Wirtschaft

Wird Zürich Flugverkehr aus München schlucken müssen?

Von Olivia Raths. Aktualisiert am 20.06.2012 61 Kommentare

Die Münchner Stimmbürger wollen keinen Ausbau ihres Flughafens. Lufthansa schliesst nicht aus, den Verkehr auf Hubs wie Zürich auszulagern. Was das bedeutet und welche Alternativen infrage kämen.

1/4 Der Münchner Flughafen Franz-Josef-Strauss: Im Jahr 2011 wurden hier 37,8 Millionen Passagiere abgefertigt – ein Rekord.
Bild: Keystone

   

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Am Flughafen München soll keine dritte Piste gebaut werden. Die Bürger haben sich am Wochenende deutlich gegen einen Ausbau ausgesprochen. Wie die «Financial Times Deutschland» (FTD) berichtet, stellt sich die Lufthansa (LHA 15.99 -1.20%) nun auf Probleme an ihrem – nach Frankfurt – zweitgrössten Hub ein. «Mit nur zwei Start- und Landebahnen wird der Münchner Flughafen täglich an seine Grenzen stossen», wird Lufthansa-Passage-Vorstand Thomas Klühr zitiert. Eine Sprecherin der Airline ergänzt: «Wir schliessen nicht aus, dass wir unseren Verkehr auf andere Drehkreuze der Lufthansa wie Zürich, Wien oder Brüssel verlagern.»

«Mehr Passagiere bedeuten nicht zwingend mehr Flüge und Lärm»

«Kurzfristig hat es für Zürich keine Bedeutung, dass München nicht ausgebaut wird. Zurzeit gibt es dort noch kein Platzproblem», sagt Max Ungricht, Chefredaktor der Schweizer Aviatikzeitschrift «Cockpit», auf Anfrage. «Längerfristig könnten jedoch Lufthansa-Kapazitäten an andere Hubs der Airline ausgelagert werden, auch in Zürich.» Laut Ungricht würde dies vor allem die Langstrecke betreffen. Mehr Passagiere bedeuteten aber nicht zwingend mehr Flüge und mehr Lärm. Man denke dabei an den Einsatz von grösseren und leiseren Flugzeugen, so der Aviatik-Experte.

«Zürich könnte zu einem Profiteur dieser Entwicklung werden», sagt Jürgen Pieper vom Frankfurter Finanzberater Metzler gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Allerdings sei fraglich, wie endgültig der Entscheid der Münchner sei. Wenn sich die Situation rund um den Flughafen ändere, könnte erneut eine Abstimmung stattfinden, vermutet Pieper. Dann müsste aber ganz Bayern darüber abstimmen, nicht nur München. «Für mich spricht vieles für einen Ausbau des Flughafens», so der Luftfahrt-Experte. Pieper ist zudem erstaunt über den Ausgang der Abstimmung: «Der Münchner Flughafen liegt so weit ausserhalb der Stadt, dass die Bewohner kaum etwas vom Flugbetrieb mitbekommen.»

Welches Potenzial haben andere Lufthansa-Hubs?

Wie Max Ungricht festhält, ist Deutschlands zweitgrösster Hub schon heute «keine sehr grosse Nummer» als Drehscheibe für Interkontinentalflüge. Welche Lufthansa-Hubs kämen also infrage, wenn es in München eng werden sollte?

  • Frankfurt: Der Lufthansa-Hub schlechthin, so Ungricht und Pieper. Heute werden etwa 70 Prozent der Lufthansa-Langstrecke über Frankfurt abgewickelt, wie Pieper grob schätzt. Ungricht sieht dort aufgrund der Eröffnung der neuen Landebahn etwas Raum für Kapazitäten aus München. «Allerdings wird dies erschwert durch das neue Nachtflugverbot in Frankfurt.»
  • Wien: Beide Experten sind sich einig, dass der Flughafen geografisch etwas abgelegen ist für eine umfassende Hub-Funktion. «Dort werden heute relativ wenige Interkontinentalflüge abgewickelt», so Ungricht. «Aufgrund der östlichen Lage gäbe es am ehesten Potenzial für Flüge nach Asien.» Mit der kürzlichen Eröffnung des neuen Terminals sei es zudem möglich, mehr Passagiere abzufertigen – hingegen könnten die Pisten nicht mehr viel Zusatzverkehr aufnehmen.
  • Brüssel: Geografisch liege Brüssel optimal, und in Belgien gebe es vergleichsweise wenige gesetzliche Einschränkungen für den Flugverkehr, sagt Ungricht. Allerdings sei der Flughafen relativ klein. «Pro Jahr könnte man dort keine 20 Millionen Passagiere abfertigen.» Um Kapazitäten aus München aufzunehmen, kommt Brüssel für Pieper nicht infrage: «Der Flughafen spielt keine wichtige Rolle in dieser Angelegenheit.»
  • Stuttgart: Ungricht glaubt, dass Stuttgart nicht schlecht geeignet wäre, um Lufthansa-Strecken aus München zu übernehmen. «Der Flughafen ging ein wenig vergessen in der Diskussion um Kapazitätsauslagerungen.»
  • Düsseldorf: Wie bei Wien ist Pieper der Ansicht, dass der Flughafen Düsseldorf zu weit weg liegt, um Flugkapazitäten aus München zu übernehmen.
  • Für den Fall, dass bestimmte Langstreckenflüge über andere Lufthansa-Hubs abgewickelt werden, meint ein Autor der FTD: «Nun müssen die Münchner sich daran gewöhnen, häufiger mal in Wien, Zürich oder Frankfurt umzusteigen.»
(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.06.2012, 13:43 Uhr

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61 Kommentare

Adam Berg

20.06.2012, 14:32 Uhr
Melden 161 Empfehlung 0

Und dann kommen die Süddeutschen die noch weniger Lärm wollen. Antworten


Anthony Smith

20.06.2012, 14:34 Uhr
Melden 111 Empfehlung 0

Ich wohne ganz in der nähe des Flughafens, auch am Sonntag häbe ich Fluglärm. (Flugzeuge starten ca. 40 Meter über meiner Wohnung durch. ABER wenn ich am Sonntag ausschlafe, werde ich bei offenem Fenster nicht von den Flugis geweckt, sondern von dem Krichgebimmel! Das sollte mal aufhören. Ich würde sogar einer Pistenverlängerung zustimmen. Antworten



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