Wirtschaft

Wird Banking endlich langweiliger?

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 29.07.2011 56 Kommentare

Investmentbanker: UBS und CS feuern Tausende. Warum das für den Rest der Welt keine ganz schlechte Nachricht ist.

Das Investmentbanking hat die Ergebnisse der Credit Suisse heruntergerissen: CS-Chef Brady Dougan.

Das Investmentbanking hat die Ergebnisse der Credit Suisse heruntergerissen: CS-Chef Brady Dougan.
Bild: Keystone

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Gerade noch hatten Investmentbanker den bestbezahlten Job des Planeten. Und nun werden sie überall entlassen, von der Wallstreet bis zum Paradeplatz. Die Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) sprach von 2000 Leuten, bei der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) munkelt man von 5000, und die britische HSBC soll gar 10 000 Stellen streichen.

Ironischerweise sind es gerade die monströsen Löhne – Anfangsgehälter von einer halben Million Franken aufwärts sind keine Seltenheit –, die jetzt zur Massenentlassung führen: Die Personalkosten sind gigantisch. Und die Geschäfte laufen schlecht. Denn in der doppelt unsicheren Zeit – mit der EU und den USA in der Krise – riskiert niemand grosse Investitionen, nicht die Unternehmen, nicht die Anleger. Und zusätzlich sorgen schärfere Regulierungen dafür, dass die Banken weniger Geld riskieren können.

Niemand spielt; selbst die Banken haben keine Jetons mehr. Die Regel vor der Krise hiess: «An der Börse ist es wie im Casino: Am Ende gewinnt immer die Bank». Die heutige heisst: «Feuert die Croupiers».Die Krise trifft eine Branche, die nicht eben den besten Ruf geniesst. Sachbücher wie «Lügenpoker» und Filme wie «Wall Street» zeichnen ein wenig vorteilhaftes Bild: Investmentbanker sind zwar hochintelligent und arbeiten wie verrückt. Aber sie behandeln ihre Untergebenen wie Dreck, sind einzig an Geld, Sex und Kokain interessiert und eiskalt.

Die Bankenspaltung

So weit, so faszinierend. Aber was machen Investmentbanker genau? Sie sind für alles Komplexe im Banking zuständig: Firmenfusionen, Börsengänge, hochkomplexe Finanzinstrumente, Handel mit Wertpapieren. Investmentbanking ist die Königsklasse der Finanzbranche. Nicht von ungefähr hiessen sie an der Wallstreet die «Herren des Universums». Der legendäre J. P. Morgan restrukturierte bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts die amerikanischen Eisenbahnen und entwarf die Finanzarchitektur für die Stahl-, die Elektro- und die Chemieindustrie. Ein Bonmot aus dieser Zeit lautete, Gott habe die Welt zwar erschaffen, aber J. P. Morgan habe sie neu organisiert.

In den 1930er-Jahren waren die Banken so mächtig, dass sich die Politik zum Handeln gezwungen sah. Unter Präsident Roosevelt spaltete man Geschäfts- und Investmentbanken. Das sicherte die Spargelder und entzog den Investmentbankern Risikokapital. Banking wurde langweilig. Sechzig Jahre lang passierte fast nichts. Erst in den 1980er-Jahren begann eine neue Blütezeit. Die Junkbonds brachten neues Kapital; sie ermöglichten Spekulanten feindliche Übernahmen und Management Buy-outs. Wie einst J. P. Morgan sorgten sie dafür, dass die Wirtschaft im Namen des Shareholder-Value neu organisiert wurde: Konzerne wurden gekauft, filetiert, neu zusammengesetzt – und Investmentbanker wurden wieder zu zentralen Figuren der Macht.

Hohe Risiken und Loyalitätskonflikte

Gleichzeitig revolutionierten Computer und Internet das Bankengeschäft. Physiker und Mathematiker waren das neue Starpersonal an der Wallstreet. Führende Investmentbanken stellten die besten Studenten zu sagenhaften Gehältern ein. Es lohnte sich: Die sogenannten Quants begannen hochkomplexe Finanzinstrumente zu entwickeln, die exorbitante Gewinne erlaubten. 2007 wurde die Finanzkrise auch zur Krise der Investmentbanken. Sie machte klar, dass die Innovationen in der Finanzbranche von zweifelhaftem Wert waren. Warren Buffett bezeichnete die neuen Finanzprodukte früh als «Massenvernichtungswaffen»; später merkten auch Laien, dass die gigantischen Wetten, die Investmentbanker gegeneinander abschlossen, nicht nur unsinnig, sondern schädlich waren. Schliesslich legte die Krise auch einen eklatanten Loyalitätskonflikt offen: Investmentbanken verkaufen ihren Kunden immer öfters hochkomplexe Produkte, gegen die sie selbst als Händler spekulieren.

Kurz: Nach langen stillen Jahren ist das Investmentbanking wieder ausser Kontrolle geraten. Zurzeit tobt deshalb ein epischer Kampf: Mit höheren Eigenkapitalvorschriften und strengeren Regeln will die Politik die Auswüchse des Investmentbankings wieder eindämmen und dafür sorgen, dass ihre hochriskanten Geschäfte nicht mehr länger mit einer Bürgschaft des Steuerzahler abgesichert werden. Banking soll endlich wieder langweilig werden. So gesehen ist es ein gutes Zeichen, wenn es den Investmentbankern schlecht geht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.07.2011, 07:08 Uhr

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56 Kommentare

Karl Gerber

29.07.2011, 07:21 Uhr
Melden 71 Empfehlung

Sehe täglich auch weniger intelligente Investmentbanker, die es in der Industrie nie auf einen grünen Zweig bringen würden, geschweige denn als Unternehmer. - Das "Generalprädikat" "(hoch-)intelligent" ist in der Anwendung auf Investmentbanker also eine krasse Uebertreibung. Antworten


Hansueli Zürcher

29.07.2011, 07:37 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Jahrelang haben Investmentbanker Geld mit Übernahmen gemacht, die dann die Angestellten und Arbeiter ausbaden mussten! Nicht zu unrecht haben sie sich den treffenden Titel Heuschrecken erhalten. Auch bildlich passt das Wort Heuschrecken ausgezeichnet, denn wenn alle Felder leergefressen und geplündert sind, sterben die Heuschrecken zu tausenden. Die Bevölkerung atme auf! Antworten



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