Wo Häuser fallen, steigen die Prämien
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 10.03.2010
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Das Erdbeben in Chile führt insgesamt zu Versicherungsschäden zwischen vier und sieben Milliarden Dollar. Das schätzt die Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re. (SREN 52.5 0.96%) Sie selbst werde etwa 500 Millionen bezahlen müssen, lässt das Unternehmen weiter verlauten. Allerdings seien die Unsicherheiten in der Schätzung beträchtlich.
Trotz der dramatischen Bilder aus Chile und der hohen Schadenssummen ist das Erdbeben für die Swiss Re keine Katastrophe. Die Häufung der Erdbeben in den letzten Monaten täuschen. «Aus globaler Perspektive ist die Erdbebenaktivität ein sehr konstantes Phänomen mit vergleichsweise geringen Schwankungen», sagt Swiss Re Sprecher Adalbert Koch gegenüber DerBund.ch/Newsnet.
Mehr als hundert Erdbeben jährlich
Im Schnitt ereignet sich weltweit jedes Jahr ein Erdbeben mit einer Magnitude von mindestens 8,0 auf der so genannten «Richterskala», rund 10 bis 15 Erdbeben mit einer Stärke von mindestens 7,0 sowie etwas mehr als hundert Erdbeben mit einer Mindeststärke von 6,0.
Wie bei allen Versicherungen berechnet auch die Swiss Re, die als Rückversicherung Schäden von direkten Versicherern abdeckt, die erwartbaren Schäden bereits im Voraus und erhebt entsprechende Prämien. In diese Berechnungen geht aber nicht in erster Linie die Schwere eines Erdbebens ein. Viel wichtiger ist die Frage, ob Menschen betroffen sind, was sie verlieren und am wichtigsten: ob sie versichert sind. In Chile waren es bedeutend mehr als im äusserst armen Haiti. Deshalb sind die Rückversicherer dort weit mehr betroffen.
Der Vorteil von Schadensfällen
Eine Häufung von Schadenfällen in einzelnen Jahren ist für eine Versicherung nicht zwingend ein betriebswirtschaftlicher Nachteil. Denn die Folge sind vermehrte Versicherungsabschlüsse und höhere Prämien. Ähnlich verhält es sich bei Naturkatastrophen und Rückversicherungen. Die Prämien, die die Erstversicherer für diesen Versicherungsschutz an die Rückversicherer zahlen, werden jährlich neu verhandelt. Nach einem Jahr mit höheren Versicherungsschäden tendieren die Preise daher für gewöhnlich aufwärts.
Das führt zu deutlichen Preiszyklen bei den Prämiensätzen. Weniger Schäden in einem Jahr führen zu Druck auf die Prämien, das hat sich im letzten Jahr im Geschäft mit Naturkatastrophen gezeigt, als schwere Katastrophen nach Wirbelstürmen in den USA ausblieben. Wenn in diesem Jahr weitere grosse Katastrophen auftreten, könnte der Trend bei der nächsten Erneuerungsrunde wieder nach oben gehen.
Börse hat kaum reagiert
Das Erdbeben in Chile allein reicht dazu allerdings gemäss Analystenberichten von heute nicht aus. Einzig bei den Prämien für die betroffene Region wird mit einem Anstieg gerechnet. Ob das Erdbeben im Andenstaat die Rechnung von Swiss Re am Ende doch übermässig belastet, hängt davon ab, ob die Schadenssumme in Chile weiter steigt und ob sich noch weitere für die Versicherungen teure Katastrophen ereignen, die das gesamte Schadensbudget deutlich übersteigen.
Kein Wunder muss Swiss Re auch an der Börse kaum Federn lassen. Nur zu Börsenbeginn machte der Kurs einen Taucher von bis minus 2,9 Prozent. Dann ging es stetig aufwärts. Am späteren Nachmittag notierte die Swiss Re-Aktie sogar im positiven Bereich. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.03.2010, 16:10 Uhr
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