwendigerweise aus der Schweiz abwandern, um in einer anderen Währung zu berichten.
Doch nicht nur umsatzmässig, auch auf der Finanzierungsseite hatten Biotechfirmen im Vorjahr nichts zu lachen. Von immerhin 500 Millionen Franken, die die Branche an Geldern im Vorjahr auftreiben konnte, entfällt mehr als die Hälfte allein auf Actelion. (ATLN 58.9 0.17%) Nur eine Handvoll weiterer Biotechfirmen hat den Rest der 500 Millionen erhalten.
Für viele kleinere Firmen blieb da nicht viel vom Kuchen übrig. Und das, obwohl auch die Forschungsproduktivität bei Big Pharma nicht mehr so gut sei, sagt Zürcher. Denn: «Die Anforderungen der Behörden sind strenger geworden.» Biotechfirmen müssten sich daher mehr überlegen, wie sie ihr Geld besser einsetzen wollen. So könnten einzelne Forschungsteile ausgelagert oder die Grundsatzentscheidung getroffen werden, ob man mehr Auftragsforschung oder -produktion betreiben möchte, meint der Experte. Hinzu komme eine mittlerweile lange Durststrecke bis zu konkreten Forschungsergebnissen. Viele potenzielle Kassenschlager befinden sich zwar im Endstadium der Entwicklung, brauchen aber noch Zeit und Geld, bis sie umgesetzt werden können. Für Zürcher ist klar: «Die Branche braucht wieder Erfolgsmeldungen.»
Forschungsergebnisse bleiben aus
Merck Serono ist jedenfalls keine solche. Bei der Genfer Firmentochter des deutschen Pharmariesen kommt noch eines hinzu, das laut den Analysten durchaus symptomatisch für die Branche ist: «Das Biotechgeschäft lebt nicht nur von Fakten, sondern ist auch stark persönlichkeitsgetrieben», sagt etwa der Pharmaspezialist der ZKB, Michael Nawrath.
Nachdem Ernesto Bertarelli im Jahr 2006 plötzlich lieber in Jachten denn in Forschung machte, ging es mit dem Unternehmen bergab. Ausserdem seien die Firmenkulturen der französisch geprägten Serono und des deutschen Mutterkonzerns Merck in Darmstadt zu unterschiedlich gewesen, sagen Branchenkenner. In der Konzernsprache ist von «Doppelstrukturen» und «Forschungsverlagerungen» die Rede. Tatsache ist: Ausser dem Blockbuster-Medikament Rebif hat Serono in den vergangenen Jahren kein nennenswertes Produkt mehr auf den Markt gebracht. Für Nawrath deuten die seltenen Erfolgsmeldungen aus der Forschung eher darauf hin, «dass zwischen Darmstadt und Genf wohl ein Kommunikationsproblem bestand». (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.04.2012, 14:46 Uhr
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5 Kommentare
Gute Forschungsergebnisse funktionieren nicht nach dem "Chinesenprinzip",
d.h. einfach mehr Leute und mehr Geld hineinpumpen.
In der Pharma generell sind viele Erfindungen "Zufallsergebnisse";
(man hatte in eine andere Richtung geforscht).
Beispiele: Penicillin, Valium/Librium, Viagra und auch LSD.
Es braucht Leidenschaft und Durchhaltevermoegen dazu.
Antworten
In der CH-Elektronikindustrie zahlt sich Innovation längst nicht mehr aus, da hier jede Neuerung das Risko der Verdrängung bestehender Produkte (und Gewinne) birgt. Bei völlig neuen Technologien kommen noch Marktentwicklungskosten. Folglich verlagert sich Innovation auf Asien - und für die nächsten Jahrhunderte wird das auch so bleiben. Jetzt trifft es nun einmal auch die Pharma/Biotech-Branche. Antworten
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